Ich möchte ein wenig auch hier auf dem Blog die Werbetrommel rühren für ein kleines Buch, das nächste Woche beim Adventverlag erscheint. Alles Nähere dazu könnt ihr im vimeo-Video erfahren, das auf der Verlagsseite eingestellt ist.
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Dienstag, 5. März 2013
Donnerstag, 28. Februar 2013
Tischgespräche über Gott und die Welt
Im letzten Sommer und in den Weihnachtsferien habe ich an einem kleinen Buch geschrieben, das ab 12. März erhältlich ist. Der Titel lautet: "Freu(n)de, Hoffnung, Malzkaffee".
Der Verlagsleiter hat dazu ein Interview mit mir geführt, das auf Vimeo angeschaut werden kann.
Der Verlagsleiter hat dazu ein Interview mit mir geführt, das auf Vimeo angeschaut werden kann.
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Dienstag, 23. März 2010
Mutterliebe
Meine Mutter erzählt in ihren Kindererinnerungen vom Leben als Flüchtlinge im Rheinland. Besonders berührt mich, wie sie und ihre beiden Schwestern ihrer Mutter, meiner Großmutter, Geburtstagsgeschenke organisierten.
Wir fanden oft Blumen, im zeitigen Frühjahr "Hänsel und Gretel", eine Pflanze, die blaue und rote Blüten trägt. Dann Veilchen, Buschwindröschen, danach die gelben Himmelschlüssel, später Maiglöckchen. Es gab so viel Maiglöckchen, daß wir sie am Sonntagvormittag in Körben sammelten und daraus hübsche kleine Sträußchen machten, außen herum die grünen Blätter, dicht an dicht und in der Mitte die weißen Maiglöckchen. Wir waren immer sehr stolz, daß sie so schön gebunden waren und auch genug grüne Blättchen außen herum hatten. Diese Sträußchen verkauften wir dann am Nachmittag an Gäste im Hotel Margarethenkreuz, und wenn Leute in Bussen oder PKws auf den großen Parkplatz kamen, um in das Siebengebirge zu wandern, warteten wir, bis sie zurückkamen und boten ihnen dann bei der Abfahrt unsere Sträußchen an. Meine Schwester Sigrid erinnert sich daran, daß wir auch viele Maiglöckchen den Amerikanern verkauften, die das schöne Siebengebirge kennenlernen wollten.
In einem Jahr haben wir alles Geld, das wir dadurch einnahmen, für Muttis Geburtstag gespart. Sie hat ja zur Maiglöckchenzeit Geburtstag am 19. Mai. Wir bekamen 57 Mark zusammen. Und wir wußten auch, was wir davon kaufen würden. Ich staune heute nur, daß wir drei kleinen Mädchen das alles allein entschieden und auch besorgt haben. Wir haben als erstes einen neuen Brotkasten gekauft, das war am nötigsten, denn der alte aus Blech war schon an manchen Stellen rostig und hatte vor allem jede Farbe verloren. Dann kauften wir einen sehr hübschen Milchkrug, weil beim alten die Schnauze abgeschlagen war und auch sonst noch abgeschlagene Stellen waren. Ich kann den neuen Krug heute noch innerlich vor mir sehen, er war sehr hell (cremefarbig bis weiß) und hatte schöne glänzende blaue Punkte. Und als drittes kauften wir eine neue Tischdecke für den Küchentisch. Es gab ja früher die Tischdecken aus schwerem Wachstuch, die für damalige Verhältnisse sehr teuer waren. So ein gutes Stück hatten wir nun schon mehrere Jahre, und wenn man sich klarmacht, daß an diesem Küchentisch fast das ganze Leben ablief, die Mahlzeiten, Essen zubereiten, Handarbeiten, Hausaufgaben, Basteln, Briefe schreiben u. a. dann ist leicht vorzustellen, wieviel Risse und Schnitte so eine Decke haben kann. Eine neue mußte her, besonders weil wir bald Besuch erwarteten. Unsere Cousine Ursel, Krankenschwester in Düsseldorf, wollte kommen. Und wir wußten, wie sensibel unsere Mutti war, wenn nicht alles tipp-topp war. Aber sie hätte kein Geld gehabt, diese drei neuen Dinge kaufen zu können. So stellten wir uns schon vorher tagelang ihre Freude vor, wenn wir ihr die Geschenke überreichen.
