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Donnerstag, 21. Oktober 2010
Belle and Sebastian
Belle and Sebastian gehören zu den außergewöhnlichsten Bands der letzten 15 Jahre. Ihre aktuelle CD "Write about love" ist ein fast perfektes Popalbum geworden mit einer Musik, die ihre Wurzeln in einem geradezu kammermusikalischen Folk-Pop hat. Das gepostete Video dokumentiert den letzten wunderbaren Song des Albums "The life pursuit" von 2006. Der Bandleader und Komponist Stuart Murdoch ist Christ. In einem Interview (Musikexpress 2/2006, S. 27) berichtet er von der wöchentlichen Teilnahme am Gottesdienst, von der Bedeutung des Gebets für ihn und dann führt er aus:
"Ich war...lange Jahre sehr krank. Ich musste aufhören zu arbeiten, die Uni abbrechen, alles. Das war so von 1989 bis die Band (Anfang 1996) zusammenkam. Ziemlich die ganzen sieben Jahre war ich krank. Das war das größte, überwältigenste, was mir je passiert ist. Klar: wenn sich deine ganze Welt auf den Kopf stellt. Und in so einer Situation kommen dir Gedanken, die du vorher nicht hattest. Über spirituelle Dinge.
Was ist der Gott, den du dir vorstellst?Hm..Ich weiß nicht, ich fühle einfach, dass das etwas hinter dem ganzen Alltäglichen steckt. Ich tagträume gern. Aus diesen Tagträumen kommen die ganzen Songs und Ideen und guten Gefühle. Und ich hab das Gefühl, das ist derselbe Ort, wo ein anderer, größerer Geist wohnt."
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Vernünftige Argumente für die Realität Gottes
Glaube ist wesentlich ein Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch. Gott offenbart sich mir, er spricht mich an, er trifft mich ins Herz, in mein Existenz-Zentrum. Was aber, wenn ich aufgrund bestimmter Vorannahmen bezüglich Rationalität und Vernünftigkeit die Realität Gottes für grundsätzlich irrational, für denkunmöglich halte? Wenn es in meinem Denken gar kein Tor zu einer größeren Wirklichkeit gibt oder offen gehalten wird? Darum ist es von religiöser Seite her wichtig, zu zeigen, dass das Denken, die Rationalität des Menschen zwar Gott nicht beweisen, aber zumindest für denkmöglich halten kann. Das reicht für den Glauben nicht aus, aber es weitet das Denken.
Was die Realität Gottes anbetrifft, so haben Philosophen und Theologen in den letzten 2500 Jahren nämlich durchaus mehrere starke Argumente gefunden, die zur Kenntnis genommen werden sollten.
1. Mit guten Gründen läßt sich im Kosmos eine Zielgerichtetheit, durch Raum und Zeit bestimmt, erkennen. Der Kosmos wird durch über 30 Naturkonstanten gesteuert (z.B. durch die Planck’sche Mauer), die auf einen Grund schließen lassen, der sie eingerichtet hat und der der Entfaltung des Universums ein Ziel gegeben hat. Das Universum scheint genauestens reguliert worden zu sein. Wären die physikalischen Gesetze nicht genau so, wie sie es sind, dann gäbe es kein Universum, kein Sonnensystem, keine Erde und keine Menschen auf ihr, um darüber zu sprechen. Jean Guitton fragt staunend: „Ist diese schwindelerregende präzise Regulierung schierer ‚Zufall‘, oder entspringt sie dem Willen einer ersten Ursache, einer organisierenden Intelligenz, die unsere Realität transzendiert?“
2. Weiterhin läßt sich beobachten, daß alle Vorgänge im Universum Folge vorheriger Ursachen sind. Am Anfang dieser extrem komplexen Kausalkette könnte der unbewegte Beweger stehen, der Grund aller Ursachen. Gott kann so als das Sein bestimmt werden, daß alles Bestehende zusammenhält.
3. Gott ist der Umfassende, der alles umfaßt. Es ist durchaus vernünftig, vom Kosmos, der sich selbst nicht umfaßt, sonst wäre er ja selbst Gott, auf etwas zu schließen, das den Kosmos umfaßt. So ist denn das, was das Endliche umgreift, das Umgreifende. Die menschliche Vernunft nennt dann das, was Materie, Raum und Zeit umgreift „Gott“. Gott ist somit der Unbedingte, der alles Bedingte ermöglicht.
4. Gott läßt sich mit der Vernunft schließlich als derjenige erkennen, über den hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Gott ist dann die Wirklichkeit, über die man nicht hinausdenken kann. Gott als der Umgreifende läßt sich nicht mit dem endlichen Verstand ergreifen, weil diese immer nur das Endliche zu begreifen vermag. Gott lässt sich nur mit der Gabe der Vernunft erahnen, die das Umgreifende schauen, wenn auch nicht begreifen kann. Sonst wäre sie Gott selbst.
5. Wer sich dieser Weisheit öffnet, macht die Erfahrung, dass sinnliche Erfahrungen in ihrer Tiefe einen unendlichen Wert erhalten können, und damit einen Blick in die göttliche Wirklichkeit ermöglichen. So scheint das Göttliche im Weltlichen auf, nicht zuletzt auch im Schönen und Erhabenen. Viele Menschen machen diese Erfahrung in der Liebe, in der Freundschaft, in kreativen Aktivitäten (musizieren, malen, dichten) oder in tiefen Naturerlebnissen. Schönheit ergreift, macht staunen und lässt das wahre, das bleibende Wesen der Dinge erahnen.
