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Donnerstag, 14. März 2013

Lob der Schöpfung durch Franz von Assisi: Laudato si, mi signore - Gelobt seist Du, mein Herr

Das bekannteste Gebet des Franziskus ist ein Lobgesang auf Gott, den Herrn (Jesus Christus ist also mit angeredet), der durch Sonne, Mond und Sterne, Wind und Wetter, Wasser und Feuer, Erde und barmherzige Menschen und schließlich auch den leiblichen (aber nicht den ewigen) Tod als Schöpfer an uns handelt. Das Gebet wird geradezu sinnentstellend "Sonnengesang" genannt; besser ist der alternative Titel "Lob der Schöpfung", der auch in den ältesten Handschriften im Einleitungssatz zum Gebet zu finden ist. Eine genaue Lektüre oder ein Mitbeten zeigt, dass Franziskus in der Tradition der biblischen Psalmen Gott als Schöpfer im Blick hat und von ihm her ein Lob der Schöpfung betet.


Es beginnt das Lob der Schöpfung, das der selige Franziskus
zu Lob und Ehre Gottes dichtete, als er krank bei St. Damianus lag


Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt (trägt)
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut."



Textquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnengesang_(Franz_von_Assisi)

Montag, 29. März 2010

Im Namen Jesu beten

„Im Namen des Gesetzes“. Sie sind verhaftet!
„Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil. Der Angeklagte wird freigesprochen!“
„In Namen der Freiheit“ hat jemand 1000 Filme kostenlos ins Internet gestellt.
Aktiv werden Menschen „im Namen der Kinder“, „im Namen der Menschlichkeit“, „im Namen der Tiere“, „im Namen der Gerechtigkeit“.
Im Namen von …. wird oft gesprochen.
Christen sprechen im „Namen des Herrn“ oder beten „im Namen Jesu.“.
Was verbirgt sich hinter der Wendung „im Namen Jesu“? Welche Bedeutung hat sie?
Was tun wir, wenn wir im Name Jesu beten?

Beten im Namen Jesu

Eph 5,20: „und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.
Joh 14, 12-14: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.
Joh 15, 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe.
Joh 16, 23-26 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, daß ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen.

Unser Bitten und Danken soll „im Namen Jesu“ geschehen. Gott erhört unsere Bitten „im Namen Jesu“ – also aufgrund dessen, was in Jesus für uns geschehen ist.
Der Name steht hier immer für eine Autorität, eine Kraft und Macht, die einer Handlung Gültigkeit und Verbindlichkeit gibt. Der Name Jesu gibt dem Gebet eine besondere Gültigkeit. Warum? Weil Gott sich in Jesus in aller Fülle offenbart hat und sich "im Namen Jesu" darauf freiwillig festgelegt hat, uns zu beschenken.

Von der unüberbietbaren Macht Jesu, die alle anbeten und anbeten werden, spricht
Phil 2,10: "daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind."
Die höchste Autorität, auch noch über politischer Macht, ist nach Philipper 2,10 Jesus als der Gekreuzigte und von Gott Erhöhte. Er hat den Namen, der über allen Namen ist. Dieser Jesus ist der Herr, durch den alle gerettet werden. Alle werden ihn anbeten und im Gebet ausdrücken, daß er der rettende Sohn Gottes ist, der zur Ehre des Vaters den Weg ganz nach unten gegangen ist.

Montag, 4. Januar 2010

Lukas 11,5-13 Freundschaft, Gebet und Heiliger Geist

In Lukas 11,5-13 läßt Lukas Jesus seine Jünger zum Gebet ermutigen. Lukas hat dazu ein Gleichnis Jesu (V. 5-8), ein Weisheitswort (V.9-10) und ein Kurzgleichnis mit Auswertung (V.11-13) zusammengestellt. Die Proseminararbeit einer Studierenden hat mich dazu gebracht, den Text einmal genauer anzuschauen und dabei bin ich auf zwei für mich überraschende Beobachtungen gestoßen.

