In den letzten Wochen habe ich Texte zur Spiritualität des 1. Johannesbriefes und des Jakobusbriefes gepostet. Es sind kleine Bausteine für einen längeren Text: "Urchristliche Spiritualität. Erfahrungen der Nähe Gottes im Kontext ihrer Zeit."
"Ausdrucksformen von Spiritualität" sind Haltungen und Praktiken, die man tatsächlich beobachten kann, selbst wenn man in die Person(en) nicht "hineinschauen" kann; aber am Äußeren, am "Ausdruck" der Person(en) ist zumindest erkennbar, dass Spiritualität praktiziert wird.
Im Vordergrund des Jakobusbriefes steht eine Spiritualität der Barmherzigkeit, die sich an einem bestimmten Habitus (3,17-18) und den daraus resultierenden praktischen Taten erkennen lässt.
„Redet so und handelt wie Menschen, die nach dem Gesetz der Freiheit gerichtet werden“ (2,12).
Zu beobachten ist dann ein Mensch, der in seiner Kommunikation „sanftmütige Weisheit“ (3,13 oder: weise Sanftmut) ausstrahlt; er oder sie kommt ohne Zorn, ohne Fluchen, ohne Verleumdung, ohne Klagen über die anderen aus. Geduld zeichnet sie oder ihn aus (5,7-11), dazu Freude am Frieden und eine gütige Freundlichkeit.
Damit untrennbar verbunden ist eine aktive Barmherzigkeit im Handeln: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Not besuchen.“ (1,27); zum Besuch gehört die wirtschaftliche Unterstützung für den notwendigen Bedarf – Versorgung mit Kleidung und täglichem Brot (2,15-17).
Der Brief selbst versteht sich auch als Ruf zur Umkehr (5,19-20). Wenn jemand durch die ernste Ermahnung des Briefes zum Einsicht kommt, und das ist die Erwartung des Jakobus, dann soll er Buße tun: „Klagt und trauert und weint! Euer Lachen verwandle sich in Trauer, eure Freude in Betrübnis. Macht euch klein vor dem Herrn, dann wird er euch erhöhen.“ (4,9-10; vgl. auch 5,1).
Zur Buße tritt das Gebet um die Weisheit Gottes, die das Reden und Handeln im oben genannten Sinn positiv verwandelt.
Der Brief möchte in die Sichtweise dieser Weisheit einüben. Der Autor verwendet dazu einen Stil, der in lebendiger und sehr anschaulicher Weise mal das eine und dann wieder das andere Thema anspricht und in recht kurzen Sequenzen argumentativ darlegt. Es liegt aber kein durchkomponierter Gedankengang vor, sondern eine lockere Zuordnung der Themen, die ihm am Herzen liegen. Verbindungen und Strukturen lassen sich durchaus erkennen, dennoch fällt der fast sprunghafte Wechsel vom einen zum anderen Thema auf, aber genauso die Wiederaufnahme und Vertiefung von Themen, die dem Autor besonders wichtig sind, vor allem das Verhalten der Reichen. Mit diesem Stil erreicht Jakobus ein sehr eindringliches Einwirken auf die Hörer und Leser seines Textes, das Umkehr von der Anpassung an die „Welt“ (Verweltlichung, Anpassung an die Normen der Mehrheitsgesellschaft) und Hinwendung zur „Weisheit von oben“ erreichen möchte.
Am Ende des Briefes (5,13-16) werden einige Übungen und Riten hervorgehoben, die dem Autor wichtig erscheinen, oder er möchte sie einführen, weil sie wenig bekannt sind:
Bei guter Laune soll man Lobpsalmen singen; wenn man bedrückt ist, Klage- oder Bittpsalmen beten.
Wer krank ist, soll das Gebet und die Salbung mit Öl durch die Ältesten der Gemeinde suchen.
Im Zusammenhang mit Krankheit, aber auch darüber hinaus empfiehlt Jakobus das gemeinsame, also öffentliche Sündenbekenntnis und die Fürbitte untereinander.