Es gibt natürlich viele Wissenschaftler wie z.B. der prominente Biologe Richard Dawkins oder der von mir hochgeschätzte Niklas Luhmann, die darauf verzichten, von der Vielfalt auf die Einheit zurückzuschließen. Ihnen reicht es, mit dem Verstand die Welt als ein spannendes Spiel von Atomen, Genen und Systemen (um nur mal drei Mitspieler zu nennen) zu begreifen. Die Frage, wer dieses Spiel eingerichtet hat, ersetzen sie durch den schillernden Hinweis: „Ich sehe nur Zufall und Notwendigkeit" (J. Monod). Andere Wissenschaftler sehen allerdings die Grenzen empirischer Forschung und stimmen mit der oben vorgetragenen These überein: Wer erst einmal auf die Erkenntnis der Vernunft zurückgreift, dem erschließt sich die Plausibilität der Argumente für Gott, und sie können einen tief ergreifen. Sie vermitteln die Erkenntnis, dass es zumindest nicht unvernünftig ist, an Gott zu glauben, ja dass die Vernunft als Weisheit sich selber als Spiegel der göttlichen Vernunft begreifen kann. Die Bibel spricht von der „Ebenbildlichkeit Gottes“, die der Mensch von Gott verliehen bekam: Zu dieser gehört auch das Erlebnis, mit Hilfe der Vernunft Gottes Dasein und die Anwesenheit Gottes in der Welt erahnen zu können.
Was die Realität Gottes anbetrifft, so haben Philosophen und Theologen in den letzten 2500 Jahren nämlich durchaus mehrere starke Argumente gefunden, die zur Kenntnis genommen werden sollten.
1. Mit guten Gründen läßt sich im Kosmos eine Zielgerichtetheit, durch Raum und Zeit bestimmt, erkennen. Der Kosmos wird durch über 30 Naturkonstanten gesteuert (z.B. durch die Planck’sche Mauer), die auf einen Grund schließen lassen, der sie eingerichtet hat und der der Entfaltung des Universums ein Ziel gegeben hat. Das Universum scheint genauestens reguliert worden zu sein. Wären die physikalischen Gesetze nicht genau so, wie sie es sind, dann gäbe es kein Universum, kein Sonnensystem, keine Erde und keine Menschen auf ihr, um darüber zu sprechen. Jean Guitton fragt staunend: „Ist diese schwindelerregende präzise Regulierung schierer ‚Zufall‘, oder entspringt sie dem Willen einer ersten Ursache, einer organisierenden Intelligenz, die unsere Realität transzendiert?“
2. Weiterhin läßt sich beobachten, daß alle Vorgänge im Universum Folge vorheriger Ursachen sind. Am Anfang dieser extrem komplexen Kausalkette könnte der unbewegte Beweger stehen, der Grund aller Ursachen. Gott kann so als das Sein bestimmt werden, daß alles Bestehende zusammenhält.
3. Gott ist der Umfassende, der alles umfaßt. Es ist durchaus vernünftig, vom Kosmos, der sich selbst nicht umfaßt, sonst wäre er ja selbst Gott, auf etwas zu schließen, das den Kosmos umfaßt. So ist denn das, was das Endliche umgreift, das Umgreifende. Die menschliche Vernunft nennt dann das, was Materie, Raum und Zeit umgreift „Gott“. Gott ist somit der Unbedingte, der alles Bedingte ermöglicht.
4. Gott läßt sich mit der Vernunft schließlich als derjenige erkennen, über den hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Gott ist dann die Wirklichkeit, über die man nicht hinausdenken kann. Gott als der Umgreifende läßt sich nicht mit dem endlichen Verstand ergreifen, weil diese immer nur das Endliche zu begreifen vermag. Gott lässt sich nur mit der Gabe der Vernunft erahnen, die das Umgreifende schauen, wenn auch nicht begreifen kann. Sonst wäre sie Gott selbst.
5. Wer sich dieser Weisheit öffnet, macht die Erfahrung, dass sinnliche Erfahrungen in ihrer Tiefe einen unendlichen Wert erhalten können, und damit einen Blick in die göttliche Wirklichkeit ermöglichen. So scheint das Göttliche im Weltlichen auf, nicht zuletzt auch im Schönen und Erhabenen. Viele Menschen machen diese Erfahrung in der Liebe, in der Freundschaft, in kreativen Aktivitäten (musizieren, malen, dichten) oder in tiefen Naturerlebnissen. Schönheit ergreift, macht staunen und lässt das wahre, das bleibende Wesen der Dinge erahnen.
Es gibt natürlich viele Wissenschaftler wie z.B. der prominente Biologe Richard Dawkins oder der von mir hochgeschätzte Niklas Luhmann, die darauf verzichten, von der Vielfalt auf die Einheit zurückzuschließen. Ihnen reicht es, mit dem Verstand die Welt als ein spannendes Spiel von Atomen, Genen und Systemen (um nur mal drei Mitspieler zu nennen) zu begreifen. Die Frage, wer dieses Spiel eingerichtet hat, ersetzen sie durch den schillernden Hinweis: „Ich sehe nur Zufall und Notwendigkeit" (J. Monod). Andere Wissenschaftler sehen allerdings die Grenzen empirischer Forschung und stimmen mit der oben vorgetragenen These überein: Wer erst einmal auf die Erkenntnis der Vernunft zurückgreift, dem erschließt sich die Plausibilität der Argumente für Gott, und sie können einen tief ergreifen. Sie vermitteln die Erkenntnis, dass es zumindest nicht unvernünftig ist, an Gott zu glauben, ja dass die Vernunft als Weisheit sich selber als Spiegel der göttlichen Vernunft begreifen kann. Die Bibel spricht von der „Ebenbildlichkeit Gottes“, die der Mensch von Gott verliehen bekam: Zu dieser gehört auch das Erlebnis, mit Hilfe der Vernunft Gottes Dasein und die Anwesenheit Gottes in der Welt erahnen zu können.
