Für Katholiken selbstverständlich, für Protestanten jedoch, sowohl in den Volkskirchen wie auch in den Freikirchen, überwiegend kein wesentlicher Bestandteil der spirituellen Praxis. Luther übte an der katholischen Bußpraxis Kritik, behielt sie aber bei, während die Reformierten (Zwingli, Calvin) sie als nichtbiblisch ablehnten. Luther behielt sie übrigens nicht nur bei, sie war in Krisenzeiten für ihn fast täglich wichtig. Der evangelische Theologe Oswald Bayer (bei ihm habe ich 1988 an der Universität Tübingen die 1. Staatsexamensprüfung abgelegt) hat sogar plausibel gemacht, dass der eigentliche reformatorische Durchbruch Luthers mit der Erkenntnis einherging, dass die Zusage der Sündenvergebung in der Beichte eine echte und vollständig gewisse Zusage Gottes selbst ist, die befreienden Charakter hat (O. Bayer: Promissio. Geschichte der reformatorischen Wende in Luthers Theologie). Erhellend dazu ist ein Auszug aus dem Kleinen Katechismus von Dr. Martin Luther zum Thema Beichte:
"Was ist die Beichte?
Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eins, dass man die Sünden bekenne; das andere, dass man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger (Pfarrer) empfange als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifele, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel.
Welche Sünden soll man denn Beichten?
Vor Gott soll man aller Sünden sich schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vaterunser tun. Aber vor dem Beichtiger (Pfarrer) sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen."
Ich selbst habe die Beichte bisher nur gegenüber Gott selbst praktiziert, aber nicht vor einem Beichtvater. Diese geistliche Übung ist mir bewusst geworden, weil ich vor kurzem selbst überraschenderweise zu einem Beichtvater wurde und dann ganz im Sinne von Luther die Zusage der Sündenvergebung ausgesprochen habe.
Die biblischen Bezugstexte für die Beichte vor Gott sind an erster Stelle die sogenannten Bußpsalmen Psalm 6, 32, 38, 51, 130 und 143, unter denen besonders Psalm 51 hervorragt.
Ein wichtiger biblischer Bezugstext für die Beichte vor einem anderen Gläubigen ist Jakobus 5,16: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr gesund werdet."
Beichte im Sinne des Evangeliums ist keine Leistung, auch keine Selbsterniedrigung, sondern eine ehrliche, authentische Auseinandersetzung mit den zerstörerischen Anteilen des eigenen Seelenlebens (die das Verhalten negativ prägen und einem selbst und anderen Schaden zufügen).
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Mittwoch, 4. November 2009
Freitag, 9. Oktober 2009
Geistliche Übungen (12): Gastfreundschaft und Spenden
"Eine weise Frau reiste durch die Berge. Eines Tages fand sie dort in einem Bachlauf einen sehr wertvollen Stein. Am nächsten Tag traf sie einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in der Tasche. 'Gib mir den Stein' sagte er. Die Frau reichte dem Mann ohne jedes Zögern den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte. Einige Tage später kam der Mann jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder: 'Ich habe nachgedacht', sagte er. 'Ich weiß, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück. Das tue ich in der Hoffnung, dass du mir etwas viel Wertvolleres dafür schenken kannst. Bitte gib mir etwas von dem, was es dir möglich machte, mir diesen Stein zu schenken.'"
Wieviel von meinem Geld und meinem Besitz kann ich abgeben? Egozentrik zeigt sich sehr deutlich an der Fähigkeit, für sich selbst zu sparen und die schönsten Dinge sich selbst zu kaufen. Mein Besitz, das bin ich und das ist für mich! Das Haben-Denken zeigt sich in dem inneren Überzeugtsein, immer zu wenig zu haben, neidisch sein zu müssen auf andere und an einer Welt zu leiden, die einem ein ungerechtes finanzielles Schicksal zugeteilt hat. „Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen“ (1. Timotheus 6,10).
