Freitag, 30. Oktober 2009

Friedenstugenden

Glücklich sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Glücklich sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Glücklich sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Glücklich sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Glücklich sind die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
Glücklich sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Glücklich sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes heißen.
Glücklich sind, die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Moisés Mayordomo charakterisiert die Seligpreisungen in der Bergpredigt Jesu als "Friedenstugenden". Die Seligpreisungen oder Glücklichpreisungen sind nicht einfach Zuspruch, also Zusage der Gnade, aber auch nicht Forderung von Werken, von Handeln. Sie charakterisieren vielmehr eine bestimmte Art von Menschen, die Friedenstugenden repräsentieren. "Es geht nicht um das Sollen, sondern um das Sein des Menschen. Die Frage ist nicht, wer aufgrund welcher Handlungen in die Himmelsherrschaft gelangt, sondern zu welcher Art von Menschen die Himmelsherrschaft kommt" (S.14). Mayordomo definiert Tugenden als "Charakterdisposition..., die Urteile und Emotionen umfasst und dadurch moralisches Handeln intrinsisch motiviert." Ich finde diese Zugangsweise sehr hilfreich. In den Seligpreisungen werden nicht Normen gesetzt oder Forderungen aufgestellt, sondern eine Charakterdisposition, ein ethischer Habitus beschrieben, der zum Reich Gottes "passt". Tugenden sind Ausdruck eines Wesens. Wer diese Tugenden "besitzt", bezweckt nicht etwas mit ihnen, er will nicht etwas erreichen, gewinnen, sondern er will etwas in ihnen Wahres zum Ausdruck bringen, ja zum Leuchten bringen.

Moisés Mayordomo, Gewaltvermeidung in der Bergpredigt, in: Zeitschrift für Neues Testament (Heft 24 Bergpredigt) 12. Jahrgang (2009), S. 12-21.

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