Die zu Beginn und am Ende des Briefes angemahnte Geduld bezieht sich auf die Prüfungen/Versuchungen, die aus dem eigenen Inneren hervortreten, wie auch auf die unsicheren Verläufe des Lebens: "Ihr soll sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und die oder das tun.“
Posts mit dem Label Jakobusbrief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jakobusbrief werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 16. August 2009
Donnerstag, 13. August 2009
Jakobusbrief (4): Gottesferne
Fern von Gott ist die „Welt“: „Wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der wird zum Feind Gottes.“ Mit der „Welt“ ist der Teufel (diabolos) verbunden: „Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!“ Was aber ist die Welt? Damit ist eine besondere negative Qualität psychischer und sozialer Wirklichkeit gemeint. Es ist die Sphäre der seelischen Unausgeglichenheit wie auch des sozialen Unfriedens: „Denn wo Neid und Streit sind, da sind Unordnung und lauter böse Dinge“ (3,17). In der „Welt“ wirkt die Weisheit, die nicht himmlisch, sondern irdisch ist, die „von unteren Bereich her“ (psychike) kommt, ja dämonisch (daimoniodes) charakterisiert werden kann. Sigmund Freud hätte diesen Bereich das „Es“ genannt, die Welt der Triebhaftigkeit. „Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Doch wohl von euren Lüsten/Leidenschaften, die in euren Gliedern gegeneinander kämpfen!“ (4,1). Zu diesen negativen Affekten zählt Jakobus Gier, Mordlust, Neid (4,2), Zorn (1,19-20), Fluchen/Verfluchen (3,9-10), Hochmut und Stolz/Übermut (4,6; 4,16).
Die Seele, das Innere kann Jakobus „Herz“ nennen (4,8). Hier sind die Begierden, die eine große Macht besitzen und unabhängig, ja autonom von Gottes Einfluß sind: „Jeder aber, der versucht wird, wird von den eigenen Begierden gelockt und geködert. Wenn die Leidenschaft empfangen hat, gebiert sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, bringt den Tod hervor.“ Die gottferne Seele ist voller Zweifel („Wer zweifelt, der gleicht eine Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.“), d.h. unbeständig, unklar, unsicher. Ein solcher Seelenzustand wird in 1,8 und 4,8 „zwei Seelen habend“ (dipsychos) genannt. Die Lutherbibel übersetzt mit „unbeständig“ und „wankelmütig“. Es geht um einen Zustand des Hin und Her, der Unentschiedenheit oder auch der Haltlosigkeit, d.h. keinen festen inneren Stand einnehmen können. Ganz anders der Zustand der inneren Stabilität, den die Weisheit „von oben“ schenken möchte, der Zustand der Geduld und des Friedens (1,3-4; 3,18; 5,7-11).
Die negative soziale Wirklichkeit, die Jakobus „Welt“ nennt, ist von der Dominanz und Arroganz der besitzenden Klasse beherrscht. Die Reichen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich (2,2-4) üben Gewalt aus und lästern (2,6-7). Ihnen fehlt jede Demut; sie führen sich als Herrscher auf Erden auf, die alles bestimmen und lenken dürfen (4,13; 5,5-6). Mit zwei plastischen Naturbildern illustriert Jakobus diese Illusion: „Was ist euer Leben? Rauch seid ihr, der eine Weile sichtbar ist und dann verschwindet.“ (4,14) - „Die Sonne geht auf mit ihrer Hitze und das Gras verwelkt, und die Blume fällt ab, ihre schöne Gestalt verdirbt. So wird auch der Reiche mit seinen Unternehmungen dahinschwinden (verwelken).“
Die Seele, das Innere kann Jakobus „Herz“ nennen (4,8). Hier sind die Begierden, die eine große Macht besitzen und unabhängig, ja autonom von Gottes Einfluß sind: „Jeder aber, der versucht wird, wird von den eigenen Begierden gelockt und geködert. Wenn die Leidenschaft empfangen hat, gebiert sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, bringt den Tod hervor.“ Die gottferne Seele ist voller Zweifel („Wer zweifelt, der gleicht eine Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird.“), d.h. unbeständig, unklar, unsicher. Ein solcher Seelenzustand wird in 1,8 und 4,8 „zwei Seelen habend“ (dipsychos) genannt. Die Lutherbibel übersetzt mit „unbeständig“ und „wankelmütig“. Es geht um einen Zustand des Hin und Her, der Unentschiedenheit oder auch der Haltlosigkeit, d.h. keinen festen inneren Stand einnehmen können. Ganz anders der Zustand der inneren Stabilität, den die Weisheit „von oben“ schenken möchte, der Zustand der Geduld und des Friedens (1,3-4; 3,18; 5,7-11).