Ursel sollte kurz vor Muttis Geburtstag kommen. Am Vorabend ihres Kommens kam es zu einer kleinen Szene, die mir nach 60 Jahren ganz lebendig vor Augen steht. Es war kurz vor dem Abendbrot. Unsere Mutti nimmt das Brot aus dem Brotkasten und stellt plötzlich erschrocken fest: "Der Brotkasten ist ja ganz verrostet. Wenn das die Ursel sieht! Was kann man da nur machen?" Wir drei Mädchen schauten uns an, und es war Übereinstimmung in unseren Augen zu lesen. Wir holten den neuen Brotkasten und übergaben ihn unserer Mutter. Und so ging es weiter. Sie wußte ja nichts von den anderen Geschenken, aber genauso wie beim Brotkasten stellte sie beim Milchkrug erschrocken fest, daß er nicht mehr zu gebrauchen sei.
Wir trugen den neuen Krug herbei. Nun saßen wir um den Tisch herum, und wieder kam so ein Schreckensruf (das konnte sie gut). Diesmal über die Tischdecke. "Daß mir das erst jetzt so richtig auffällt. Die Decke ist ja völlig hin!" Und wir holten die neue Decke. Das war eine Freude und ein Jubel, bei uns Kindern genauso wie bei unserer Mutti. "Daß Ihr gerade die drei Dinge geschenkt habt! Was wir am allermeisten brauchten!" Unsere Mutti konnte sich vor Staunen kaum beruhigen. Und die Freude hielt tagelang an.
Wir fanden oft Blumen, im zeitigen Frühjahr "Hänsel und Gretel", eine Pflanze, die blaue und rote Blüten trägt. Dann Veilchen, Buschwindröschen, danach die gelben Himmelschlüssel, später Maiglöckchen. Es gab so viel Maiglöckchen, daß wir sie am Sonntagvormittag in Körben sammelten und daraus hübsche kleine Sträußchen machten, außen herum die grünen Blätter, dicht an dicht und in der Mitte die weißen Maiglöckchen. Wir waren immer sehr stolz, daß sie so schön gebunden waren und auch genug grüne Blättchen außen herum hatten. Diese Sträußchen verkauften wir dann am Nachmittag an Gäste im Hotel Margarethenkreuz, und wenn Leute in Bussen oder PKws auf den großen Parkplatz kamen, um in das Siebengebirge zu wandern, warteten wir, bis sie zurückkamen und boten ihnen dann bei der Abfahrt unsere Sträußchen an. Meine Schwester Sigrid erinnert sich daran, daß wir auch viele Maiglöckchen den Amerikanern verkauften, die das schöne Siebengebirge kennenlernen wollten.
In einem Jahr haben wir alles Geld, das wir dadurch einnahmen, für Muttis Geburtstag gespart. Sie hat ja zur Maiglöckchenzeit Geburtstag am 19. Mai. Wir bekamen 57 Mark zusammen. Und wir wußten auch, was wir davon kaufen würden. Ich staune heute nur, daß wir drei kleinen Mädchen das alles allein entschieden und auch besorgt haben. Wir haben als erstes einen neuen Brotkasten gekauft, das war am nötigsten, denn der alte aus Blech war schon an manchen Stellen rostig und hatte vor allem jede Farbe verloren. Dann kauften wir einen sehr hübschen Milchkrug, weil beim alten die Schnauze abgeschlagen war und auch sonst noch abgeschlagene Stellen waren. Ich kann den neuen Krug heute noch innerlich vor mir sehen, er war sehr hell (cremefarbig bis weiß) und hatte schöne glänzende blaue Punkte. Und als drittes kauften wir eine neue Tischdecke für den Küchentisch. Es gab ja früher die Tischdecken aus schwerem Wachstuch, die für damalige Verhältnisse sehr teuer waren. So ein gutes Stück hatten wir nun schon mehrere Jahre, und wenn man sich klarmacht, daß an diesem Küchentisch fast das ganze Leben ablief, die Mahlzeiten, Essen zubereiten, Handarbeiten, Hausaufgaben, Basteln, Briefe schreiben u. a. dann ist leicht vorzustellen, wieviel Risse und Schnitte so eine Decke haben kann. Eine neue mußte her, besonders weil wir bald Besuch erwarteten. Unsere Cousine Ursel, Krankenschwester in Düsseldorf, wollte kommen. Und wir wußten, wie sensibel unsere Mutti war, wenn nicht alles tipp-topp war. Aber sie hätte kein Geld gehabt, diese drei neuen Dinge kaufen zu können. So stellten wir uns schon vorher tagelang ihre Freude vor, wenn wir ihr die Geschenke überreichen.
