Anlaß des Briefes ist ein Trennungsschmerz. Eine Gruppe hat die Gemeinde verlassen. Warum? Werden noch weitere gehen? Sind wir nicht attraktiv genug? Warum gehen sie, die doch von Anfang an dabei waren? Solche Fragen stehen im Raum.
Der Autor des Briefes, der "Presbyter" (vgl. 2. Joh 1 und 3. Joh 1), ist eigentlich immer noch fassungslos und möchte unbedingt erreichen, dass die restliche Gemeinde zusammenhält und ihrer ursprünglichen Berufung treu bleibt. „Wie stark sind sie verunsichert? Wie festige ich sie im richtigen Glauben?“ fragt er sich. Für die „Dissidenten“ hat er keinerlei Verständnis, von der Prophezeiung geleitet, das in der letzten Zeit „Antichristen“ auftauchen werden, sieht er diese Prophezeiung in ihrem Verhalten erfüllt. Welches Verhalten zeichnet er von ihnen? Sie gehörten ursprünglich zur Gemeinde, in der – wie in vielen urchristlichen Gemeinden - Prophetie, also Inspiration durch den Geist, eine wichtige Rolle spielte. Solche Geisterfahrungen im Rahmen einer geisterfüllten Verkündigung standen am Anfang der Gemeinde und haben zu ihrer Gründung geführt. Im Laufe der Zeit scheinen einige Inhalte der prophetischen Botschaften eine Änderung erfahren zu haben, vermutlich sagten einige „Geisterfüllte“, dass sie jetzt sündlos seien, dass sie „in Gott seien“ und darum auch keinen Bezug zum irdischen, fleischgewordenen Christus bräuchten. Sie wurden „Enthusiasten“, verstanden sich als vollkommene geistliche Elite, die aber in ihrem alltäglichen Verhalten die praktische Geschwisterliebe vernachlässigten.
Wie geht der Presbyter die Krise an? Er bezieht eine klare dogmatische Position: das Wort wurde Fleisch, Jesus ist der Christus, sein „Blut“ für die Vergebung der Sünden ist wichtig; damit geht eine ebenso klare Ethik einher, die Bruderliebe, die der Gottesliebe entspricht. Kern dieser Dogmatik und Ethik ist eine Spiritualität der ganz engen Zugehörigkeit zu Gott (wir in Gott, Gott in uns), die aber das Sündenbekenntnis, die Vergebung durch das Blut Jesu und die praktische Ge-schwisterliebe unabdingbar mit einschließt. Gottesnähe ohne Geschwisterliebe schließt sich aus. Das stilistische Mittel, diese Spiritualität bewußt zu machen und in der Gemeinde zu erwecken, ist ein „Denken in Kreisbewegung“, es wird weniger rational argumentiert als in wiederholten und variierten Grundaussagen in diese Spiritualität der Agape-Liebe eingestimmt.
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Freitag, 31. Juli 2009
Mittwoch, 29. Juli 2009
Ausdrucksformen von Spiritualität im 1. Johannesbrief
Sichtbare Ausdrucksformen der Spiritualität (praxis pietatis)
1. Dass Gott in mir bleibt und ich in Gott, diese ganz persönliche Liebeserfahrung mit Gott muss in der Geschwisterliebe sichtbar werden. „Geliebte, lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe“ (4,7-8) An ihr ist zu erkennen, dass tatsächlich eine Erfahrung mit der Agape-Liebe Gottes gemacht wird. Wie zeigt sich die Geschwisterliebe? „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat.“ (2,6) Wie hat er gelebt? In welcher Weise ist er Vorbild? „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn jemand Vermögen hat und sieht die Notlage des Bruders und verschließt dann sein Herz vor ihm, wie kann die Liebe Gottes in ihm bleiben? Kinder, lasst uns nicht mit dem Wort und mit der Zunge lieben, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit (nicht wortreich, sondern tatenreich).“ (3,16-18) Die Wertschätzung der Geschwister, die Wahrnehmung ihres unendlichen Wertes, beweist sich in der praktischen (auch finanziellen) Tat. Allein hier wird sie sichtbar, so sehr natürlich auch tröstende, ermutigende, aufbauende Worte in einem Gespräch ganz praktisch sein können. Sichtbar wird die Erfahrung der Liebe Gottes weiterhin in der „Gemeinschaft untereinander“ (1,7). Sie zeigt sich auch in Höflichkeit und liebevoller Anrede: „Meine Kinder“ (3,7), „Geliebte“ (2,7; 4,1).