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Glauben und Wissenschaft,
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Dienstag, 3. November 2009
Gott in der Bergpredigt
Gott ist ganz überwiegend der „Vater“, meistens der „Vater, der in den Himmels ist (wohnt)“, aber auch ein Vater, der „im Verborgenen ist“. Ich habe eine Liste aller Texte in der Bergpredigt zusammengestellt, die diesen Befund eindrücklich dokumentieren. Die Aussagen geben Aufschluss über wesentliche Charakterzüge Gottes als Vater.
5,16: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.
5, 44-45: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
6,1: Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
6,6: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
6,8: Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet
6,9: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name;
6,14-15: Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.
6,17-18: Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Men-schen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
6,26: Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
6,31-32: So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt
7,11: Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!
7,21: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Als Vater sorgt Gott für alle Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Schüler Jesu erkennen Gott durch ihn ("mein Vater") als ihren Vater ("euer Vater", "dein Vater"); sie rufen ihn als Vater an ("Unser Vater") und befinden sich somit in einem ganz familiär-intimen Verhältnis zu ihm, der sich um sie, aber auch um alle anderen in seiner vorsorgenden Allwissenheit kümmert, ja alle seine Geschöpfe liebt und versorgt. Gott ist im Himmel, aber gleichzeitig auch im „Verborgenen“, er ist also in der Welt anwesend, dort aber nicht in der Öffentlichkeit, auch nicht im Tempel, sondern an Orten, die Menschen alleine aufsuchen (die eigene Kammer) und im Inneren der Menschen. Dieser Vater lehnt das Posing (Sich-in-Szene-Setzen, Sich-zur-Schau-stellen-Wollen, Imponiergehabe) und Rechthaberei ab.
5,16: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.
5, 44-45: „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
6,1: Habt acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden! Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.
6,6: Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
6,8: Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet
6,9: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name;
6,14-15: Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.
6,17-18: Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Men-schen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
6,26: Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
6,31-32: So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt
7,11: Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!
7,21: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.
Als Vater sorgt Gott für alle Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Schüler Jesu erkennen Gott durch ihn ("mein Vater") als ihren Vater ("euer Vater", "dein Vater"); sie rufen ihn als Vater an ("Unser Vater") und befinden sich somit in einem ganz familiär-intimen Verhältnis zu ihm, der sich um sie, aber auch um alle anderen in seiner vorsorgenden Allwissenheit kümmert, ja alle seine Geschöpfe liebt und versorgt. Gott ist im Himmel, aber gleichzeitig auch im „Verborgenen“, er ist also in der Welt anwesend, dort aber nicht in der Öffentlichkeit, auch nicht im Tempel, sondern an Orten, die Menschen alleine aufsuchen (die eigene Kammer) und im Inneren der Menschen. Dieser Vater lehnt das Posing (Sich-in-Szene-Setzen, Sich-zur-Schau-stellen-Wollen, Imponiergehabe) und Rechthaberei ab.
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Gott im Koheletbuch (Prediger)
Der Zugang zu Gott ist philosophisch und nicht theologisch, denn es ist nicht Gott, der spricht oder sich offenbart, sondern der Weise, der von seinem menschlichen Standpunkt, von der Welt aus, Gott und Welt reflektiert.
Was zeichnet diesen philosophisch nachgedachten Gott aus? “Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde.” (5,1) Der Himmel wäre der Ort, von dem aus der Weise alles verstehen könnte, aber dieser Beobachterstandpunkt und Wirkungsort bleibt Gott allein vorbehalten; der Mensch betrachtet die Dinge von unten her, er sieht, was “unter der Sonne”, “unter dem Himmel” ist und daher ist sein Begreifen der Welt, aber auch Gottes, stark eingeschränkt: “Der Mensch kann das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen.” (3,11) Vom Himmel her lenkt Gott die Ereignisse der Welt, aber die Einsicht darin muss dem Weisen verwehrt bleiben: “Ich sah das ganze Werk Gottes: dass der Mensch das Tun unter der Sonne nicht begreifen kann.“ (8,17)
Es bleibt nur, als Faktum festzustellen: Alles kommt “aus der Hand Gottes.” (2,24) und ist “in der Hand Gottes” (9,1). Es ist - aus der Perspektive von unten her - Gottes “Willkür”, sein “wie es mir gefällt”, das über menschliche Schicksale entscheidet (2,26). Gott ist der Schöpfer (21,1) und hat jedem Menschen seinen Lebensgeist gegeben (12,7). Als Lenker der Welt und der Weltzeit hat er alles “so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit.” (3,11) Alles was Gott macht, ist endgültig: Nichts ist ihm hinzuzufügen, und nichts davon wegzunehmen (3,14). In seinem souveränen Handeln in der Weltzeit ereignet sich auch das Gericht Gottes über Gerechte und Gottlose (3,17). Gott gibt die Lebenszeit (5,17). Er schenkt Reichtum und Freude daran (5,18-19), kann aber auch den Genuß des Reichtums verhindern (6,2). Den Tag des Glücks wie auch den Tag des Unglücks hat Gott gemacht (7,14).