Ursel sollte kurz vor Muttis Geburtstag kommen. Am Vorabend ihres Kommens kam es zu einer kleinen Szene, die mir nach 60 Jahren ganz lebendig vor Augen steht. Es war kurz vor dem Abendbrot. Unsere Mutti nimmt das Brot aus dem Brotkasten und stellt plötzlich erschrocken fest: "Der Brotkasten ist ja ganz verrostet. Wenn das die Ursel sieht! Was kann man da nur machen?" Wir drei Mädchen schauten uns an, und es war Übereinstimmung in unseren Augen zu lesen. Wir holten den neuen Brotkasten und übergaben ihn unserer Mutter. Und so ging es weiter. Sie wußte ja nichts von den anderen Geschenken, aber genauso wie beim Brotkasten stellte sie beim Milchkrug erschrocken fest, daß er nicht mehr zu gebrauchen sei.
Wir trugen den neuen Krug herbei. Nun saßen wir um den Tisch herum, und wieder kam so ein Schreckensruf (das konnte sie gut). Diesmal über die Tischdecke. "Daß mir das erst jetzt so richtig auffällt. Die Decke ist ja völlig hin!" Und wir holten die neue Decke. Das war eine Freude und ein Jubel, bei uns Kindern genauso wie bei unserer Mutti. "Daß Ihr gerade die drei Dinge geschenkt habt! Was wir am allermeisten brauchten!" Unsere Mutti konnte sich vor Staunen kaum beruhigen. Und die Freude hielt tagelang an.
Samstag, 3. Oktober 2009
100 Posts/Beiträge - Psalm 100
Jubelt dem Herrn zu, ihr Völker der Erde!
Dient ihm voll Freude,
kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern!
Erkennt, dass der Herr unser Gott ist!
Er hat uns zu seinem Volk gemacht, ihm gehören wir!
Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde.
Geht durch die Tempeltore ein mit Dank,
betretet den festlichen Vorhof mit lautem Lob!
Preist ihn! Rühmt ihn!
Denn der Herr ist gut zu uns,
seine Gnade hört niemals auf,
für alle Zeiten hält er uns die Treue.
Dient ihm voll Freude,
kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern!
Erkennt, dass der Herr unser Gott ist!
Er hat uns zu seinem Volk gemacht, ihm gehören wir!
Er sorgt für uns wie ein Hirte für seine Herde.
Geht durch die Tempeltore ein mit Dank,
betretet den festlichen Vorhof mit lautem Lob!
Preist ihn! Rühmt ihn!
Denn der Herr ist gut zu uns,
seine Gnade hört niemals auf,
für alle Zeiten hält er uns die Treue.
Mittwoch, 16. September 2009
Apfelernte
Im Sommer saß ich noch in ihrem Schatten, jetzt werfen sie reife Früchte, die Äpfelbäume in "meinem Garten" hinterm Haus. Heute habe ich einen schweren Korb voll von den Ästen gepflückt und vom Boden aufgehoben - geschwind war er gefüllt. Noch hängen Hunderte wartend an den Zweigen. Ernten hat etwas Beglückendes; darum gibt es Erntedank.
Donnerstag, 27. August 2009
Lebenskunst
"In der Toskana erzählt man sich die Geschichte eines alten Conte, der sehr, sehr alt wurde, weil er ein Lebensgenießer war. Er verließ niemals das Haus, ohne sich vorher eine Hand voll Bohnen in die Tasche zu stecken. Er tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen.