2. Sichtbar sind Freude (1,4) und Zuversicht (2,28; 3,21; 4,17; 5,14) in den Gesichtern der Geliebten, so jedenfalls wünscht es sich der Briefautor. Aufgrund der Geschwisterliebe sind gesellschaftliche Statusunterschiede in der Gemeinde unbedeutend, die intensive Erfahrung der Liebe Gottes löscht sie aus.
3. Zur Erfahrung der Liebe Gottes in Christus gehört das Sündenbekenntnis: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und und von aller Ungerechtigkeit reinigt.“ Das Sündenbekenntnis ist ein Mittel, geistliche Arroganz in der Gemeinde zu unterbinden. Es schafft eine Egalität, in der die Geschwisterliebe besser gedeiht.
4. Die Erfahrung, in der Liebe Gottes zu leben, führt zur Zuversicht: „Wenn wir etwas erbitten, was seinem Willen entspricht, so hört er uns.“ Johannes ermutigt zum Bittgebet.
5. Ein sittlicher Lebensstil ist ebenfalls die sichtbare Ausdrucksform der erlebten Liebe Gottes: seine Gebote halten, (3,24), sich reinigen (3,3), Distanz zur „Begierde des Fleisches, zur Begierde der Augen und zur Prahlsucht“ (2,16): im Mittelalter wurde für die Mönche daraus eine Distanz zu Wolllust, Habsucht und Hoffart – voluptas, avaritia, superbia – an deren Stelle traten die Gelübde bezüglich Keuschheit, Armut und Demut/Gehorsam).
6. Ganz wesentlich ist auch eine hörbare Verkündigung, die - wie der Brief selbst - Hörer und Leserinnen immer wieder in die Liebe Gottes hineinnimmt, sie real werden lässt: „Dies schreiben wir uns (und euch), dass unsere (und eure) Freude groß wird.“ (1,4) „Was ihr von Anfang an gehört habt, das bleibe in euch. Wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, so werdet ihr auch im Vater und im Sohn bleiben.“
7. Hörbar sind auch Worte von Propheten, die vom Geist Gottes inspiriert sind. Diese Worte sind zu prüfen: „Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott“ (4,2). Johannes scheint davon auszugehen, dass jeder in der Gemeinde eine besondere Geisterfahrung gemacht hat: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat.“ – „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“
8. Der Text des Briefes, für die Erstleser der Brief selbst, steht pars pro toto für den Apostel, der Augenzeuge ist, der das Wort Gottes selbst gesehen, gehört und betastet hat: „und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ (1,2)
1. Dass Gott in mir bleibt und ich in Gott, diese ganz persönliche Liebeserfahrung mit Gott muss in der Geschwisterliebe sichtbar werden. „Geliebte, lasst uns einander lieb haben, denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht, denn Gott ist die Liebe“ (4,7-8) An ihr ist zu erkennen, dass tatsächlich eine Erfahrung mit der Agape-Liebe Gottes gemacht wird. Wie zeigt sich die Geschwisterliebe? „Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat.“ (2,6) Wie hat er gelebt? In welcher Weise ist er Vorbild? „Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn jemand Vermögen hat und sieht die Notlage des Bruders und verschließt dann sein Herz vor ihm, wie kann die Liebe Gottes in ihm bleiben? Kinder, lasst uns nicht mit dem Wort und mit der Zunge lieben, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit (nicht wortreich, sondern tatenreich).“ (3,16-18) Die Wertschätzung der Geschwister, die Wahrnehmung ihres unendlichen Wertes, beweist sich in der praktischen (auch finanziellen) Tat. Allein hier wird sie sichtbar, so sehr natürlich auch tröstende, ermutigende, aufbauende Worte in einem Gespräch ganz praktisch sein können. Sichtbar wird die Erfahrung der Liebe Gottes weiterhin in der „Gemeinschaft untereinander“ (1,7). Sie zeigt sich auch in Höflichkeit und liebevoller Anrede: „Meine Kinder“ (3,7), „Geliebte“ (2,7; 4,1).