Die negative soziale Wirklichkeit, die Jakobus „Welt“ nennt, ist von der Dominanz und Arroganz der besitzenden Klasse beherrscht. Die Reichen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich (2,2-4) üben Gewalt aus und lästern (2,6-7). Ihnen fehlt jede Demut; sie führen sich als Herrscher auf Erden auf, die alles bestimmen und lenken dürfen (4,13; 5,5-6). Mit zwei plastischen Naturbildern illustriert Jakobus diese Illusion: „Was ist euer Leben? Rauch seid ihr, der eine Weile sichtbar ist und dann verschwindet.“ (4,14) - „Die Sonne geht auf mit ihrer Hitze und das Gras verwelkt, und die Blume fällt ab, ihre schöne Gestalt verdirbt. So wird auch der Reiche mit seinen Unternehmungen dahinschwinden (verwelken).“
Sonntag, 9. August 2009
Jakobusbrief (3): Anlaß des Briefes
Ein offensichtlicher Anlass für die Abfassung des Briefes lässt sich nicht erkennen. Die Adressaten sind „die zwölf Stämme in der Diaspora“ – der Absender „Jakobus“ schreibt die Christusgläubigen als Angehörige des Volkes Israel an. Vom Zentrum Jerusalem aus richtet er seine Botschaft an alle in der weltweiten Peripherie, fern von der Heimat. Von dieser Adressatenangabe her ist davon auszugehen, dass die Inhalte des Briefes grundsätzlicher und allgemeiner Art sein wollen, die überall Sinn machen oder notwendig sind. Den Verfasser bewegen mehrere Themen, die von allen gehört werden müssen, damit sie nicht von der Wahrheit abirren. Irrwege möchte er aufdecken und an die Wahrheit erinnern: „Liebe Brüder, wenn einer bei euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zur Umkehr bewegt, dann sollt ihr wissen: Wer einen Sünder, der auf Irrwegen ist, zur Umkehr bewegt, der rettet ihn vor dem Tod und deckt viele Sünden zu.“ Diese beiden Schlussverse (5,19-20) drücken eine grundsätzliche Motivation aus, die sicherlich auch den Autor bewegt hat.
In der Reihefolge ihres Erscheinens im Brief bewegen Jakobus folgende Themen und Probleme:
- „Versuchungen“ und ihre Deutung
- der Umgang mit der Differenz von Arm und Reich
- das Kommunikationsverhalten bei der Interaktion unter Anwesenden
- die Beziehung zwischen Hören und Tun, Glauben und Werken
- Reden und Schweigen
- Statuskämpfe und Rivalitäten unter den Gläubigen
- das Selbstverständnis von Reichen
- rituelle Handlungen angesichts von Leiden
Es ist leicht zu erkennen, dass dies Themen sind, die an fast jedem Ort und zu fast jeder Zeit eine Rolle spielen, wenn sich längerfristig angelegte religiöse Gemeinschaften bilden und sich regelmäßig treffen. Die Kritik an schwätzenden Intellektuellen und arroganten Bessergestellten fällt besonders ins Auge. Der blinde Fleck beider privilegierten Gruppen scheint das Nichtsehen der Not der Armen zu sein: ein Phänomen, das sich auch heute noch gut bei diesen beiden Milieus beobachten lässt, vor allem, wenn man selbst dazu gehört.
Insgesamt geht es Jakobus um die Einübung einer inneren Haltung und einer dieser entsprechenden Lebensführung, die Ausdruck des Erfülltseins mit der „Weisheit von oben her“ ist. Durch diese wird man mit veränderter Selbsterkenntnis die oben genannten Themen und Probleme angehen. Dabei greift Jakobus, ohne genauer darüber Rechenschaft abzulegen, auf viele Jesusworte zurück, die man aber nur dann erkennt, wenn man bereits mit ihnen vertraut ist und dann auch die Anspielung versteht.