Nein, er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen und um sie besser zählen zu können. Wie hat er das gemacht?
Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte, das Lachen der jungen Frau aus dem Nachbarhaus, ein schönes Essen, einen glänzenden Apfel, spielende Kinder auf der Piazza, die Zigarre beim Plausch mit einem Bekannten, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weines, und, und, und.
Für alles, was seine Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.
Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen, die er in die linke Tasche gesteckt hatte. Es war nicht nur ein Zählen. Nein, er zelebrierte diese Minuten. Dabei führte er sich alles Schöne vor Augen, das ihm an diesem Tag widerfahren war und er freute sich. Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, ging ein Lächeln über sein Gesicht, denn der Tag war gelungen.
Es hatte sich zu leben gelohnt."
(Quelle unbekannt)
Fundort: Harmjan Dam und Stefanie Daube (Hrsg.), Die Mitte suchen. Spiritualität in und um Schule, 2009, S. 17.
Nein, er nahm sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen und um sie besser zählen zu können. Wie hat er das gemacht?
Für jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte, das Lachen der jungen Frau aus dem Nachbarhaus, ein schönes Essen, einen glänzenden Apfel, spielende Kinder auf der Piazza, die Zigarre beim Plausch mit einem Bekannten, einen schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten Weines, und, und, und.
Für alles, was seine Sinne erfreute, ließ er eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder drei.
Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen, die er in die linke Tasche gesteckt hatte. Es war nicht nur ein Zählen. Nein, er zelebrierte diese Minuten. Dabei führte er sich alles Schöne vor Augen, das ihm an diesem Tag widerfahren war und er freute sich. Und sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, ging ein Lächeln über sein Gesicht, denn der Tag war gelungen.
Es hatte sich zu leben gelohnt."
(Quelle unbekannt)
Fundort: Harmjan Dam und Stefanie Daube (Hrsg.), Die Mitte suchen. Spiritualität in und um Schule, 2009, S. 17.
Samstag, 22. August 2009
Gefühle (3): Freude und Glück
Zum Gefühl der Freude und zum Glücksgefühl habe ich einige schöne und erhellende Zitate im Buch „Philosophie der Gefühle“ gefunden.
Zunächst anschauliche Beispiele aus dem Kapitel „Glück und Freude“ (S. 111-125), was Freude und Glück auslösen können:
Das Betrachten einer eindrucksvollen Landschaft
Eine besonders schöne Abendstimmung
Eintreffen eines lang ersehnten Besuchs
Erfolg in einer Sache
Wohlbefinden beim Essen und Trinken, bei einem Bad im Wasser oder in der Sonne, beim Tanzen oder beim Liebesspiel.
Geselligkeit – Freude an einer gemeinsamen Situation
Hören von Musik oder ein besonderer Kunstgenuss
Der blühende Garten, der abgeschlossene Text, das gelungene Festmahl
Nun einige, wie ich finde, faszinierende Einsichten in das Wesen von Freude und Glück:
„In der Freude erfahren wir uns als federleicht, ohne Gewicht, und alles scheint ganz mühelos vonstatten zu gehen. Man hüpft vor Freude oder hat zumindest einen Hüpfimpuls.“ (S. 22) – „Leiblich wird Freude als Weitung erfahren mit einer Tendenz nach allen Richtungen. Insbesondere fühlt man sich durch die Freude ‚gehoben‘“, (S. 111) „…oft so, als ob man der üblichen Erdenschwere entzogen wäre. Dieses leibliche Erleben kennzeichnet aber auch das Glücksgefühl als Stimmung. Man fühlt sich leicht und unbeschwert und dadurch oft auch stark und kraftvoll….Je größer und intensiver das Glück, das erfahren wird, umso großräumiger wird die Weitung erlebt…Alles scheint einem leicht von der Hand zu gehen. Negative Erfahrungen rücken in den Hintergrund oder werden uminterpretiert; entscheidend ist die Gegenwart, die als so erfüllend erlebt wird, dass selbst mögliche oder wahrscheinliche Probleme in der Zukunft verblassen und unwichtig erscheinen. Was im Glücksgefühl zählt, ist das erfüllte Hier und Jetzt.“ (S. 118)
„Glücksgefühle implizieren eine positive Bewertung bestimmter Umstände oder Situationen oder auch des eigenen Lebens im Ganzen.“ (114) – Glücksgefühle und, etwas abgeschwächt, das Gefühl der Freude deuten positive Erlebnisse auf das Leben im Ganzen, wird auf mein Leben als Ganzes bezogen (117). – Im Verdichtungsbereich des Glücksgefühls steht „oft die ganze Welt, wie sie selbst dem Glücklichen erscheint, mit ihm selbst als einem harmonischen Teil von ihr….Dass dieser Verdichtungsbereich so weit ist und so vieles im Gefühl umschließt, legt der Übergang zu einer alles umfassenden Stimmung nahe. Wegen dieses umfassenden Charakters des Glücksgefühls könnte man versucht sein, es als ein Gefühl zweiter Ordnung aufzufassen, als ein Gefühl, das spezifischere Gefühle, ‚kleine‘ und ‚große‘ Freuden, quasi verallgemeinert und mit einem Gefühle ‚kommentiert‘, das sich auf das eigene Leben im Ganzen bezieht.“ (119) - „Damit ein Leben in irgendeinem Sinne als ‚gelungen‘ beschrieben werden kann, sind neben den objektiv feststellbaren so genannten Glücksgütern, die zum Teil durch eigenen Tätigkeit erworben, zum Teil auf glückliche Umstände wie die Abwesenheit von Katastrophen rückführbar sind, auch jene subjektiven Glücksgefühle erforderlich.“ (S. 121.) – Glücksgefühle enthalten zudem die Handlungstendenz, ‚die ganze Welt zu umarmen‘, sie gehen oft mit einer großen Offenheit für die Welt und die Belange anderer einher.
„Wer Glücksgefühle oder ein Gefühl tiefer Zufriedenheit erlebt, empfindet oft auch ein Gefühl der Dankbarkeit. In monotheistischen Religionen ist dieses Gefühl auf Gott gerichtet; man dankt im Gebet für all das, was Gott den Menschen schenkt und insbesondere für das Schöne und Gute im Leben dessen, der betet.“ (124) Es handelt sich um eine „existentielle Dankbarkeit“, die bei nichtreligiösen Menschen keine klar definierte Adresse findet und damit der „Verdichtungsbereich“, für gläubige Menschen Gott, unbestimmt bleibt.
Angesichts dieser tiefen Beschreibung von Glück, Freude und Dankbarkeit ist es nur allzu verständlich und allzu klar, dass es das Ziel auch von Religion ist (und sein muss!), Gefühle des Glücks und der Freude auszulösen und zu ermöglichen.
Christoph Demmerling/Hilge Landweer, Philosophie der Gefühle. Von Achtung bis Zorn, Stuttgart: Metzler, 2007. ISBN 978-3-476-01767-3
Zunächst anschauliche Beispiele aus dem Kapitel „Glück und Freude“ (S. 111-125), was Freude und Glück auslösen können:
Das Betrachten einer eindrucksvollen Landschaft
Eine besonders schöne Abendstimmung
Eintreffen eines lang ersehnten Besuchs
Erfolg in einer Sache
Wohlbefinden beim Essen und Trinken, bei einem Bad im Wasser oder in der Sonne, beim Tanzen oder beim Liebesspiel.