Aber loslassen, abgeben, spenden und teilen muss gar nicht so schmerzlich sein. Im Gegenteil. Geld und Liebe können durchaus zusammengehen: Ohne Geld keine Gastfreundschaft und gute Bewirtung der Gäste. Mit Geld kann man sich zwar Liebe nicht kaufen, aber man pflegt sie damit. Von Jesus wird der lebenskluge Spruch überliefert: „Nutzt das leidige Geld dazu, durch Wohltaten Freunde zu gewinnen“ (Lukas 16,9). Wie schön ist es für Kinder, wenn sie großzügige Eltern haben, die sie gut versorgen (aber nicht verwöhnen). Wie freut sich eine Kirchengemeinde über großzügige und regelmäßige Spender. Unzählige humanitäre und soziale Projekte könnten ohne die Gebefreudigkeit von Spendern nicht erfolgreich sein. Auch Freundschaften vertiefen sich durch die gegenseitige Großzügigkeit und Gastfreundschaft. Geschenke machen übrigens nicht nur den Beschenkten Freude, sondern auch den Schenkenden. Menschen, die gerne geben, sparen, um freigiebig sein zu können.
Paulus motivierte seine Gemeinden zum Spenden mit dem Beispiel von Christus, der alles gab, um die Menschen reich zu machen: „Ihr wisst ja, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe für euch getan hat. Er war reich und wurde für euch arm; denn er wollte euch durch seine Armut reich machen“ (2. Korinther 8,9).
Wieviel von meinem Geld und meinem Besitz kann ich abgeben? Egozentrik zeigt sich sehr deutlich an der Fähigkeit, für sich selbst zu sparen und die schönsten Dinge sich selbst zu kaufen. Mein Besitz, das bin ich und das ist für mich! Das Haben-Denken zeigt sich in dem inneren Überzeugtsein, immer zu wenig zu haben, neidisch sein zu müssen auf andere und an einer Welt zu leiden, die einem ein ungerechtes finanzielles Schicksal zugeteilt hat. „Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen“ (1. Timotheus 6,10).
Aber loslassen, abgeben, spenden und teilen muss gar nicht so schmerzlich sein. Im Gegenteil. Geld und Liebe können durchaus zusammengehen: Ohne Geld keine Gastfreundschaft und gute Bewirtung der Gäste. Mit Geld kann man sich zwar Liebe nicht kaufen, aber man pflegt sie damit. Von Jesus wird der lebenskluge Spruch überliefert: „Nutzt das leidige Geld dazu, durch Wohltaten Freunde zu gewinnen“ (Lukas 16,9). Wie schön ist es für Kinder, wenn sie großzügige Eltern haben, die sie gut versorgen (aber nicht verwöhnen). Wie freut sich eine Kirchengemeinde über großzügige und regelmäßige Spender. Unzählige humanitäre und soziale Projekte könnten ohne die Gebefreudigkeit von Spendern nicht erfolgreich sein. Auch Freundschaften vertiefen sich durch die gegenseitige Großzügigkeit und Gastfreundschaft. Geschenke machen übrigens nicht nur den Beschenkten Freude, sondern auch den Schenkenden. Menschen, die gerne geben, sparen, um freigiebig sein zu können.
Paulus motivierte seine Gemeinden zum Spenden mit dem Beispiel von Christus, der alles gab, um die Menschen reich zu machen: „Ihr wisst ja, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe für euch getan hat. Er war reich und wurde für euch arm; denn er wollte euch durch seine Armut reich machen“ (2. Korinther 8,9).
Mittwoch, 9. September 2009
Geistliche Übungen (11): Das erfahrungsbezogene Gespräch über einen Bibeltext
Es kann eine tiefe spirituelle Erfahrung sein, sich mit einer Gruppe von Menschen über einen Bibeltext oder ein theologisches Thema auszutauschen. Eine Frage oder eine These wird vom Gesprächsleiter in den Raum gestellt. Die Teilnehmer beginnen nachzudenken und sich mitzuteilen. Die ersten Beiträge lösen weitere Einfälle aus. Äußerungen werden aufgegriffen, variiert, ergänzt, bezweifelt oder bestätigt. So entsteht eine besondere Kreativität. Wenn eine Vielzahl von Teilnehmern sich mitteilt, dann begegnen sich ganz individuelle religiöse Perspektiven, Lebenserfahrungen und Erkenntnisstände. Diese Vielfalt wird dann als Geschenk des Geistes Gottes erlebt, wenn der Austausch in einer offenen und annehmenden Atmosphäre stattfindet. Beiträge werden dann nicht abgewertet, sondern stehen gelassen. Vielleicht wird auch nachgefragt, und es kommt zu einer tiefen Verständigung und gegenseitigen Annahme. Sorgen, die ein Teilnehmer mit sich herumträgt, können ernst genommen werden. Unkonventionelle, vielleicht auch wagemutige theologische Gedanken werden mit Interesse und Wohlwollen aufgenommen.