In der Reihefolge ihres Erscheinens im Brief bewegen Jakobus folgende Themen und Probleme:
- „Versuchungen“ und ihre Deutung
- der Umgang mit der Differenz von Arm und Reich
- das Kommunikationsverhalten bei der Interaktion unter Anwesenden
- die Beziehung zwischen Hören und Tun, Glauben und Werken
- Reden und Schweigen
- Statuskämpfe und Rivalitäten unter den Gläubigen
- das Selbstverständnis von Reichen
- rituelle Handlungen angesichts von Leiden
Es ist leicht zu erkennen, dass dies Themen sind, die an fast jedem Ort und zu fast jeder Zeit eine Rolle spielen, wenn sich längerfristig angelegte religiöse Gemeinschaften bilden und sich regelmäßig treffen. Die Kritik an schwätzenden Intellektuellen und arroganten Bessergestellten fällt besonders ins Auge. Der blinde Fleck beider privilegierten Gruppen scheint das Nichtsehen der Not der Armen zu sein: ein Phänomen, das sich auch heute noch gut bei diesen beiden Milieus beobachten lässt, vor allem, wenn man selbst dazu gehört.
Insgesamt geht es Jakobus um die Einübung einer inneren Haltung und einer dieser entsprechenden Lebensführung, die Ausdruck des Erfülltseins mit der „Weisheit von oben her“ ist. Durch diese wird man mit veränderter Selbsterkenntnis die oben genannten Themen und Probleme angehen. Dabei greift Jakobus, ohne genauer darüber Rechenschaft abzulegen, auf viele Jesusworte zurück, die man aber nur dann erkennt, wenn man bereits mit ihnen vertraut ist und dann auch die Anspielung versteht.
Samstag, 8. August 2009
Jakobusbrief (2): Beschreibungen der Gottesnähe
Jakobus ist zurückhaltend in der Beschreibung von starken Erfahrungen der Gottesnähe. Kein „in Christus sein“ wie bei Paulus, kein „wir in Gott und Gott in uns“ wie im 1. Johannesbrief. Gott ist im Himmel, als „Vater der Lichter“, bei dem Jesus Christus ist, „unser Herr der Herrlichkeit“. Im „unser“ deutet sich aber auch an, dass die Gläubigen, die Jakobus immer „die Brüder“ (Geschwister) nennt, mit ihm in Verbindung stehen. Wie nun kommt Gott nahe? Ich möchte vier wesentliche Erfahrungen herausheben.
1. Gott ist den Glaubenden nahe durch das „Wort der Wahrheit“: „Nach seinem Willen hat er uns (neu) geboren durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“ (1,18). Dieses Wort ist in V.21 das „eingepflanzte Wort“, das die Macht hat, die Seele zu retten. Gott ist also in diesem Wort nahe, ein Wort, das erneuert und rettet. Was genau dieses Wort ist, verrät Jakobus nicht. Eine Parallele im 1. Petrusbrief ist da deutlicher: „Ihr seid wiedergeboren…durch das lebendige und bleibende Wort Gottes – Die ist das Wort, das unter euch verkündet wurde (euangelisthen). Die Anspielung auf das Evangelium ist hier offensichtlich, während für Jakobus das rettende Wort engstens verbunden ist mit dem Gesetz, und zwar mit dem „vollkommenen Gesetz der Freiheit“: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein…Wer aber hineinschaut ins vollkommene Gesetz der Freiheit und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern Täter des Worts ist, dieser wird selig sein in seinem Handeln.“ (V.22.25) Das Wort ist also Zuspruch und Anspruch zugleich, erneuert und nimmt zugleich in die Pflicht. Die Nähe des Wortes Gottes ist für Jakobus also nicht ohne das Gesetz zu haben, wenn es auch ein Gesetz der Freiheit ist. Warum „der Freiheit“? Sowohl in Kapitel 1,22-27 wie auch in 2,12-13 wird deutlich, dass Jakobus Freiheit und Barmherzigkeit zusammendenkt. Hat er hier von seinem Bruder Jesus gelernt? Mit Sicherheit. Jesus ging es um eine Praxis des Gesetzes, die zur Barmherzigkeit befreit. Frei ist der Mensch, der aus Barmherzigkeit handelt. Denn es sind die Armen in der Welt, die Gott erwählt hat (2,5-6). Darum sind wir Gott nahe, wenn wir in Barmherzigkeit den Armen nahe sind.