Das Gleichnis ist in Frageform formuliert und erzählt von drei Freunden und schlafenden Kindern. Eine Eventanalyse hilft, genauer zu verstehen (Events beschreiben die Ereignisfolge, die der Geschichte zugrundeliegt).
1. Ein Freund (A) kommt spätabends auf einer Reise überraschenderweise bei einem Freund (B) an.
2. Sein Freund (B) hat nichts zum Essen im Haus, er kann ihn nicht bewirten.
3. Um Mitternacht geht Freund (B) deshalb zu Freund (C).
4. Er bleibt vor seinem Haus und deren verschlossener Tür stehen.
5. Er bittet Freund (C), vor der Tür stehend und hindurchrufend: Leih mir drei Brote und gibt ihm dafür die Begründung.
6. Freund (C) steht von seinem Bett auf, obwohl die Kinder bei ihm im Bett schlafen und die Tür schon zugeschlossen ist.
7. Er schließt die Tür auf.
8. Freund (C) gibt seinem Freund (B) alles, was dieser braucht.
Die Frage Jesu ist nämlich so gestellt, dass jeder sagen würde, nein, einen solchen Freund (C), der seinen Freund (B) abwimmeln und im Stich lassen würde, kenne ich nicht. Offen lässt Jesus, aus welchem Motiv heraus Freund (C) handelt: Weil er es aus Freundschaft tut oder weil der andere so unverschämt ist. Egal welches Motiv, Freund (C) hilft in jedem Fall Freund (B), der somit sein Ziel erreicht.

Und er sprach zu ihnen: Wer von euch (B) wird einen Freund (C) haben und wird um Mitternacht zu ihm gehen und zu ihm sagen: Freund, leihe mir drei Brote, 6 da mein Freund (A) von der Reise bei mir (B) angekommen ist und ich nichts habe, was ich ihm vorsetzen soll! 7 Und jener (C) würde von innen antworten und sagen: Mach mir keine Mühe! Die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder sind bei mir im Bett; ich kann nicht aufstehen und dir geben? (Erwartete Antwort: Niemand kennt eine solchen Freund (C), der nicht helfen wird. Freunde müssen einander helfen) 8 Ich sage euch, wenn er (C) auch nicht aufstehen und ihm (B) geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er wenigstens um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht.

Jesus macht also deutlich, dass Freunde einander auch in sehr unbequemen Situationen und auch bei unangemessenen Bitten helfen. Freundschaft ist Freundschaft. Die Steigerung ist klar: genauso verhält sich Gott! Darum nur zu: Bittet, so wird euch gegeben!

Die nächste Überraschung bietet V. 13: In diesem Text wird uns gesagt, worum wir den himmlischen Vater bitten sollen. Irdische Kinder bitten um einen Fisch oder um ein Ei (heute wäre es wohl eher ein Überraschungsei von Ferrero), also darum, Essen zu haben (dieses Gleichnis zeigt die Armut, die Jesus voraussetzt – Kinder bitten Eltern darum, etwas zum Essen zu haben!). Die Kinder Gottes bitten auch um „Speise“, und Gott gibt sie: es ist der „Heilige Geist“. Das finde ich sehr überraschend. Gottes Gabe an uns ist der Heilige Geist. Nach Paulus ist er das „Angeld“ auf die zukünftige Erlösung. Das ist es, worum sich unser Bitten nach Lukas 11,13 richten soll und was wir auch bekommen: den Geist Gottes. Er ist das Himmelsmanna, die Speise, die uns als geistliche Menschen leben lässt.

Samstag, 19. Dezember 2009

Gottesnähe - Spiritualität

Seit einiger Zeit schreibe ich an einer längeren Ausarbeitung zum Thema: "Gottesnähe erfahren. Urchristliche Spiritualität im Kontext ihrer Zeit." Auch in diesem Blog sind schon Bausteine dazu erschienen.
Kürzlich erneut ermutigt, diese Zugangsweise zu neutestamentlichen Texten zu beschreiten, hat mich die Lektüre einiger Seiten in Hans Weders "Neutestamentlichen Hermeneutik" aus dem Jahr 1986, S. 288-293:

"Die Nähe Gottes war grundlegend für das gesamte Wirken und Reden Jesu. Das Gebet in Getsemane reagiert auf die Nähe Gottes, statt sie erst herstellen zu wollen" ("Abba, mein Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch fort von mir! Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll sein." Markus 14,36).

"Das Gebet Jesu verdankt sich der Nähe Gottes. "

Man könnte das Gebet verstehen als konzentrierte Spiritualität des Menschen, als Gebärde, wo sich die Spiritualität sozusagen verdichtet. Spiritualität ist ein anderes Wort für Gottesbezug. Mann könnte auch sagen: Spiritualität ist die Erscheinungsform des Glaubens. Dazu ist das Gebet der Ort, wo der Glaube zugleich Gestalt annimmt und möglich wird."