Christen treffen sich gerne in kleinen Gruppen zu Hause, um dies zu erleben („Hauskreise“). Manche Freikirchen haben diese geistliche Übung sogar in den Gottesdienst integriert ("Bibelschule"). Sie entspricht in besonderer Weise dem Evangelium, weil das Evangelium davon lebt, dass es als Zuspruch und Ermunterung untereinander ausgetauscht wird. Das Gespräch ist auch partnerschaftlicher als eine Ansprache und spiegelt so den familiären und freundschaftlichen Charakter christlichen Glaubens wider. Was wären wir ohne die Erkenntnisse der anderen. Wir brauchen das Gespräch, um unsere eigenen Wahrnehmungen zu relativieren. Wir erfahren Wahrheit als Begegnung.
Christen treffen sich gerne in kleinen Gruppen zu Hause, um dies zu erleben („Hauskreise“). Manche Freikirchen haben diese geistliche Übung sogar in den Gottesdienst integriert ("Bibelschule"). Sie entspricht in besonderer Weise dem Evangelium, weil das Evangelium davon lebt, dass es als Zuspruch und Ermunterung untereinander ausgetauscht wird. Das Gespräch ist auch partnerschaftlicher als eine Ansprache und spiegelt so den familiären und freundschaftlichen Charakter christlichen Glaubens wider. Was wären wir ohne die Erkenntnisse der anderen. Wir brauchen das Gespräch, um unsere eigenen Wahrnehmungen zu relativieren. Wir erfahren Wahrheit als Begegnung.
Dienstag, 8. September 2009
Geistliche Übungen (10): Stille erleben
Ich liebe Stille, vor allem wenn ich schlafen möchte. Aber Stille am Tag suchen, während ich wach bin? Oft hülle ich mich in den Sound von Musik ein, die mir gefällt, mich anregt, anstrengende Arbeiten leichter von der Hand gehen läßt. Aber Stille suchen als geistliche Übung? Ich möchte in dieser Hinsicht von Ludger Ägidius Schulte lernen (Mut zur Stille - eine vergessene Lebenshaltung, in: Geist und Leben 2/2006, 140-151)
"Stille ist das Wiedergewinnen von Grundhaltungen. Grundhaltungen leben von Grunderfahrungen, der Grund aber legt sich in der Stille frei." (S. 145)
"...ohne das Wagnis des Alleinseins, ja auch der Einsamkeit werden wir diese tragende Mitte nicht berühren."( S. 145)
"Die Stille ist der Ort, an dem das alte Ich stirbt und das neue Ich geboren wird; der Ort, wo der neue Mann, die neue Frau in Erscheinung tritt. Dann aber ist sie Frieden, Erfüllung, Sabbat, Glück, Freude, sich verschenkende Aufmerksamkeit, Ruhen an der Wurzel und Gehen aus der Kraft des Grundes." (S. 148)
"Alle Versuche, Gott in der Stille entgegenzugehen, sind geborgen in der Verheißung des Propheten Zefanja: 'Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte .... Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag (3,17)." (S. 151)
"Stille ist das Wiedergewinnen von Grundhaltungen. Grundhaltungen leben von Grunderfahrungen, der Grund aber legt sich in der Stille frei." (S. 145)
"...ohne das Wagnis des Alleinseins, ja auch der Einsamkeit werden wir diese tragende Mitte nicht berühren."( S. 145)
"Die Stille ist der Ort, an dem das alte Ich stirbt und das neue Ich geboren wird; der Ort, wo der neue Mann, die neue Frau in Erscheinung tritt. Dann aber ist sie Frieden, Erfüllung, Sabbat, Glück, Freude, sich verschenkende Aufmerksamkeit, Ruhen an der Wurzel und Gehen aus der Kraft des Grundes." (S. 148)
"Alle Versuche, Gott in der Stille entgegenzugehen, sind geborgen in der Verheißung des Propheten Zefanja: 'Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte .... Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag (3,17)." (S. 151)
Montag, 7. September 2009
Geistliche Übungen (9): Glauben - die eigene Mitte in Christus finden
Die Besinnung auf das Zentrum des christlichen Glaubens hilft mir immer wieder, meine Mitte zu finden, "Christus in mir", was zugleich bedeutet, dass ich "in Christus" bin, also meine Identität also auf etwas außerhalb von mir gründe (Theologen haben für diese besondere Identität die schön klingende Formulierung "ekzentrische Existenz" gefunden)
Das „Herz“ des Menschen kann als Existenz-Zentrum verstanden werden, in dem unser Wissen, Wollen und Gefühl zusammentreffen und gemeinsam eine Grundeinstellung zur Wirklichkeit bilden.
