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Sonntag, 7. März 2010

Zusagen des Evangeliums

Im Evangelium begegnen wir zu allererst und zentral dem Gott der Liebe. Gott kam uns in Jesus Christus ganz nah, um uns, die wir von ihm und untereinander entfremdet sind, wieder in seine Gemeinschaft zurückzuführen. Denn wir Menschen sind Gottes große Liebe. Alles ist für uns geschehen. Er erfüllt damit das tiefste Sehnen aller Menschen: mit Gott verbunden zu sein. Das ist so einfach, weil seine Geschichte unsere Geschichte geworden ist: Wir haben an allem Anteil, was sein Eigen ist. Wir dürfen, mit ihm verbunden, Folgendes uns und allen Menschen zusprechen:

In Jesus Christus bist du ein Kind Gottes und damit in die Gemeinschaft der göttlichen Liebe aufgenommen. Diese Bestimmung ist unwiderruflich – auch wenn du zweifelst oder am Leben verzagst.
In Jesus Christus bist du mit dem Geist des Lebens, mit dem Geist der Liebe verbunden. Aus dieser Quelle trinkst du und aus dieser Quelle schöpfst du für andere.
In Jesus Christus bist du hineingenommen in seinen Leib, in die Gemeinde. Menschen sind dir als Schwestern und Brüder zu Seite gestellt, die dich begleiten und an denen du dich bewährst im Geben und Vergeben.
In Jesus Christus bist du frei von quälenden Ansprüchen, Gewissensstimmen oder Schamgefühlen: Dein Ich wird stark, weil es aus dem unbedingten Ja der Gnade Gottes lebt.
In Jesus Christus bist du frei von Maßstäben, nach denen du andere oder andere dich beurteilen. Du kannst sie anpassen und dich und andere aus der Perspektive der Liebe Gottes sehen.
In Jesus Christus bist du frei von allen menschlichen Autoritäten, die dich einschränken wollen oder unbedingten Gehorsam fordern, weil du im Leben und Sterben nur einer Autorität wirklich gehorchst, deinem Bruder und Herrn Jesus Christus.
In Jesus Christus bist du zu einem Leben für andere und mit anderen berufen; er schenkt Dir Deine besondere Berufung, die nur du und niemand anderes leben kann.
In Jesus Christus bist du bereit, zu leiden und zu sterben. Das Leben hier kann schmerzvoller, beengter werden und irgendwann wie ein Rinnsal im Sand versickern. Dein Leben in Christus bleibt heil und ganz.

Wir entdecken im Evangelium, dass sich Gott in Christus als der heilschaffende, treue und unter allen Umständen an uns festhaltende Gott offenbart hat. Das Evangelium schenkt darum Freude und ichstärkenden Lebensmut.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Rücktritt Margot Käßmann

Respekt. Margot Käßmann ist nach nur kurzer Bedenkzeit einige Tage nach ihrer Alkoholfahrt (1,54 Promille) von allen hohen Ämtern zurückgetreten (sie bleibt aber Pfarrerin).
Käßmann hat sich in ihren öffentlichen Ämtern nicht nur als Zeugin des Zuspruchs des Evangeliums, sondern auch des Anspruchs des Evangeliums verstanden. Sie wollte bewußt auch eine moralische Instanz sein. Moral aber wird nicht nur der Rolle, sondern auch der Person selbst zugerechnet. Integer moralisch kommunizieren kann eine Person im Amt nur,wenn auch die persönliche Lebensführung nicht in Widerspruch zur öffentlichen moralischen Kommunikation dieser Person gerät. Das aber ist im Fall von Käßmann passiert - sie hat eine Straftat begangen, weil sie nicht nur sich selbst, sondern potentiell auch andere gefährdet hat. Sie hätte - wie sie selbst in der Rücktrittserklärung deutlich gemacht hat - nicht mehr überzeugend moralisch kommunizieren können.
Respekt, weil Käßmann nicht an ihren Ämtern hängt. Diese Freiheit schenkt der Glaube. Das ist ja gerade eine der Freiheiten des Evangeliums, nicht an Ämtern, Statussymbolen, Anerkennungen hängen zu müssen. Sie selbst sagt: "Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand." Sie bereut und weiß sich von Gott anerkannt (gerechtfertigt). Das ist der Zuspruch des Evangeliums. Von diesem her war sie so frei, zurückzutreten. Und ist gerade damit schon wieder ein Vorbild des Glaubens, nun aber nicht des Anspruchs, sondern des Zuspruchs des Evangeliums.