Gott spielt also eine zentrale Rolle im Weltverständnis des Buches, er ist der Dreh- und Angelpunkt all dessen, was in der Zeit geschieht und Menschen widerfährt. Wie sieht nun nach Kohelet die Beziehung zu diesem Gott aus? Wie nahe kann man ihm kommen? Oder bleibt er fern im Himmel, machtvoll und gleichzeitig undurchschaubar?
Was zeichnet diesen philosophisch nachgedachten Gott aus? “Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde.” (5,1) Der Himmel wäre der Ort, von dem aus der Weise alles verstehen könnte, aber dieser Beobachterstandpunkt und Wirkungsort bleibt Gott allein vorbehalten; der Mensch betrachtet die Dinge von unten her, er sieht, was “unter der Sonne”, “unter dem Himmel” ist und daher ist sein Begreifen der Welt, aber auch Gottes, stark eingeschränkt: “Der Mensch kann das Werk, das Gott gemacht hat, nicht von Anfang bis Ende begreifen.” (3,11) Vom Himmel her lenkt Gott die Ereignisse der Welt, aber die Einsicht darin muss dem Weisen verwehrt bleiben: “Ich sah das ganze Werk Gottes: dass der Mensch das Tun unter der Sonne nicht begreifen kann.“ (8,17)
Es bleibt nur, als Faktum festzustellen: Alles kommt “aus der Hand Gottes.” (2,24) und ist “in der Hand Gottes” (9,1). Es ist - aus der Perspektive von unten her - Gottes “Willkür”, sein “wie es mir gefällt”, das über menschliche Schicksale entscheidet (2,26). Gott ist der Schöpfer (21,1) und hat jedem Menschen seinen Lebensgeist gegeben (12,7). Als Lenker der Welt und der Weltzeit hat er alles “so gemacht, dass es schön ist zu seiner Zeit.” (3,11) Alles was Gott macht, ist endgültig: Nichts ist ihm hinzuzufügen, und nichts davon wegzunehmen (3,14). In seinem souveränen Handeln in der Weltzeit ereignet sich auch das Gericht Gottes über Gerechte und Gottlose (3,17). Gott gibt die Lebenszeit (5,17). Er schenkt Reichtum und Freude daran (5,18-19), kann aber auch den Genuß des Reichtums verhindern (6,2). Den Tag des Glücks wie auch den Tag des Unglücks hat Gott gemacht (7,14).
Gott spielt also eine zentrale Rolle im Weltverständnis des Buches, er ist der Dreh- und Angelpunkt all dessen, was in der Zeit geschieht und Menschen widerfährt. Wie sieht nun nach Kohelet die Beziehung zu diesem Gott aus? Wie nahe kann man ihm kommen? Oder bleibt er fern im Himmel, machtvoll und gleichzeitig undurchschaubar?
Dienstag, 22. September 2009
Dreieinigkeit
Jürgen Moltmann (Trinität und Reich Gottes, S. 15-16) schreibt etwas zu dieser wunderbaren Ikone, die von der Geschichte in 1. Mose 18 inspiriert ist, in der Gott in Gestalt von drei Männern dem Abraham erscheint. Abraham spricht sie immer mit "Herr" an, also in der Einzahl! Ein "vestigium trinitatis" im Alten Testament:
"Durch die innige Zu-neigung zueinander zeigen die drei Personen die tiefe Einigkeit, die sie miteinander verbindet und in der sie eins sind. Der Kelch auf dem Tisch weist auf die Hingabe des Sohnes auf Golgatha. Wie der Kelch mitten auf dem Tisch steht, um den die drei Personen sitzen, so steht das Kreuz des Sohnes von Ewigkeit her mitten in der Dreieinigkeit. Wer die Wahrheit dieses Bildes erkennt, der versteht, daß Menschen erst in jener Einigkeit miteinander, die aus der Hingabe des Sohnes 'für viele' entspringt, dem dreieinigen Gotte entsprechen. Er begreift, daß sie erst in ihrer freien Zu-neigung zueinander zu ihrer eigenen Wahrheit kommen."
Sonntag, 6. September 2009
Lesenswerte Artikel
Mit Hilfe der Website "Perlentaucher" kann man sich täglich einen Überblick über die Artikel verschaffen, die auf den Kulturseiten der überregionalen Tageszeitungen erscheinen. Dabei habe ich schon viele wertvolle Texte - auch für meinen Unterricht - gefunden.
Heute sind mir zwei Artikel aufgefallen. Ein Text des Soziologen Ulrich Beck in der FR, der auf die erschreckende Diskrepanz zwischen Arm und Reich in unserer Weltgesellschaft aufmerksam macht und dies als eine Ungerechtigkeit bewusst macht, ja als Unrecht, das noch viel zu sehr einfach hingenommen wird.
Vor einigen Wochen ist der polnische Philosoph Leszek Kolakowski gestorben. In der "Welt" ist eines der letzten Interviews mit ihm abgedruckt. Kolakowski hat, zunächst Kommunist, bald entdeckt, dass nur ein deutlicher Gottesbezug nicht nur den Einzelnen sondern auch Gesellschaften "retten" kann. Der Glaube schenkt ein Bewusstsein der eigenen Begrenzheit. Er relativiert innerweltliche Heilshoffnungen, z.B. das Setzen ganz auf die Vernunft, auf den Fortschritt, auf Technologie, oder ganz auf Reichtum. "Die Religion entstammt einer anderen Dimension, die uns befähigt, Scheitern, Leiden und Tod zu verkraften." Kolakowski war kein Theologe, aber ein christlicher Philosoph, der unzählige anregende Gedanken hinterlassen hat.