Dieses Innerste kann nun auch als „Leerstelle“ begriffen werden, die mit unterschiedlichen existentiellen „Symbolen“ gefüllt werden muss. Ein Liebespartner kann es z. B. sein: „Du allein bist in meinem Herzen, ich allein bin in deinem Herzen.“ Oder ganz im Gegenteil spiegelt sich das eigene Ich im Herzen; Psychoanalytiker sprechen dann von einer narzisstischen Ich-Zentrierung. Zur Erfahrung heutiger Menschen, Christen eingeschlossen, gehört oft die Frustration, gar keine innere Mitte finden zu können, sondern von einer existentiellen „Leere“ bedroht zu sein. Jochen Distelmeyer z.B. dichtet: „… Du schließt Deine Augen/um Dich zu beschützen/ Dir schwinden die Sinne/ ein Zerfall, kein Verschwinden/ Du stürzt und versteinerst/ und sinkst ohne Frage/ durch schlaflose Nächte/ in grundlose Tage/ … Du bist nur die Abschrift/ dessen was man dir vorschreibt/ ein Nichts ohne outfit/ sobald du es abstreifst/ zum Schweigen gebracht …“ (aus dem Gedicht „Eines Tages“, zu finden auf der CD „Old Nobody“ der Musikgruppe "Blumfeld", 1999). Der Logotherapeut Victor Frankl spricht in seinen Veröffentlichungen von „existentieller Frustration“, „abgründigem Sinnlosigkeitsgefühl“, „Leeregefühl“, „existentiellem Vakuum“, „dem Gefühl einer inneren Leere“.
Wenn ich dem Evangelium begegne, wenn ich es höre oder lese (in der Bibel oder bei Autoren, die es erläutern), dann weckt es einen Glauben in mir, der mich ganz auf Gott, auf Gott in Christus, ausrichtet. Mein Herz füllt sich im Glauben mit Gott selbst (mit seinem Geist), aber so, dass ich über mich selbst hinausblicke auf Gott, mich durch den Glauben "in Christus" weiß. In dieser Hinwendung zu Gott werde ich in einer ganz besonderen Weise "frei". Es geschieht eine heilsame Selbstdistanzierung. An die Stelle eigenmächtigen Hochmutes oder entmutigter Verzweiflung tritt der Glaube, tritt Jesus Christus selbst. Er wird meine innere Mitte, füllt mein Herz, schenkt mir eine "ekzentrische Existenz" (ich liebe diese Formulierung!).
Das „Herz“ des Menschen kann als Existenz-Zentrum verstanden werden, in dem unser Wissen, Wollen und Gefühl zusammentreffen und gemeinsam eine Grundeinstellung zur Wirklichkeit bilden.
Dieses Innerste kann nun auch als „Leerstelle“ begriffen werden, die mit unterschiedlichen existentiellen „Symbolen“ gefüllt werden muss. Ein Liebespartner kann es z. B. sein: „Du allein bist in meinem Herzen, ich allein bin in deinem Herzen.“ Oder ganz im Gegenteil spiegelt sich das eigene Ich im Herzen; Psychoanalytiker sprechen dann von einer narzisstischen Ich-Zentrierung. Zur Erfahrung heutiger Menschen, Christen eingeschlossen, gehört oft die Frustration, gar keine innere Mitte finden zu können, sondern von einer existentiellen „Leere“ bedroht zu sein. Jochen Distelmeyer z.B. dichtet: „… Du schließt Deine Augen/um Dich zu beschützen/ Dir schwinden die Sinne/ ein Zerfall, kein Verschwinden/ Du stürzt und versteinerst/ und sinkst ohne Frage/ durch schlaflose Nächte/ in grundlose Tage/ … Du bist nur die Abschrift/ dessen was man dir vorschreibt/ ein Nichts ohne outfit/ sobald du es abstreifst/ zum Schweigen gebracht …“ (aus dem Gedicht „Eines Tages“, zu finden auf der CD „Old Nobody“ der Musikgruppe "Blumfeld", 1999). Der Logotherapeut Victor Frankl spricht in seinen Veröffentlichungen von „existentieller Frustration“, „abgründigem Sinnlosigkeitsgefühl“, „Leeregefühl“, „existentiellem Vakuum“, „dem Gefühl einer inneren Leere“.