Geselligkeit – Freude an einer gemeinsamen Situation
Hören von Musik oder ein besonderer Kunstgenuss
Der blühende Garten, der abgeschlossene Text, das gelungene Festmahl
Nun einige, wie ich finde, faszinierende Einsichten in das Wesen von Freude und Glück:
„In der Freude erfahren wir uns als federleicht, ohne Gewicht, und alles scheint ganz mühelos vonstatten zu gehen. Man hüpft vor Freude oder hat zumindest einen Hüpfimpuls.“ (S. 22) – „Leiblich wird Freude als Weitung erfahren mit einer Tendenz nach allen Richtungen. Insbesondere fühlt man sich durch die Freude ‚gehoben‘“, (S. 111) „…oft so, als ob man der üblichen Erdenschwere entzogen wäre. Dieses leibliche Erleben kennzeichnet aber auch das Glücksgefühl als Stimmung. Man fühlt sich leicht und unbeschwert und dadurch oft auch stark und kraftvoll….Je größer und intensiver das Glück, das erfahren wird, umso großräumiger wird die Weitung erlebt…Alles scheint einem leicht von der Hand zu gehen. Negative Erfahrungen rücken in den Hintergrund oder werden uminterpretiert; entscheidend ist die Gegenwart, die als so erfüllend erlebt wird, dass selbst mögliche oder wahrscheinliche Probleme in der Zukunft verblassen und unwichtig erscheinen. Was im Glücksgefühl zählt, ist das erfüllte Hier und Jetzt.“ (S. 118)
„Glücksgefühle implizieren eine positive Bewertung bestimmter Umstände oder Situationen oder auch des eigenen Lebens im Ganzen.“ (114) – Glücksgefühle und, etwas abgeschwächt, das Gefühl der Freude deuten positive Erlebnisse auf das Leben im Ganzen, wird auf mein Leben als Ganzes bezogen (117). – Im Verdichtungsbereich des Glücksgefühls steht „oft die ganze Welt, wie sie selbst dem Glücklichen erscheint, mit ihm selbst als einem harmonischen Teil von ihr….Dass dieser Verdichtungsbereich so weit ist und so vieles im Gefühl umschließt, legt der Übergang zu einer alles umfassenden Stimmung nahe. Wegen dieses umfassenden Charakters des Glücksgefühls könnte man versucht sein, es als ein Gefühl zweiter Ordnung aufzufassen, als ein Gefühl, das spezifischere Gefühle, ‚kleine‘ und ‚große‘ Freuden, quasi verallgemeinert und mit einem Gefühle ‚kommentiert‘, das sich auf das eigene Leben im Ganzen bezieht.“ (119) - „Damit ein Leben in irgendeinem Sinne als ‚gelungen‘ beschrieben werden kann, sind neben den objektiv feststellbaren so genannten Glücksgütern, die zum Teil durch eigenen Tätigkeit erworben, zum Teil auf glückliche Umstände wie die Abwesenheit von Katastrophen rückführbar sind, auch jene subjektiven Glücksgefühle erforderlich.“ (S. 121.) – Glücksgefühle enthalten zudem die Handlungstendenz, ‚die ganze Welt zu umarmen‘, sie gehen oft mit einer großen Offenheit für die Welt und die Belange anderer einher.
„Wer Glücksgefühle oder ein Gefühl tiefer Zufriedenheit erlebt, empfindet oft auch ein Gefühl der Dankbarkeit. In monotheistischen Religionen ist dieses Gefühl auf Gott gerichtet; man dankt im Gebet für all das, was Gott den Menschen schenkt und insbesondere für das Schöne und Gute im Leben dessen, der betet.“ (124) Es handelt sich um eine „existentielle Dankbarkeit“, die bei nichtreligiösen Menschen keine klar definierte Adresse findet und damit der „Verdichtungsbereich“, für gläubige Menschen Gott, unbestimmt bleibt.
Angesichts dieser tiefen Beschreibung von Glück, Freude und Dankbarkeit ist es nur allzu verständlich und allzu klar, dass es das Ziel auch von Religion ist (und sein muss!), Gefühle des Glücks und der Freude auszulösen und zu ermöglichen.
Christoph Demmerling/Hilge Landweer, Philosophie der Gefühle. Von Achtung bis Zorn, Stuttgart: Metzler, 2007. ISBN 978-3-476-01767-3
Freitag, 21. August 2009
Morgenandacht: Freut euch!