Heute sind mir zwei Artikel aufgefallen. Ein Text des Soziologen Ulrich Beck in der FR, der auf die erschreckende Diskrepanz zwischen Arm und Reich in unserer Weltgesellschaft aufmerksam macht und dies als eine Ungerechtigkeit bewusst macht, ja als Unrecht, das noch viel zu sehr einfach hingenommen wird.
Vor einigen Wochen ist der polnische Philosoph Leszek Kolakowski gestorben. In der "Welt" ist eines der letzten Interviews mit ihm abgedruckt. Kolakowski hat, zunächst Kommunist, bald entdeckt, dass nur ein deutlicher Gottesbezug nicht nur den Einzelnen sondern auch Gesellschaften "retten" kann. Der Glaube schenkt ein Bewusstsein der eigenen Begrenzheit. Er relativiert innerweltliche Heilshoffnungen, z.B. das Setzen ganz auf die Vernunft, auf den Fortschritt, auf Technologie, oder ganz auf Reichtum. "Die Religion entstammt einer anderen Dimension, die uns befähigt, Scheitern, Leiden und Tod zu verkraften." Kolakowski war kein Theologe, aber ein christlicher Philosoph, der unzählige anregende Gedanken hinterlassen hat.
Mittwoch, 2. September 2009
Erzähl mir von deinem Gott
Folgendes Zitat entspricht ganz meiner Vorstellung, dass religiöse Menschen Zeugen ihrer Gotteserfahrung und Gotteserkenntnis sein sollen, nicht mehr und nicht weniger:
Nicht "Mein Gott ist besser als dein Gott" soll es heißen,
sondern "Erzähl mir von deinem Gott, dann erzähl ich dir von meinem."
(Hugo Loetscher, 1929-2009, Schweizer Schriftsteller)
Quelle: Die Zeit, 27. August 2009, S. 48
Nicht "Mein Gott ist besser als dein Gott" soll es heißen,
sondern "Erzähl mir von deinem Gott, dann erzähl ich dir von meinem."
(Hugo Loetscher, 1929-2009, Schweizer Schriftsteller)
Quelle: Die Zeit, 27. August 2009, S. 48
Freitag, 7. August 2009
Jakobusbrief (1): Gott im Jakobusbrief
Auf welche besondere Gotteserkenntnis ist die Spiritualität im Jakobusbrief bezogen?
1. Jakobus legt besonderen Wert darauf, dass Gott nur mit Gutem in Verbindung gebracht wird. Gott schenkt gerne, und alles, was er schenkt, ist gut:
„Gott gibt allen gern“ (1,5)
„Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemanden.“ (1,13)
„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“ (1,17)
Zwei Gaben sind besonders wichtig: Gott hat die Glaubenden (neu) geboren durch sein Wort der Wahrheit; er hat es in sie gepflanzt (1,18.21). Den Glaubenden möchte Gott die Weisheit von oben schenken (1,5; 3,17-18).
2. An vielen Stellen spricht Jakobus schlicht von „Gott“. Gott ist der „Vater“ (1,27). An der Seite Gottes steht der „Herr Jesus Christus (1,2), der „Herr der Herrlichkeit“ (2,1), oder einfach der „Herr“ (1,7). In 3,9 ist Gott „Herr und Vater“, in 5,4 wird die Anrede „der Herr Zebaoth“ aus Jesaja 5,9 zitiert. Die Bezeichungen sind also auswechselbar, alle bezeichnen Gott im Vollsinn. Das zeigt, dass Jesus Christus als der „Herr“ ganz auf die Seite Gottes, des Vaters gehört. Gott ist einer, Gesetzgeber und Richter, der die Macht hat zu retten und zu verurteilen (4,12). Damit sind zwei zentrale Eigenschaften Gottes benannt: Gott ist Gesetzgeber und Richter.
3. Von Gott stammt das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (1,25, 2,12) und das "königliche Gesetz" der Nächstenliebe (2,8), aber auch alle anderen moralischen Gesetze, an denen sich die sittliche Lebensführung zu orientieren hat (2,11; 4,11).
4. Indirekt ist von Gott die Rede, wenn Jakobus das zukünftige Gericht betont (2,12-13, 3,1). Vor allem „der Herr“ ist der Richter, der bald kommen wird (5,7-8), ja als Richter schon vor der Tür steht (5,9). Hier ist Jesus Christus gemeint. Maßstab des Gerichts ist das „Gesetz der Freiheit“, das sich an der getanen Barmherzigkeit orientiert (2,12-13). Als Richter ist Gott einerseits „voll Erbarmen und Mitleid“ (5,11), andererseits gegenüber den Unbarmherzigen „erbarmungslos“ (2,13). Offensichtlich ist das für Jakobus kein Widerspruch zu Punkt 1 oben. Ich habe den Eindruck, dass für Jakobus Gott in der Gegenwart nur gute Gaben schenkt, böse Taten nicht gleich bestraft, sondern zulässt, aber dann im nahe bevorstehenen Gericht das Böse schließlich vergelten wird: aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. In der Gegenwart, jetzt, sollen sich die Menschen dem schenkenden, rettenden Gott zuwenden und sich mit seiner Weisheit erfüllen lassen.