2. Gott schenkt „von oben her“ seine Weisheit. Diese „Weisheit von oben her“ (sophia anothen), die himmlische Weisheit, die von Gott selbst kommt, hat als Gabe zugleich eine ganz besondere Qualität. „Die Weisheit von oben her ist erstens heilig, dann friedfertig, freundlich, folgsam, voller Erbarmen und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei.“ Das erinnert an die Frucht des Geistes Gottes, von der Paulus in Galater 5,22-23 spricht: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ Die „Weisheit von oben“ kann also mit der Gabe des Geistes Gottes gleichgesetzt werden (zur Identität von Weisheit Gottes und Geist Gottes vgl. 1. Korinther 2,6-16). Gottes Nähe wird da erfahren, wo die Eigenschaften dieser „Weisheit von oben“ von Menschen gelebt und praktiziert werden.
3. Weise Menschen sind nach jüdischer Tradition Freunde Gottes. Sie lieben Gott. So kann auch Jakobus von den Gläubigen sprechen, die Gott „lieb haben“ (1,12; 2,5). Sie sind Gott nahe, weil sie Gottes guten Eigenschaften nahe sind. Die Freundschaft mit Gott wird indirekt in 4,4-5 thematisiert: „Wißt ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird zum Feind Gottes.“ Die Freundschaft mit Gott ist aber nicht Freundschaft unter Ebenbürtigen. Der Geist Gottes (4,5) befähigt Menschen dazu, die freundschaftliche Nähe Gottes zu erfahren. Aber nach Jakobus nur, indem man Gott gehorcht, sich im unterordnet (4,7). In Ehrfurcht, im Bewusstsein, Sünder zu sein, in Demut, dürfen sich die Menschen Gott nahen: „Naht euch Gott und er wird euch nahe kommen. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Menschen mit zwei Seelen.“ (4,8)
4. Jakobus ist schließlich mit allen anderen Aposteln der Überzeugung, dass die Ankunft des Herrn nahe ist (5,8), d.h. dass das barmherzige und zugleich strenge Gericht Gottes zeitlich nahe bevorsteht: „Siehe, der Richter steht vor der Tür!“ (5,9)
1. Gott ist den Glaubenden nahe durch das „Wort der Wahrheit“: „Nach seinem Willen hat er uns (neu) geboren durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“ (1,18). Dieses Wort ist in V.21 das „eingepflanzte Wort“, das die Macht hat, die Seele zu retten. Gott ist also in diesem Wort nahe, ein Wort, das erneuert und rettet. Was genau dieses Wort ist, verrät Jakobus nicht. Eine Parallele im 1. Petrusbrief ist da deutlicher: „Ihr seid wiedergeboren…durch das lebendige und bleibende Wort Gottes – Die ist das Wort, das unter euch verkündet wurde (euangelisthen). Die Anspielung auf das Evangelium ist hier offensichtlich, während für Jakobus das rettende Wort engstens verbunden ist mit dem Gesetz, und zwar mit dem „vollkommenen Gesetz der Freiheit“: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein…Wer aber hineinschaut ins vollkommene Gesetz der Freiheit und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern Täter des Worts ist, dieser wird selig sein in seinem Handeln.“ (V.22.25) Das Wort ist also Zuspruch und Anspruch zugleich, erneuert und nimmt zugleich in die Pflicht. Die Nähe des Wortes Gottes ist für Jakobus also nicht ohne das Gesetz zu haben, wenn es auch ein Gesetz der Freiheit ist. Warum „der Freiheit“? Sowohl in Kapitel 1,22-27 wie auch in 2,12-13 wird deutlich, dass Jakobus Freiheit und Barmherzigkeit zusammendenkt. Hat er hier von seinem Bruder Jesus gelernt? Mit Sicherheit. Jesus ging es um eine Praxis des Gesetzes, die zur Barmherzigkeit befreit. Frei ist der Mensch, der aus Barmherzigkeit handelt. Denn es sind die Armen in der Welt, die Gott erwählt hat (2,5-6). Darum sind wir Gott nahe, wenn wir in Barmherzigkeit den Armen nahe sind.