Wenn ich dem Evangelium begegne, wenn ich es höre oder lese (in der Bibel oder bei Autoren, die es erläutern), dann weckt es einen Glauben in mir, der mich ganz auf Gott, auf Gott in Christus, ausrichtet. Mein Herz füllt sich im Glauben mit Gott selbst (mit seinem Geist), aber so, dass ich über mich selbst hinausblicke auf Gott, mich durch den Glauben "in Christus" weiß. In dieser Hinwendung zu Gott werde ich in einer ganz besonderen Weise "frei". Es geschieht eine heilsame Selbstdistanzierung. An die Stelle eigenmächtigen Hochmutes oder entmutigter Verzweiflung tritt der Glaube, tritt Jesus Christus selbst. Er wird meine innere Mitte, füllt mein Herz, schenkt mir eine "ekzentrische Existenz" (ich liebe diese Formulierung!).
Donnerstag, 3. September 2009
Geistliche Übungen (8): Herzensgebet
Einatmen und innerlich dabei "Jesus Christus" sprechen.
Ausatmen und innerlich dabei "erbarme dich meiner" sprechen.
Einatmen kann symbolisch bedeuten: auftanken, Kraft bekommen, Stärke erfahren - durch Jesus Christus, das wahre Leben in mir, meine, deine tiefste Identität, Mitte des Herzens. Menschen und Dinge möglicherweise intensiver erleben, näher, befreiter, im Geist Christi.
Ausatmen kann bedeuten: loslassen, seufzen ("Ach"), weggeben.
Wer "erbarme dich meiner" spricht und sich dabei in Gefühlszuständen der Stärke, der Freude, des Glücks, des Stolzes, befindet, dann kann er oder sie sich davor schützen, sein oder ihr Ich zu sehr aufzublähen, dann kann er oder sie zu sich selbst befreiende Distanz gewinnen.
Wer "erbarme dich meiner" in Schwachheit, Traurigkeit, Mutlosigkeit oder Angst spricht, erbittet die stärkende Nähe Gottes und kann so ebenfalls befreiende Distanz zur entmutigenden Situation gewinnen.
Eine Übung, die zu mehr befreiter Nähe und zugleich zu mehr befreiender Distanz führt?
Ausatmen und innerlich dabei "erbarme dich meiner" sprechen.
Einatmen kann symbolisch bedeuten: auftanken, Kraft bekommen, Stärke erfahren - durch Jesus Christus, das wahre Leben in mir, meine, deine tiefste Identität, Mitte des Herzens. Menschen und Dinge möglicherweise intensiver erleben, näher, befreiter, im Geist Christi.
Ausatmen kann bedeuten: loslassen, seufzen ("Ach"), weggeben.
Wer "erbarme dich meiner" spricht und sich dabei in Gefühlszuständen der Stärke, der Freude, des Glücks, des Stolzes, befindet, dann kann er oder sie sich davor schützen, sein oder ihr Ich zu sehr aufzublähen, dann kann er oder sie zu sich selbst befreiende Distanz gewinnen.
Wer "erbarme dich meiner" in Schwachheit, Traurigkeit, Mutlosigkeit oder Angst spricht, erbittet die stärkende Nähe Gottes und kann so ebenfalls befreiende Distanz zur entmutigenden Situation gewinnen.
Eine Übung, die zu mehr befreiter Nähe und zugleich zu mehr befreiender Distanz führt?