"Das Beten Jesu scheint von der völligen Gewißheit auszugehen, daß es sich an den ganz nahen Gott wendet - an den Vater, über den Tisch hinweggesprochen. Von dieser Nähe lebt sein Gebet. Und diese Nähe schließt ein Beten aus, das meint, Gott erst noch bewegen zu müssen."

"In der Bitte findet der Beter Schutz davor, seiner Eigenmacht alles zuzutrauen."

Freitag, 11. Dezember 2009

Gebet im Lukasevangelium

Bei ihrer Darstellung der Geschichte Jesu setzten die vier Evangelisten je eigene Akzente. Dietrich Rusam (in: M. Ebner und S. Schreiber [Hrsg.], Einleitung in das Neue Testament, Stuttgart 2008, S.204) macht darauf aufmerksam, dass Lukas uns das Beten Jesu als Vorbild darstellt. Gerade in schwierigen Situationen als Stärkung! Eine spirituelle Grundpraxis, an die ich immer wieder denken und sie praktizieren möchte.

"Jesus ist in seinem Verhalten als Vorbild...dargestellt. Immer wieder - so berichtet Lukas - habe Jesus gebetet: 3,21; 5,16; 6,12; 9,18.28-29; 11,1. Und auch das letzte Wort Jesu am Kreuz ist ein Gebet und zeugt von der innigen Verbindung zwischen Gott und seinem Sohn (23,46): 'Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände'...Darüber hinaus ist das Gleichnis vom Richter und der Witwe (Lk 18,1-8) zufolge V.1 als Aufforderung zum anhaltenden Gebet zu verstehen. Vergleicht man Lk 11,13 mit Mt 7,11, so stellt man fest, dass den Bittenden bei Lukas nicht (irdische) Gaben in Aussicht gestellt werden, sondern der Heilige Geist....Schließlich lässt sich die Wirkung des Gebets auch an Jesus selbst ablesen: Der im Garten Getsemani Furchtsame erfährt nach seinem Gebet auf wunderbare Weise Stärkung durch einen Engel (22,43). Diese Stärkung ermöglicht ihm ein mutiges Auftreten gegenüber seinen Häschern (22,47-53). Ja im Grund ist Jesus derjenige, der bei seiner Gefangennahme handelt. Er stellt Judas zur Rede, beschwichtigt seine Jünger (22,51a) und heilt das Ohr des Hohenpriesterknechtes wieder an (22,51b). Und folgerichtig bekennt er sich - entsprechend seiner eigenen Forderung (12,812) - sowohl vor dem Hohen Rat zu seiner Gottessohnschaft (22,70) als auch vor Pilatus zu seinem Königtum (23,3). Am Kreuz hängend bittet er noch für seine Henker (23,34) - ähnlich wie in seiner Nachfolge Stephanus (Apg 7,60). "

Sonntag, 9. August 2009

Alison Krauss: A living prayer

Alison Krauss gehört zu den herausragenden Künstlerinnen derjenigen amerikanischen Countrymusic, die in der Tradition des Bluegrass steht. Sie ist nicht nur eine virtuose Geigerin, sondern hat sich seit ihrem ersten Album (1987) mittlerweile auch zu einer ausdrucksstarken Sängerin entwickelt. Das musikalische Konzept: Klarheit, musizieren in der Haltung "It´s not about me".
Der Text des gesungen Gebetes schlägt nahe am Herzen tiefster christlicher Spiritualität - angespielt wird auf Jesus Christus (Saviour), den Geist (another voice, He comforts me) und den Vater (the love the Father gives). Eine ganz enge Verbindung zwischen Mensch und Gott, ähnlich wie im 1. Johannesbrief, kommt zum Ausdruck, ein Geborgen sein in der Liebe Gottes angesichts der Beschwernisse des Lebens, und die innere Verwandlung durch die innewohnende Liebe Gottes zu einem Gebet für Gott.



In this world I walk alone
With no place to call my home
But there's one who holds my hand
The rugged road through barren lands
The way is dark, the road is steep
But He's become my eyes to see
The strength to climb, my griefs to bear
The Savior lives inside me there

In Your love I find release
A haven from my unbelief
Take my life and let me be
A living prayer, my God to Thee

In these trials of life I find
Another voice inside my mind
He comforts me and bids me live
Inside the love the Father gives

In Your love I find release
A haven from my unbelief
Take my life and let me be
A living prayer, my God to Thee

Take my life and let me be
A living prayer, my God to Thee

(vom Album: Alison Krauss and Union Station, "Lonely Runs Both Ways", Rounder 2004)

Freitag, 7. August 2009

Das jüdische Kaddisch-Gebet

"Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde - sein Reich soll in eurem Leben in den eurigen Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in nächster Zeit erstehen. Und wir sprechen: Amein! Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen sei und gerühmt, verherrlicht, erhoben, erhöht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch über jedem Lob und Gesang, Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gsprochen wurde, sprechet Amein! Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden, sprechet Amein. Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprechet Amein."