2. Sichtbar sind Freude (1,4) und Zuversicht (2,28; 3,21; 4,17; 5,14) in den Gesichtern der Geliebten, so jedenfalls wünscht es sich der Briefautor. Aufgrund der Geschwisterliebe sind gesellschaftliche Statusunterschiede in der Gemeinde unbedeutend, die intensive Erfahrung der Liebe Gottes löscht sie aus.
3. Zur Erfahrung der Liebe Gottes in Christus gehört das Sündenbekenntnis: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und und von aller Ungerechtigkeit reinigt.“ Das Sündenbekenntnis ist ein Mittel, geistliche Arroganz in der Gemeinde zu unterbinden. Es schafft eine Egalität, in der die Geschwisterliebe besser gedeiht.
4. Die Erfahrung, in der Liebe Gottes zu leben, führt zur Zuversicht: „Wenn wir etwas erbitten, was seinem Willen entspricht, so hört er uns.“ Johannes ermutigt zum Bittgebet.
5. Ein sittlicher Lebensstil ist ebenfalls die sichtbare Ausdrucksform der erlebten Liebe Gottes: seine Gebote halten, (3,24), sich reinigen (3,3), Distanz zur „Begierde des Fleisches, zur Begierde der Augen und zur Prahlsucht“ (2,16): im Mittelalter wurde für die Mönche daraus eine Distanz zu Wolllust, Habsucht und Hoffart – voluptas, avaritia, superbia – an deren Stelle traten die Gelübde bezüglich Keuschheit, Armut und Demut/Gehorsam).
6. Ganz wesentlich ist auch eine hörbare Verkündigung, die - wie der Brief selbst - Hörer und Leserinnen immer wieder in die Liebe Gottes hineinnimmt, sie real werden lässt: „Dies schreiben wir uns (und euch), dass unsere (und eure) Freude groß wird.“ (1,4) „Was ihr von Anfang an gehört habt, das bleibe in euch. Wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, so werdet ihr auch im Vater und im Sohn bleiben.“
7. Hörbar sind auch Worte von Propheten, die vom Geist Gottes inspiriert sind. Diese Worte sind zu prüfen: „Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott“ (4,2). Johannes scheint davon auszugehen, dass jeder in der Gemeinde eine besondere Geisterfahrung gemacht hat: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat.“ – „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“
8. Der Text des Briefes, für die Erstleser der Brief selbst, steht pars pro toto für den Apostel, der Augenzeuge ist, der das Wort Gottes selbst gesehen, gehört und betastet hat: „und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ (1,2)
Dienstag, 28. Juli 2009
Gottesferne im 1. Johannesbrief
Wie wird Gottesferne im 1. Johannesbrief beschrieben?
1. In vollständigen Gegensatz zu Gottes Liebe und zum Vater tritt die „Welt“ in 2,15-17; mit diesem vieldeutigen Wort sind im 1. Joh Lebenszusammenhänge und Wirklichkeiten gemeint, die vom Begehren, von der Begierde konstituiert werden, d.h. von einer Haltung des Habenwollens, des Besitzergreifens. „Liebt nicht die „Welt“ und was in der „Welt“ ist. Wenn einer die „Welt“ liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der „Welt“ ist - das Begehren des Fleisches und die Begierde der Augen und das Protzen mit Besitz - ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.“ Im Gegensatz dazu steht die Agape-Liebe, also die Haltung des Gebens und des Verschenkens, in der alle Statusunterschiede, die von der „Lust“ und vom Besitzenwollen erzeugt werden, nichtig sind.