1. Jakobus legt besonderen Wert darauf, dass Gott nur mit Gutem in Verbindung gebracht wird. Gott schenkt gerne, und alles, was er schenkt, ist gut:
„Gott gibt allen gern“ (1,5)
„Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemanden.“ (1,13)
„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“ (1,17)
Zwei Gaben sind besonders wichtig: Gott hat die Glaubenden (neu) geboren durch sein Wort der Wahrheit; er hat es in sie gepflanzt (1,18.21). Den Glaubenden möchte Gott die Weisheit von oben schenken (1,5; 3,17-18).
2. An vielen Stellen spricht Jakobus schlicht von „Gott“. Gott ist der „Vater“ (1,27). An der Seite Gottes steht der „Herr Jesus Christus (1,2), der „Herr der Herrlichkeit“ (2,1), oder einfach der „Herr“ (1,7). In 3,9 ist Gott „Herr und Vater“, in 5,4 wird die Anrede „der Herr Zebaoth“ aus Jesaja 5,9 zitiert. Die Bezeichungen sind also auswechselbar, alle bezeichnen Gott im Vollsinn. Das zeigt, dass Jesus Christus als der „Herr“ ganz auf die Seite Gottes, des Vaters gehört. Gott ist einer, Gesetzgeber und Richter, der die Macht hat zu retten und zu verurteilen (4,12). Damit sind zwei zentrale Eigenschaften Gottes benannt: Gott ist Gesetzgeber und Richter.
3. Von Gott stammt das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (1,25, 2,12) und das "königliche Gesetz" der Nächstenliebe (2,8), aber auch alle anderen moralischen Gesetze, an denen sich die sittliche Lebensführung zu orientieren hat (2,11; 4,11).
4. Indirekt ist von Gott die Rede, wenn Jakobus das zukünftige Gericht betont (2,12-13, 3,1). Vor allem „der Herr“ ist der Richter, der bald kommen wird (5,7-8), ja als Richter schon vor der Tür steht (5,9). Hier ist Jesus Christus gemeint. Maßstab des Gerichts ist das „Gesetz der Freiheit“, das sich an der getanen Barmherzigkeit orientiert (2,12-13). Als Richter ist Gott einerseits „voll Erbarmen und Mitleid“ (5,11), andererseits gegenüber den Unbarmherzigen „erbarmungslos“ (2,13). Offensichtlich ist das für Jakobus kein Widerspruch zu Punkt 1 oben. Ich habe den Eindruck, dass für Jakobus Gott in der Gegenwart nur gute Gaben schenkt, böse Taten nicht gleich bestraft, sondern zulässt, aber dann im nahe bevorstehenen Gericht das Böse schließlich vergelten wird: aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. In der Gegenwart, jetzt, sollen sich die Menschen dem schenkenden, rettenden Gott zuwenden und sich mit seiner Weisheit erfüllen lassen.
Donnerstag, 6. August 2009
Gott ist unendlich gut
Eben habe ich ein Probeheft der Zeitschrift "Geist und Leben" (Zeitschrift für christliche Spiritualität)erhalten und lese dort die Aussage eines blinden Mönches, die er im Film "Die große Stille" äußert. Sie passt sehr gut zu dem, was ich im Jakobusbrief (zum Gottesbild und zur Spiritualität im Jak) entdeckt habe und bald posten möchte:
"Wenn Gott uns sieht, sieht er schon unser gesamtes Leben. Und deshalb...weil er ein unendlich gutes Wesen ist, sucht er immer unser Wohl. Daher muss man sich über nichts, was uns widerfährt, Sorgen machen!...Man muss immer vom Prinzip ausgehen, dass Gott unendlich gut ist und alles, was er tut, zu unserem Besten ist. Deshalb sollte man immer glücklich sein. Ein Christ sollte niemals traurig sein. Denn alles, was ihm widerfährt, ist der Wille Gottes und geschieht zum Wohle seiner Seele. Das ist das Entscheidende für uns. Gott ist unendlich gut, allmächtig, und er hilft uns. Man muss nur das tun...und dann ist man glücklich." (Geist und Leben 2/2006, S. 153)
Die Aussage ist tief beeindruckend und doch möchte ich ihr auch widersprechen. Aber: es ist ein Bekenntnis, ein Zeugnis, das gehört werden will.
"Wenn Gott uns sieht, sieht er schon unser gesamtes Leben. Und deshalb...weil er ein unendlich gutes Wesen ist, sucht er immer unser Wohl. Daher muss man sich über nichts, was uns widerfährt, Sorgen machen!...Man muss immer vom Prinzip ausgehen, dass Gott unendlich gut ist und alles, was er tut, zu unserem Besten ist. Deshalb sollte man immer glücklich sein. Ein Christ sollte niemals traurig sein. Denn alles, was ihm widerfährt, ist der Wille Gottes und geschieht zum Wohle seiner Seele. Das ist das Entscheidende für uns. Gott ist unendlich gut, allmächtig, und er hilft uns. Man muss nur das tun...und dann ist man glücklich." (Geist und Leben 2/2006, S. 153)
Die Aussage ist tief beeindruckend und doch möchte ich ihr auch widersprechen. Aber: es ist ein Bekenntnis, ein Zeugnis, das gehört werden will.
Dienstag, 4. August 2009
Gefühle (2): Liebe zu Gott
Im Buch „Philosophie der Gefühle“ wagen sich Christoph Demmerling und Hilge Landweer auch an eine phänomenologische Beschreibung der Liebe zu Gott (154-156). Einige Highlights möchte ich gerne zitieren und mit einigen Beispielen aus der Bibel ergänzen.