Freut euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (Phil 4, 4 Die Gute Nachricht Bibel, 1997)
Du bist gerade aufgestanden, und weil du gestern Abend zu spät ins Bett gingst, fühlst du dich unausgeschlafen; die Glücksgefühle des gestrigen Abends sind wie weggeblasen und nun wartet ein langer Tag auf dich mit vielen Pflichten und Aufgaben. Am liebsten möchtest du wieder ins Bett kriechen. Möglicherweise hast du dich heute morgen sogar schon geärgert und du bist gereizt. Vielleicht bist du aber auch guter Laune, ausgeschlafen, voller Schaffenskraft und Lust, den Tag anzugehen. Wie immer auch deine Stimmung ist, ein Wort will dich den ganzen Tag begleiten: Freue dich immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt. Dieser Aufruf will wie der regelmäßige Glockenschlag einer Turmuhr sein, um dich immer wieder daran zu erinnern, dass die Freude dein Leben bestimmen soll. Der heutige Tag wird sicherlich viele Gemütszustände in dir auslösen: Ärger und Frust, Hoffnung und Angst, Unlust und Müdigkeit, Zerstreutheit und Langeweile, Hektik und Zorn, Mitleid und Liebe und vieles mehr. Aber als Hintergrundmelodie oder Grundrhythmus oder Leitmotiv begleitet dich die Freude, die von Gott kommt. Sie sorgt dafür, dass du nicht das Gleichgewicht verlierst. All die verschiedenen Gemütszustände dürfen ruhig kommen, aber sie werden auch wieder gehen und nicht vollständig von dir Besitz ergreifen. Weil die Freude bleibt, die vom Herrn kommt. Es ist die Freude darüber, dass du zu Gott gehörst und du in seiner Liebe verankert bist. Es ist die Freude darüber, dass du zur Gemeinschaft der Gläubigen gehörst, die es überall auf der Welt gibt. Es ist die Freude darüber, dass dein Leben Sinn und Ziel hat. Es ist die Freude darüber, dass Gott dich berufen hat, die Liebe und die Gerechtigkeit in der Welt nicht zu vermindern, sondern zu vermehren. Es ist die Freude darüber, dass du dich nicht selbst tragen musst, sondern von Gott, vom Leben selbst, getragen wirst.
Du bist gerade aufgestanden, und weil du gestern Abend zu spät ins Bett gingst, fühlst du dich unausgeschlafen; die Glücksgefühle des gestrigen Abends sind wie weggeblasen und nun wartet ein langer Tag auf dich mit vielen Pflichten und Aufgaben. Am liebsten möchtest du wieder ins Bett kriechen. Möglicherweise hast du dich heute morgen sogar schon geärgert und du bist gereizt. Vielleicht bist du aber auch guter Laune, ausgeschlafen, voller Schaffenskraft und Lust, den Tag anzugehen. Wie immer auch deine Stimmung ist, ein Wort will dich den ganzen Tag begleiten: Freue dich immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt. Dieser Aufruf will wie der regelmäßige Glockenschlag einer Turmuhr sein, um dich immer wieder daran zu erinnern, dass die Freude dein Leben bestimmen soll. Der heutige Tag wird sicherlich viele Gemütszustände in dir auslösen: Ärger und Frust, Hoffnung und Angst, Unlust und Müdigkeit, Zerstreutheit und Langeweile, Hektik und Zorn, Mitleid und Liebe und vieles mehr. Aber als Hintergrundmelodie oder Grundrhythmus oder Leitmotiv begleitet dich die Freude, die von Gott kommt. Sie sorgt dafür, dass du nicht das Gleichgewicht verlierst. All die verschiedenen Gemütszustände dürfen ruhig kommen, aber sie werden auch wieder gehen und nicht vollständig von dir Besitz ergreifen. Weil die Freude bleibt, die vom Herrn kommt. Es ist die Freude darüber, dass du zu Gott gehörst und du in seiner Liebe verankert bist. Es ist die Freude darüber, dass du zur Gemeinschaft der Gläubigen gehörst, die es überall auf der Welt gibt. Es ist die Freude darüber, dass dein Leben Sinn und Ziel hat. Es ist die Freude darüber, dass Gott dich berufen hat, die Liebe und die Gerechtigkeit in der Welt nicht zu vermindern, sondern zu vermehren. Es ist die Freude darüber, dass du dich nicht selbst tragen musst, sondern von Gott, vom Leben selbst, getragen wirst.
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