2. Eine weitere Metapher für die Gottesferne ist die „Finsternis“. In der Finsternis finden sich die Lüge und der Hass. Die Lüge zeigt sich, wenn Menschen, die Gottesnähe für sich behaupten, meinen, ohne Sünde zu sein und genau aufgrund dieser Haltung ihre Geschwister hassen, sie verachten und ihnen in der Not nicht beistehen 3,16-17). Das ist die subtilste Form der Gottesferne: zu glauben, im Licht zu stehen, in Gott zu sein, aber nun genau dies als ein Haben zu verstehen, dass einen loslöst aus der Gemeinschaft mit den anderen Christen: ein elitäres Bewusstsein der Überlegenheit, das alle Liebe auslöscht und so die scheinbar Erleuchteten in die Finsternis des Brudermordes stürzt. Genau dies geschieht nach Ansicht des Johannes, wenn Gott nicht im Licht der Liebe, die sich in Jesus Christus gezeigt hat, erkannt wird. „Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis“ (2,9) - „Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.“ (2,11)
1. In vollständigen Gegensatz zu Gottes Liebe und zum Vater tritt die „Welt“ in 2,15-17; mit diesem vieldeutigen Wort sind im 1. Joh Lebenszusammenhänge und Wirklichkeiten gemeint, die vom Begehren, von der Begierde konstituiert werden, d.h. von einer Haltung des Habenwollens, des Besitzergreifens. „Liebt nicht die „Welt“ und was in der „Welt“ ist. Wenn einer die „Welt“ liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der „Welt“ ist - das Begehren des Fleisches und die Begierde der Augen und das Protzen mit Besitz - ist nicht vom Vater, sondern von der Welt.“ Im Gegensatz dazu steht die Agape-Liebe, also die Haltung des Gebens und des Verschenkens, in der alle Statusunterschiede, die von der „Lust“ und vom Besitzenwollen erzeugt werden, nichtig sind.
2. Eine weitere Metapher für die Gottesferne ist die „Finsternis“. In der Finsternis finden sich die Lüge und der Hass. Die Lüge zeigt sich, wenn Menschen, die Gottesnähe für sich behaupten, meinen, ohne Sünde zu sein und genau aufgrund dieser Haltung ihre Geschwister hassen, sie verachten und ihnen in der Not nicht beistehen 3,16-17). Das ist die subtilste Form der Gottesferne: zu glauben, im Licht zu stehen, in Gott zu sein, aber nun genau dies als ein Haben zu verstehen, dass einen loslöst aus der Gemeinschaft mit den anderen Christen: ein elitäres Bewusstsein der Überlegenheit, das alle Liebe auslöscht und so die scheinbar Erleuchteten in die Finsternis des Brudermordes stürzt. Genau dies geschieht nach Ansicht des Johannes, wenn Gott nicht im Licht der Liebe, die sich in Jesus Christus gezeigt hat, erkannt wird. „Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis“ (2,9) - „Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wohin er geht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet.“ (2,11)
Gottesnähe im 1. Johannesbrief - in der Liebe Heimat finden
Die Gottesnähe im 1. Johannesbrief hat eine besondere Sprache für die Liebe gefunden, die sich im Sohn und im Vater offenbart. Die Erkenntnis, dass Gott die Liebe ist und er die Welt ganz in seine Liebe aufnehmen möchte, führt zu Beschreibungen der Gottesnähe, die ganz von dieser Liebeserfahrung gesprägt sind (ich in Dir, du in mir). Wer an Gottes Liebe glaubt, die sich im Vater und im Sohn offenbart hat, wird völlig in den Raum dieser Liebe, die Gott selbst ist, gestellt. Sie sind in Gott wie Gott in ihnen ist. Sie bleiben in ihm, wie er in ihnen. Welche psychischen Gefühle sind mit dieser Liebesnähe verbunden? An erster Stelle nennt der Brief die "Freude" (1,4), später die "Zuversicht" (2,28; 3,21; 4,17; 5,14), die das Gegenteil der Furcht ist. Die vollkommene Liebe treibt die Furcht, die Angst völlig aus. Diese jetzt schon durch die Erfahrung der Liebe Gottes geschenkte Zuversicht ist so stark, dass heute keine Angst mehr vor dem Gericht Gottes besteht (4,17). Die Gottesbeziehung soll und darf ganz von der Liebe durchflutet sein. In dieser Liebe, die das ewige Leben ist, wenn es die Liebe ist, die der Sohn und der Vater sind und schenken, läßt sich auf immer verweilen (menein). In ihr sind wir angekommen und es gibt keinen Grund, diese Gemeinschaft mehr zu verlassen - sie ist aber alsbald verlassen, wenn wir den Bruder hassen. Darum erkennen wir an unser Geschwisterliebe, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben und tatsächlich angekommen sind. In der Ruhe dieser Liebe, im Angekommensein bei dieser Liebe sollen wir bleiben - sie ist der stabile Punkt, der die Welt aus den Angeln hebt. Näher können wir Gott nicht kommen -in seiner Liebe ausruhen und in der ewigen Gemeinschaft mit ihm lieben und seine Gebote halten.