„Das…Kriterium, dass der Liebe das Bestreben eigentümlich ist, dem Objekt der Liebe nahe sein zu wollen, gilt sicherlich auch für die Liebe der Gläubigen zu Gott. Das Kriterium, dass Liebe auf etwas gerichtet ist, was dem Liebenden fehlt und wonach er sich sehnt, gilt ebenfalls für die Gottesliebe…Begehrt wird in der Liebe der Menschen zu Gott nicht mehr uns nicht weniger als die Teilhabe am Göttlichen, an dem, was den Menschen entweder ganz fehlt oder dessen sie jedenfalls nicht dauerhaft teilhaftig sein können, wonach sie sich aber sehnen.“ (155)
Paulus möchte Christus „erkennen“ und mit diesem Erkennen ist sicherlich ein liebendes Erkennen gemeint, das zu engster Lebensgemeinschaft mit Christus führt (Philipper 3,7-11). Sein größter Wunsch ist es, aufzubrechen und „mit Christus zu sein.“ (Philipper 1,23)
„Als ein weiteres Kriterium für die Liebe im Vollsinn hatten wir den Kontakt mit dem Objekt der Liebe, das Involviert-Sein in gemeinsame Situationen, genannt….Bei der Liebe der Gläubigen zu Gott kann man sicherlich sagen, dass mit der Nähe zu ihm auch gemeinsame Situationen angestrebt werden, dass Gläubige sich Gott etwa im Gebet nahe fühlen und hoffen, durch das Gebet erhört zu werden.“ (155)
Gutes Beispiel dafür ist 1. Johannes 5,14-15.
„Der Gläubige weiß sich von Gott geliebt, aber auch er liebt ihn nicht deswegen, als eine Art Gegenleistung, sondern darum, weil Gott derjenige ist, der er ist – er liebt ihn um seiner selbst willen. Das gleiche gilt für die Liebe von Gott zu den Menschen; auch diese Liebe ist im Christentum ausdrücklich nicht an bestimmte Eigenschaften oder Wohlverhalten gebunden, sondern auf die Person als ganze mit all ihren Fehlern. Damit ist ein weiteres zentrales Kriterium der Liebe erfüllt“ (155)
Ich denke hier an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der liebende Vater läuft ihm entgegen, sobald er ihn sieht und umarmt ihn.
„Das Kriterium, dass personaler Liebe am Wohlergehen des anderen gelegen ist, drückt das Interesse an seinen Belangen und an der Verwirklichung seiner Bestrebungen aus, genau das, was der Gläubige tut, wenn er Gottes Gebote befolgt.“ (156)
Das bestätigt z.B. 1. Johannes 5,1-3.
„Das…Kriterium, dass der Liebe das Bestreben eigentümlich ist, dem Objekt der Liebe nahe sein zu wollen, gilt sicherlich auch für die Liebe der Gläubigen zu Gott. Das Kriterium, dass Liebe auf etwas gerichtet ist, was dem Liebenden fehlt und wonach er sich sehnt, gilt ebenfalls für die Gottesliebe…Begehrt wird in der Liebe der Menschen zu Gott nicht mehr uns nicht weniger als die Teilhabe am Göttlichen, an dem, was den Menschen entweder ganz fehlt oder dessen sie jedenfalls nicht dauerhaft teilhaftig sein können, wonach sie sich aber sehnen.“ (155)
Paulus möchte Christus „erkennen“ und mit diesem Erkennen ist sicherlich ein liebendes Erkennen gemeint, das zu engster Lebensgemeinschaft mit Christus führt (Philipper 3,7-11). Sein größter Wunsch ist es, aufzubrechen und „mit Christus zu sein.“ (Philipper 1,23)
„Als ein weiteres Kriterium für die Liebe im Vollsinn hatten wir den Kontakt mit dem Objekt der Liebe, das Involviert-Sein in gemeinsame Situationen, genannt….Bei der Liebe der Gläubigen zu Gott kann man sicherlich sagen, dass mit der Nähe zu ihm auch gemeinsame Situationen angestrebt werden, dass Gläubige sich Gott etwa im Gebet nahe fühlen und hoffen, durch das Gebet erhört zu werden.“ (155)
Gutes Beispiel dafür ist 1. Johannes 5,14-15.
„Der Gläubige weiß sich von Gott geliebt, aber auch er liebt ihn nicht deswegen, als eine Art Gegenleistung, sondern darum, weil Gott derjenige ist, der er ist – er liebt ihn um seiner selbst willen. Das gleiche gilt für die Liebe von Gott zu den Menschen; auch diese Liebe ist im Christentum ausdrücklich nicht an bestimmte Eigenschaften oder Wohlverhalten gebunden, sondern auf die Person als ganze mit all ihren Fehlern. Damit ist ein weiteres zentrales Kriterium der Liebe erfüllt“ (155)
Ich denke hier an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der liebende Vater läuft ihm entgegen, sobald er ihn sieht und umarmt ihn.
„Das Kriterium, dass personaler Liebe am Wohlergehen des anderen gelegen ist, drückt das Interesse an seinen Belangen und an der Verwirklichung seiner Bestrebungen aus, genau das, was der Gläubige tut, wenn er Gottes Gebote befolgt.“ (156)
Das bestätigt z.B. 1. Johannes 5,1-3.