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Sonntag, 30. August 2009
Geistliche Übungen (7): Natur erleben
Wir sind sinnliche Wesen. Das bewusste Erleben unserer sinnlichen Wahrnehmungen ist wichtig und schön. Es kann zu einer spirituellen Tätigkeit werden, ganz bei den Wahrnehmungen der Sinnesorgane zu sein, besonders in der Natur, die uns über uns selbst hinaushebt. Sie kann uns die Gegenwart des Göttlichen erschließen.
Viele Menschen suchen Orte auf, die eine „heilige“ Wirkung auf sie haben. Fast niemand kann sich der Andacht eines hohen Kirchenraumes entziehen; hier kann man zur Ruhe finden und in Kontakt mit tieferen Dimensionen des Lebens kommen. Mehr noch als menschliche Bauten können Wälder, Seen, Berge und Meere ergreifen.

Inspirierend können auch Quellen sein, ein Hain, ein alter Baum, ein hoher Wald, ein Berggipfel. Das sind dann Naturorte, die uns die Transzendenz erahnen lassen. Ich vergesse mich selbst, wenn ich mich in der „Einsfühlung“ mit der Natur voll auf das Erleben großer Natur einlasse. Ich gewinne Abstand zum Alltag, Distanz zu den täglichen Aufgaben und Verpflichtungen, die einem zu nah gerückt sind.
Das Glück eines Frühsommertages in der Natur beschreibt Goethe im „Mailied“ in wunderbarer Weise: „Wie herrlich leuchtet/ Mir die Natur!/ Wie glänzt die Sonne!/ Wie lacht die Flur!/ Es dringen Blüten/ Aus jedem Zweig/ Und tausend Stimmen/ aus dem Gesträuch/ Und Freud und Wonne/ Aus jeder Brust./ O Erd’, o Sonne,/ O Glück, o Lust/ O Lieb’, o Liebe...“
Inniges Naturerleben führt zur Erfahrung, dass ich nicht allein bin, sondern etwas ganz Tiefes mich mit allem zusammenhält. Ich bin ein Teil des Ganzen. Ich bin geborgen im Universum als Schöpfung Gottes. Das Universum ist nicht Gott selbst, aber er hat die Schöpfung so überdimensional erhaben geschaffen. Aus „Sternenstaub“ bestehe ich, die Ordnung des Kosmos mit seinen subatomaren Teilchen ist auch die Grundlage meines Lebens. Ich bestehe auch aus Atomen, Elementarteilchen, die sich in einer unvorstellbar komplexen Ordnung über chemische, biologische, psychische und soziale Prozesse zu dem bilden, was ich bin.
Ich sehe mich als Bruder oder Schwester nicht nur der Menschen, sondern auch der Tiere, der Pflanzen, der Steine und der Sterne. Sternenstaub bin ich, aber dies ist dann, wenn ich mich als Geschöpf verstehe, keine Vorstellung, die mich desillusioniert zurücklässt, sondern mir ein Sinnvertrauen in die Welt gibt, zu der ich gehöre. Die Natur erschließt mir ein Bewusstsein, zu einer größeren, universellen Ordnung zu gehören.
Betrachtet man Landschaftsbilder von Caspar David Friedrich, spürt man sofort, wie die Landschaft den Betrachter in eine andächtige Stimmung versetzt. Die Natur wird zur Offenbarung dessen, was mehr ist als die Natur – Gott. Eines der Bilder Friedrichs trägt nicht zufällig den Titel "Der Mönch am Meer". Einsam, ja winzig, verglichen mit der unendlichen Weite des Himmels steht an der Spitze der Küste ein Mönch, versunken in der andächtigen Betrachtung des Alls. Ist das nicht ein Erlebnis, das wir kennen und das wir immer wieder suchen, nicht zuletzt auch auf Reisen in großartige Landschaften?
Viele Menschen suchen Orte auf, die eine „heilige“ Wirkung auf sie haben. Fast niemand kann sich der Andacht eines hohen Kirchenraumes entziehen; hier kann man zur Ruhe finden und in Kontakt mit tieferen Dimensionen des Lebens kommen. Mehr noch als menschliche Bauten können Wälder, Seen, Berge und Meere ergreifen.