Montag, 27. Juli 2009
Gottesnähe im 1. Johannesbrief
Heute Vormittag habe ich mich in „meinen Garten“ gesetzt, eine großzügige Apfelplantage in Hanglage direkt hinter meiner Wohnung. Setze ich mich unter einen dieser Bäume und blicke auf die Rheinebene - 50 km entfernt schimmert der Donnersberg im Blau - höre und sehe die Insekten kreuz und quer fliegen, rieche das Gras, beobachte die Flugzeuge, die von der Startbahn West abfliegend schon beträchtlich an Höhe gewonnen haben, dann stellt sich sofort ein Gefühl ein, weit entfernt von zu Hause Urlaub zu machen. Dann las ich gründlich den 1. Johannesbrief im Novum Testamentum Graece, um Beobachtungen zur Spiritualität im 1. Johannesbrief fortsetzen zu können.
Die zukünftige (eschatische) Gottesnähe wird im 1. Johannesbrief selten beschrieben. In 1. Joh 3,2 heißt es: „Noch nicht ist offenbar, was wir sein werden. Wir wissen: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein, denn wir werden sehen, wie er ist.“ Hier liegt das Bild des Sehens von Angesicht zu Angesicht zugrunde, das mit der Vorstellung verbunden ist, dass dieses Sehen uns in den verwandelt, den wir anschauen: ewiges Leben sein, so wie er ewiges Leben ist.
Viel öfter spricht der Brief von der gegenwärtigen (präsentischen) Gottesnähe, z.B. auch in 3,2 am Anfang: „Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes“. Was bedeutet es, in der Gegenwart Kinder Gottes zu sein? Der 1. Johannesbrief findet dafür Formulierungen größter Nähe: Es beginnt mit der Aussagen: „Gemeinschaft (koinonia) mit dem Vater und mit seinen Sohn Jesus Christus haben“ (1,3). Die Kinder Gottes „wandeln im Licht“ (Gott ist Licht!), sie „sind im Licht“ und „bleiben im Licht“. Sie „haben den Vater“. Sie bleiben „im Sohn und im Vater.“ (2,24). Sie „sind aus Gott“, und Gott ist „in ihnen“ (4,4); Gott bleibt „in ihnen“ (oder auch: „mitten unter ihnen“), seine Liebe ist in ihnen vollkommen. Die Spitzenaussage ist 4,16b: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“. Hier wird das Kriterium der Gottesnähe, des Wandelns im Licht deutlich und klar: Es ist die Liebe, die Agape-Liebe, im Johannesbrief vor allem die praktisch werdende Geschwisterliebe.
Welche Erfahrungen haben diese Sprachbilder hervorgerufen? Ist an geisterfüllte Inspirationen gedacht? 2,27 deutet darauf hin: „Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt (den Heiligen Geist), bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand lehrt, sondern, wie euch seine Salbung alles lehrt, so ist es wahr und keine Lüge. Und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm.“
Beschreibungen der Gottesnähe im 1. Johannesbrief
Die zukünftige (eschatische) Gottesnähe wird im 1. Johannesbrief selten beschrieben. In 1. Joh 3,2 heißt es: „Noch nicht ist offenbar, was wir sein werden. Wir wissen: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein, denn wir werden sehen, wie er ist.“ Hier liegt das Bild des Sehens von Angesicht zu Angesicht zugrunde, das mit der Vorstellung verbunden ist, dass dieses Sehen uns in den verwandelt, den wir anschauen: ewiges Leben sein, so wie er ewiges Leben ist.