2. Gott schenkt „von oben her“ seine Weisheit. Diese „Weisheit von oben her“ (sophia anothen), die himmlische Weisheit, die von Gott selbst kommt, hat als Gabe zugleich eine ganz besondere Qualität. „Die Weisheit von oben her ist erstens heilig, dann friedfertig, freundlich, folgsam, voller Erbarmen und guter Früchte, unparteiisch, ohne Heuchelei.“ Das erinnert an die Frucht des Geistes Gottes, von der Paulus in Galater 5,22-23 spricht: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ Die „Weisheit von oben“ kann also mit der Gabe des Geistes Gottes gleichgesetzt werden (zur Identität von Weisheit Gottes und Geist Gottes vgl. 1. Korinther 2,6-16). Gottes Nähe wird da erfahren, wo die Eigenschaften dieser „Weisheit von oben“ von Menschen gelebt und praktiziert werden.
3. Weise Menschen sind nach jüdischer Tradition Freunde Gottes. Sie lieben Gott. So kann auch Jakobus von den Gläubigen sprechen, die Gott „lieb haben“ (1,12; 2,5). Sie sind Gott nahe, weil sie Gottes guten Eigenschaften nahe sind. Die Freundschaft mit Gott wird indirekt in 4,4-5 thematisiert: „Wißt ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird zum Feind Gottes.“ Die Freundschaft mit Gott ist aber nicht Freundschaft unter Ebenbürtigen. Der Geist Gottes (4,5) befähigt Menschen dazu, die freundschaftliche Nähe Gottes zu erfahren. Aber nach Jakobus nur, indem man Gott gehorcht, sich im unterordnet (4,7). In Ehrfurcht, im Bewusstsein, Sünder zu sein, in Demut, dürfen sich die Menschen Gott nahen: „Naht euch Gott und er wird euch nahe kommen. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Menschen mit zwei Seelen.“ (4,8)
4. Jakobus ist schließlich mit allen anderen Aposteln der Überzeugung, dass die Ankunft des Herrn nahe ist (5,8), d.h. dass das barmherzige und zugleich strenge Gericht Gottes zeitlich nahe bevorsteht: „Siehe, der Richter steht vor der Tür!“ (5,9)
Freitag, 7. August 2009
Jakobusbrief (1): Gott im Jakobusbrief
Auf welche besondere Gotteserkenntnis ist die Spiritualität im Jakobusbrief bezogen?
1. Jakobus legt besonderen Wert darauf, dass Gott nur mit Gutem in Verbindung gebracht wird. Gott schenkt gerne, und alles, was er schenkt, ist gut:
„Gott gibt allen gern“ (1,5)
„Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemanden.“ (1,13)
„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“ (1,17)
Zwei Gaben sind besonders wichtig: Gott hat die Glaubenden (neu) geboren durch sein Wort der Wahrheit; er hat es in sie gepflanzt (1,18.21). Den Glaubenden möchte Gott die Weisheit von oben schenken (1,5; 3,17-18).
2. An vielen Stellen spricht Jakobus schlicht von „Gott“. Gott ist der „Vater“ (1,27). An der Seite Gottes steht der „Herr Jesus Christus (1,2), der „Herr der Herrlichkeit“ (2,1), oder einfach der „Herr“ (1,7). In 3,9 ist Gott „Herr und Vater“, in 5,4 wird die Anrede „der Herr Zebaoth“ aus Jesaja 5,9 zitiert. Die Bezeichungen sind also auswechselbar, alle bezeichnen Gott im Vollsinn. Das zeigt, dass Jesus Christus als der „Herr“ ganz auf die Seite Gottes, des Vaters gehört. Gott ist einer, Gesetzgeber und Richter, der die Macht hat zu retten und zu verurteilen (4,12). Damit sind zwei zentrale Eigenschaften Gottes benannt: Gott ist Gesetzgeber und Richter.
3. Von Gott stammt das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (1,25, 2,12) und das "königliche Gesetz" der Nächstenliebe (2,8), aber auch alle anderen moralischen Gesetze, an denen sich die sittliche Lebensführung zu orientieren hat (2,11; 4,11).