Sonntag, 26. Juli 2009
Gott im 1. Johannesbrief
Gleich zu Beginn und dann nochmal am Ende des Briefes wird klar gemacht, welche Gotteserfahrung und Gotteserkenntnis die Spiritualität des 1. Johannesbriefes prägt:
es ist die Erfahrung und Erkenntnis, dass sich in Jesus, der der Christus ist (2,22), Gott selbst offenbart hat. Ihn hat der Autor des Briefes gehört, mit eigenen Augen gesehen, mit Händen berührt, ihn, der das Wort des Lebens ist (1,1; 2,14), das von Anfang an war (1,1; 2,13-14) und darum selbst das ewige Leben ist (1,2). Er ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben (5,20).
Was läßt sich von dieser Gottesoffenbarung her von Gott sagen? Gott wird als Vater (1,3; 2,14) im Sohn erkannt, Gott ist Gott als Vater und Sohn (1,3; 2,22-23), Gott ist Licht (1,5), Gott ist die Liebe (3,17; 4,8; 4,16), der Vater zeigt sich als Vater in seiner Liebe zu seinen Kindern (2,15; 3,1-2). Gottes Gebot sind der Glaube an den Namen seines Sohnes und das Liebesgebot (3,23-24). Der Geist Gottes bezeugt, dass der Sohn Gottes wahrhaft Mensch geworden ist (in das Fleisch gekommen ist 4,2), sein Tod („Blut“) reinigt von aller Sünde (1,7-9), er ist die Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt (2,2). Offenbar geworden ist die Liebe Gottes daran, dass er seinen einziggeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Das Leben ist in seinem Sohn (5,11). Die Liebe ist Wesensgrund der Wirklichkeit („darin ist die Liebe“), weil Gott uns geliebt hat und seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat (4,7-11).
Gottes Geist hat die Aufgabe, den Menschen die Wahrheit der Liebe Gottes zu offenbaren, die sich in der Sendung des Sohnes als Retter der Welt durch den Vater zeigt (4,13-16). Die (durch den Geist) bewirkte Geburt aus Gott zeigt sich im Bekenntnis, dass Jesus der Christus ist (5,1). Der Geist Gottes führt in diese Wahrheit (5,6-8). Gott hört die Bitten seiner Kinder (5,14-15).
es ist die Erfahrung und Erkenntnis, dass sich in Jesus, der der Christus ist (2,22), Gott selbst offenbart hat. Ihn hat der Autor des Briefes gehört, mit eigenen Augen gesehen, mit Händen berührt, ihn, der das Wort des Lebens ist (1,1; 2,14), das von Anfang an war (1,1; 2,13-14) und darum selbst das ewige Leben ist (1,2). Er ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben (5,20).
Was läßt sich von dieser Gottesoffenbarung her von Gott sagen? Gott wird als Vater (1,3; 2,14) im Sohn erkannt, Gott ist Gott als Vater und Sohn (1,3; 2,22-23), Gott ist Licht (1,5), Gott ist die Liebe (3,17; 4,8; 4,16), der Vater zeigt sich als Vater in seiner Liebe zu seinen Kindern (2,15; 3,1-2). Gottes Gebot sind der Glaube an den Namen seines Sohnes und das Liebesgebot (3,23-24). Der Geist Gottes bezeugt, dass der Sohn Gottes wahrhaft Mensch geworden ist (in das Fleisch gekommen ist 4,2), sein Tod („Blut“) reinigt von aller Sünde (1,7-9), er ist die Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt (2,2). Offenbar geworden ist die Liebe Gottes daran, dass er seinen einziggeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Das Leben ist in seinem Sohn (5,11). Die Liebe ist Wesensgrund der Wirklichkeit („darin ist die Liebe“), weil Gott uns geliebt hat und seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat (4,7-11).
Gottes Geist hat die Aufgabe, den Menschen die Wahrheit der Liebe Gottes zu offenbaren, die sich in der Sendung des Sohnes als Retter der Welt durch den Vater zeigt (4,13-16). Die (durch den Geist) bewirkte Geburt aus Gott zeigt sich im Bekenntnis, dass Jesus der Christus ist (5,1). Der Geist Gottes führt in diese Wahrheit (5,6-8). Gott hört die Bitten seiner Kinder (5,14-15).
Freitag, 24. Juli 2009
Which God is it that you don´t believe in?
N.T. Wright is a rather popular und discussed anglican theologian in England (Bishop of Durham since 2003) and in the USA. Michael Gorman, Author of the tremendous book "Inhabitating the cruciform God" (I will tell something more about it in another post) has put some tricky quotes from Wright on his Blog "Cross Talk". http://www.michaeljgorman.net/
In response to those who tell him, “I don’t believe in God” he likes to answer: “Really? Which god is it that you don’t believe in?”
“My proposal is not that we understand what the word ‘god’ means and manage somehow to fit Jesus into that. Instead, I suggest that we think historically about a young Jew, possessed of a desperately risky, indeed apparently crazy, vocation, riding into Jerusalem in tears, denouncing the Temple, and dying on a Roman cross–and that we take our courage in both hands and allow our meaning for the word ‘god’ to be recentered around that point.”
In response to those who tell him, “I don’t believe in God” he likes to answer: “Really? Which god is it that you don’t believe in?”
“My proposal is not that we understand what the word ‘god’ means and manage somehow to fit Jesus into that. Instead, I suggest that we think historically about a young Jew, possessed of a desperately risky, indeed apparently crazy, vocation, riding into Jerusalem in tears, denouncing the Temple, and dying on a Roman cross–and that we take our courage in both hands and allow our meaning for the word ‘god’ to be recentered around that point.”
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