(Text nach http://www.webportal-judentum.net/cms/kaddisch.html)

Das Kaddisch (Qaddish, Kaddish) ist eines der ältesten Gebete der jüdischen Liturgie, ursprünglich in aramäisch verfasst. Die oben zitierte Kurzform, „halbes” Kaddisch genannt, beendet jeden Teil des Gottesdienstes und wird am Sabbat nach der Lesung aus der Tora ( 5 Bücher Mose) in der Synagoge gesprochen. Vieles spricht dafür, dass Jesus mit Vorformen dieses Gebetes oder zumindest ähnlichen Gebeten vertraut war. Er wird offensichtlich, dass er das Vater-Unser aus jüdischer Gebetstradition heraus formuliert hat.

Montag, 27. Juli 2009

Ein Gebet von Leonard Cohen

Gestern abend hatte ich Besuch und irgendwann ging es um einen Song von Leonard Cohen. Bei der Suche stieß ich auf mein Lieblingsalbum von ihm, "Various Positions", 1984 ganz aus der Zeit gefallen, aber mit wunderbaren Arrangements und mit mehreren herzanrührenden Songs, zu denen auch "If it be your will" gehört, ein sehr tiefes, ernstes Gebet.
Hier zwei Versionen
1. Das Original vom Album, zauberhafte Begleitung.
2. Eine Version von den umjubelten Auftritten letztes und dieses Jahr.





If it be your will
That I speak no more
And my voice be still
As it was before
I will speak no more
I shall abide until
I am spoken for
If it be your will

If it be your will
That a voice be true
From this broken hill
I will sing to you
From this broken hill
All your praises they shall ring
If it be your will
To let me sing
From this broken hill
All your praises they shall ring
If it be your will
To let me sing

If it be your will
If there is a choice
Let the rivers fill
Let the hills rejoice
Let your mercy spill
On all these burning hearts in hell
If it be your will
To make us well

And draw us near
And bind us tight
All your children here
In their rags of light
In our rags of light
All dressed to kill
And end this night
If it be your will

Sonntag, 26. Juli 2009

Kurzes Gebet

"Gott, mein Gott, achte auf mich!"

Beginn von Psalm 22 in der "Septuaginta", der antiken griechischen Bibelübersetzung aus dem Hebräischen. Statt "achte auf mich" könnte man "prosechein me" auch übersetzen mit: "denke an mich!", "kümmere dich um mich!" In der Bibelausgabe "Septuaginta Deutsch" wird übersetzt: "Herr, mein Gott, achte auf mich!"

Samstag, 25. Juli 2009

Morgengebet und Abendgebet

Morgengebet: "Was auch immer..."
Abendgebet: "Oh, na ja..."

(aus: Peter Clark, Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben)