4. Indirekt ist von Gott die Rede, wenn Jakobus das zukünftige Gericht betont (2,12-13, 3,1). Vor allem „der Herr“ ist der Richter, der bald kommen wird (5,7-8), ja als Richter schon vor der Tür steht (5,9). Hier ist Jesus Christus gemeint. Maßstab des Gerichts ist das „Gesetz der Freiheit“, das sich an der getanen Barmherzigkeit orientiert (2,12-13). Als Richter ist Gott einerseits „voll Erbarmen und Mitleid“ (5,11), andererseits gegenüber den Unbarmherzigen „erbarmungslos“ (2,13). Offensichtlich ist das für Jakobus kein Widerspruch zu Punkt 1 oben. Ich habe den Eindruck, dass für Jakobus Gott in der Gegenwart nur gute Gaben schenkt, böse Taten nicht gleich bestraft, sondern zulässt, aber dann im nahe bevorstehenen Gericht das Böse schließlich vergelten wird: aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. In der Gegenwart, jetzt, sollen sich die Menschen dem schenkenden, rettenden Gott zuwenden und sich mit seiner Weisheit erfüllen lassen.
1. Jakobus legt besonderen Wert darauf, dass Gott nur mit Gutem in Verbindung gebracht wird. Gott schenkt gerne, und alles, was er schenkt, ist gut:
„Gott gibt allen gern“ (1,5)
„Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemanden.“ (1,13)
„Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichter, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt.“ (1,17)
Zwei Gaben sind besonders wichtig: Gott hat die Glaubenden (neu) geboren durch sein Wort der Wahrheit; er hat es in sie gepflanzt (1,18.21). Den Glaubenden möchte Gott die Weisheit von oben schenken (1,5; 3,17-18).
2. An vielen Stellen spricht Jakobus schlicht von „Gott“. Gott ist der „Vater“ (1,27). An der Seite Gottes steht der „Herr Jesus Christus (1,2), der „Herr der Herrlichkeit“ (2,1), oder einfach der „Herr“ (1,7). In 3,9 ist Gott „Herr und Vater“, in 5,4 wird die Anrede „der Herr Zebaoth“ aus Jesaja 5,9 zitiert. Die Bezeichungen sind also auswechselbar, alle bezeichnen Gott im Vollsinn. Das zeigt, dass Jesus Christus als der „Herr“ ganz auf die Seite Gottes, des Vaters gehört. Gott ist einer, Gesetzgeber und Richter, der die Macht hat zu retten und zu verurteilen (4,12). Damit sind zwei zentrale Eigenschaften Gottes benannt: Gott ist Gesetzgeber und Richter.
3. Von Gott stammt das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (1,25, 2,12) und das "königliche Gesetz" der Nächstenliebe (2,8), aber auch alle anderen moralischen Gesetze, an denen sich die sittliche Lebensführung zu orientieren hat (2,11; 4,11).
4. Indirekt ist von Gott die Rede, wenn Jakobus das zukünftige Gericht betont (2,12-13, 3,1). Vor allem „der Herr“ ist der Richter, der bald kommen wird (5,7-8), ja als Richter schon vor der Tür steht (5,9). Hier ist Jesus Christus gemeint. Maßstab des Gerichts ist das „Gesetz der Freiheit“, das sich an der getanen Barmherzigkeit orientiert (2,12-13). Als Richter ist Gott einerseits „voll Erbarmen und Mitleid“ (5,11), andererseits gegenüber den Unbarmherzigen „erbarmungslos“ (2,13). Offensichtlich ist das für Jakobus kein Widerspruch zu Punkt 1 oben. Ich habe den Eindruck, dass für Jakobus Gott in der Gegenwart nur gute Gaben schenkt, böse Taten nicht gleich bestraft, sondern zulässt, aber dann im nahe bevorstehenen Gericht das Böse schließlich vergelten wird: aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. In der Gegenwart, jetzt, sollen sich die Menschen dem schenkenden, rettenden Gott zuwenden und sich mit seiner Weisheit erfüllen lassen.
Abonnieren
Posts (Atom)