Welche Erfahrungen haben diese Sprachbilder hervorgerufen? Ist an geisterfüllte Inspirationen gedacht? 2,27 deutet darauf hin: „Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt (den Heiligen Geist), bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, dass euch jemand lehrt, sondern, wie euch seine Salbung alles lehrt, so ist es wahr und keine Lüge. Und wie sie euch gelehrt hat, so bleibt in ihm.“
Sonntag, 26. Juli 2009
Gott im 1. Johannesbrief
Gleich zu Beginn und dann nochmal am Ende des Briefes wird klar gemacht, welche Gotteserfahrung und Gotteserkenntnis die Spiritualität des 1. Johannesbriefes prägt:
es ist die Erfahrung und Erkenntnis, dass sich in Jesus, der der Christus ist (2,22), Gott selbst offenbart hat. Ihn hat der Autor des Briefes gehört, mit eigenen Augen gesehen, mit Händen berührt, ihn, der das Wort des Lebens ist (1,1; 2,14), das von Anfang an war (1,1; 2,13-14) und darum selbst das ewige Leben ist (1,2). Er ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben (5,20).
Was läßt sich von dieser Gottesoffenbarung her von Gott sagen? Gott wird als Vater (1,3; 2,14) im Sohn erkannt, Gott ist Gott als Vater und Sohn (1,3; 2,22-23), Gott ist Licht (1,5), Gott ist die Liebe (3,17; 4,8; 4,16), der Vater zeigt sich als Vater in seiner Liebe zu seinen Kindern (2,15; 3,1-2). Gottes Gebot sind der Glaube an den Namen seines Sohnes und das Liebesgebot (3,23-24). Der Geist Gottes bezeugt, dass der Sohn Gottes wahrhaft Mensch geworden ist (in das Fleisch gekommen ist 4,2), sein Tod („Blut“) reinigt von aller Sünde (1,7-9), er ist die Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt (2,2). Offenbar geworden ist die Liebe Gottes daran, dass er seinen einziggeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Das Leben ist in seinem Sohn (5,11). Die Liebe ist Wesensgrund der Wirklichkeit („darin ist die Liebe“), weil Gott uns geliebt hat und seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat (4,7-11).
Gottes Geist hat die Aufgabe, den Menschen die Wahrheit der Liebe Gottes zu offenbaren, die sich in der Sendung des Sohnes als Retter der Welt durch den Vater zeigt (4,13-16). Die (durch den Geist) bewirkte Geburt aus Gott zeigt sich im Bekenntnis, dass Jesus der Christus ist (5,1). Der Geist Gottes führt in diese Wahrheit (5,6-8). Gott hört die Bitten seiner Kinder (5,14-15).
es ist die Erfahrung und Erkenntnis, dass sich in Jesus, der der Christus ist (2,22), Gott selbst offenbart hat. Ihn hat der Autor des Briefes gehört, mit eigenen Augen gesehen, mit Händen berührt, ihn, der das Wort des Lebens ist (1,1; 2,14), das von Anfang an war (1,1; 2,13-14) und darum selbst das ewige Leben ist (1,2). Er ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben (5,20).
Was läßt sich von dieser Gottesoffenbarung her von Gott sagen? Gott wird als Vater (1,3; 2,14) im Sohn erkannt, Gott ist Gott als Vater und Sohn (1,3; 2,22-23), Gott ist Licht (1,5), Gott ist die Liebe (3,17; 4,8; 4,16), der Vater zeigt sich als Vater in seiner Liebe zu seinen Kindern (2,15; 3,1-2). Gottes Gebot sind der Glaube an den Namen seines Sohnes und das Liebesgebot (3,23-24). Der Geist Gottes bezeugt, dass der Sohn Gottes wahrhaft Mensch geworden ist (in das Fleisch gekommen ist 4,2), sein Tod („Blut“) reinigt von aller Sünde (1,7-9), er ist die Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt (2,2). Offenbar geworden ist die Liebe Gottes daran, dass er seinen einziggeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Das Leben ist in seinem Sohn (5,11). Die Liebe ist Wesensgrund der Wirklichkeit („darin ist die Liebe“), weil Gott uns geliebt hat und seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat (4,7-11).
Gottes Geist hat die Aufgabe, den Menschen die Wahrheit der Liebe Gottes zu offenbaren, die sich in der Sendung des Sohnes als Retter der Welt durch den Vater zeigt (4,13-16). Die (durch den Geist) bewirkte Geburt aus Gott zeigt sich im Bekenntnis, dass Jesus der Christus ist (5,1). Der Geist Gottes führt in diese Wahrheit (5,6-8). Gott hört die Bitten seiner Kinder (5,14-15).
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