Montag, 20. Juli 2009

Gottesverlassenheit

Unter Gottesverlassenheit (von Gott verlassen sein) könnte man sich vorstellen, dass man zu Gott spricht und er nicht antwortet, oder dass man sich in einer trostlosen, hoffnungslosen Situation befindet (Krankheit, Einsamkeit, Armut...). Ich erlebe eine vielleicht sehr moderne Gottverlassenheit, nicht in der Stille, sondern in der Kommunikation: Ich nehme mir vor, mich in den Begegnungen des Tages so auf die Menschen einzustellen, mit denen ich sprechen werde (SchülerInnen, KollegInnen, Freunde, Verwandte, Partner), dass ich bereichernd, liebevoll, wertschätzend, wahrhaftig, transparent, achtsam und natürlich auch humorvoll kommuniziere. Und was macht die Kommunikation daraus? Sie treibt ihr eigenes Spiel. Ein Wort gibt das andere, mit einer Dynamik, der die Gedanken kaum folgen können. Worte des anderen lösen verbale Formulierungen und schematische Antworten bei mir aus, die so schnell abgefeuert werden, dass ich mit meinen Gedanken gar nicht hinterherkomme - war ich es oder war es die kommunikative Situation, die gesagt hat, was gesagt wurde? Diese erstaunliche aber auch erschreckende Selbstorganisation der Kommunikation kann wertschätzenden Charakter erhalten, aber ebenso auch in die gegenteilige Richtung abdriften. Unsere Entgegnungen färben sich mit einem Male negativ ein: ironisch, zynisch, abwertend, übertreibend, angeberisch, besserwisserisch, ängstlich, vorsichtig, verschweigend, beschämend, verachtend, bissig, sarkastisch - und beide merken es erst später, nachdem alles schon gelaufen ist. Wo ist Gott gewesen? Warum passiert das allen Menschen, auch denen, die sich so sehr wünschen, achtsam zu kommunizieren? Es gibt Mönchsorden, die dieses Problem an der Wurzel zu fassen suchen, indem sie vor allem miteinander schweigen und beten (z.B. die Karthäuser, vgl. den Film "Die große Stille"). Die moderne Gesellschaft aber zwingt uns zum Dauerreden. Um damit zwangsläufig zu gelungener wie gescheiterter Kommunikation. Eine Lösung wurde im 20. Jahrhundert schon popularisiert: gelungene Metakommunikation. Man rekonstruiert mit Einfühlungsvermögen im Nachhinein die unterschiedlichen Perspektiven, Erwartungen, Ansprüche, die zum Gelingen oder Scheitern geführt haben. Aber auch Metakommunikation kann mißlingen.
Christliche Spiritualität kennt einen weiteren Schritt: das gemeinsame Gebet, das gemeinsame Bringen des Scheiterns oder Gelingens in Klage oder Dank vor Gott. Im gemeinsamen Gebet, auch in der Klage, ist Gott gegenwärtig! Er stärkt, was gelungen, er heilt, was mißlungen, indem er sich im Gebet ins Spiel bringt. Im Gebet wird die Dynamik der Kommunikation nicht nur mit sondern durch Gott wach und läßt uns Dinge sagen, die wir außerhalb des Gebetes nicht sagen könnten.

Freitag, 17. Juli 2009

Gebet

"Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen" (1. Thessalonicher 5,16-17)
Diesen Text finde ich für uns moderne/postmoderne Menschen eine unglaubliche Herausforderung. Paulus ermutigt ja dazu, man kann diese Ermunterung nicht als "gesetzlich" bezeichenen, denn es geht um Seelenstimmungen, die nur in der Freiheit der Bindung an Jesus Christus aufblühen.
Karl-Heinrich Ostmeyer erläutert: „Ohne Unterlass“ (griech. adialeiptos) bedeutet nicht abgeschwächt: „regelmäßig“ oder „immer wieder“, sondern in ganzer Schärfe „ununterbrochen“, „pausenlos“, „ohne Unterbrechung“ (Karl-Heinrich Ostmeyer, Das immerwährende Gebet bei Paulus, in: Theologische Beiträge 33, 2000, S. 274-289). In 1. Thessalonicher 5,16-17 hat Paulus also eine kontinuierliche, beständige Grundhaltung im Blick, die aus dem Sein in Christus Jesus folgt. Das Sein in Christus Jesus ist die Grundkonstante christlicher Existenz, sie meint die andauernde enge Verbundenheit mit dem Herrn. Paulus beschreibt Gefühle, Stimmungen und Haltungen, die dies widerspiegeln: andauernde Freude, Dankbarkeit gegenüber allem, was man erlebt. "Seid dankbar in allen Dingen". Das immerwährende Gebet scheint genau dies zu ermöglichen. Damit meint Paulus eine Grundausrichtung auf Gott, die nicht nur sprachlich formulierte Gebete im Blick hat, sondern ein „mit allen Kräften auf Gott bezogen zu sein“ (278). – „Dieses permanente Ausgerichtetsein auf Gott, diese beständige Kommunikation durch jedes Wort und mit jeder Tat, wird von Paulus als Gebet bezeichnet.“ (282) Man könnte von einer „Gebetsbeziehung“ sprechen.
Was für eine Herausforderung! Wie schnell tauche ich in meine Alltagskommunikationen ein und vergesse diesen Grundbezug meines Lebens. Lädt Paulus zu etwas Unmöglichem ein? In der orthodoxen Kirche empfehlen die Mönche, häufig kurze Gebete zu sprechen, um die richtige Seelenverfassung aufrecht erhalten zu können und das beständige Denken an Gott zu verstärken. Ziel ist eine andauernde seelische Stabilität, eine innere Ruhe, die allein von Freude, Friede und Freiheit geprägt ist.