Inspirierend können auch Quellen sein, ein Hain, ein alter Baum, ein hoher Wald, ein Berggipfel. Das sind dann Naturorte, die uns die Transzendenz erahnen lassen. Ich vergesse mich selbst, wenn ich mich in der „Einsfühlung“ mit der Natur voll auf das Erleben großer Natur einlasse. Ich gewinne Abstand zum Alltag, Distanz zu den täglichen Aufgaben und Verpflichtungen, die einem zu nah gerückt sind.
Das Glück eines Frühsommertages in der Natur beschreibt Goethe im „Mailied“ in wunderbarer Weise: „Wie herrlich leuchtet/ Mir die Natur!/ Wie glänzt die Sonne!/ Wie lacht die Flur!/ Es dringen Blüten/ Aus jedem Zweig/ Und tausend Stimmen/ aus dem Gesträuch/ Und Freud und Wonne/ Aus jeder Brust./ O Erd’, o Sonne,/ O Glück, o Lust/ O Lieb’, o Liebe...“
Inniges Naturerleben führt zur Erfahrung, dass ich nicht allein bin, sondern etwas ganz Tiefes mich mit allem zusammenhält. Ich bin ein Teil des Ganzen. Ich bin geborgen im Universum als Schöpfung Gottes. Das Universum ist nicht Gott selbst, aber er hat die Schöpfung so überdimensional erhaben geschaffen. Aus „Sternenstaub“ bestehe ich, die Ordnung des Kosmos mit seinen subatomaren Teilchen ist auch die Grundlage meines Lebens. Ich bestehe auch aus Atomen, Elementarteilchen, die sich in einer unvorstellbar komplexen Ordnung über chemische, biologische, psychische und soziale Prozesse zu dem bilden, was ich bin.
Ich sehe mich als Bruder oder Schwester nicht nur der Menschen, sondern auch der Tiere, der Pflanzen, der Steine und der Sterne. Sternenstaub bin ich, aber dies ist dann, wenn ich mich als Geschöpf verstehe, keine Vorstellung, die mich desillusioniert zurücklässt, sondern mir ein Sinnvertrauen in die Welt gibt, zu der ich gehöre. Die Natur erschließt mir ein Bewusstsein, zu einer größeren, universellen Ordnung zu gehören.
Betrachtet man Landschaftsbilder von Caspar David Friedrich, spürt man sofort, wie die Landschaft den Betrachter in eine andächtige Stimmung versetzt. Die Natur wird zur Offenbarung dessen, was mehr ist als die Natur – Gott. Eines der Bilder Friedrichs trägt nicht zufällig den Titel "Der Mönch am Meer". Einsam, ja winzig, verglichen mit der unendlichen Weite des Himmels steht an der Spitze der Küste ein Mönch, versunken in der andächtigen Betrachtung des Alls. Ist das nicht ein Erlebnis, das wir kennen und das wir immer wieder suchen, nicht zuletzt auch auf Reisen in großartige Landschaften?
Dienstag, 18. August 2009
Geistliche Übungen (6): Lektüre biblischer Texte
Das Studium biblischer Texte ist einer der intensivsten Wege, Gott zu erfahren. Es ist wirklich ganz einfach. Ich greife zu einer Bibel und lese – einen Vers, ein Kapitel, oder ein ganzes biblisches Buch. Das Geheimnis ist, dass ich voraussetzungslos an die Lektüre herangehen kann. Es ist nicht notwendig, eine bestimmte Einstellung zu den Texten zu haben, weil diese Texte selbst die Kraft haben können, uns in eine neue Sichtweise hineinzuversetzen. Darum ist es auch gleichgültig, ob man mit einer verstandesmäßig kritisch-analytischen Haltung, oder mit einer ehrerbietigen Einstellung liest. Die Frustration, dass die gelesenen Bibelverse „mir nichts sagen“, kann sich in jedem Fall zunächst einmal einstellen. Diese Texte sind immerhin 2000–3000 Jahre alt und in kulturelle, politische wie soziale Situationen hineingeschrieben worden, die uns nicht mehr vertraut sind. Es gibt so viele Gründe, diese Texte „schwierig“ zu finden. Die „Fremdheit“ der Texte ist aber geradezu ihre Stärke, weil sie uns von uns selbst, von dem, was uns vertraut ist, wegführen und dabei zur Selbstrelativierung des Lesers beitragen. Bei andauernder, regelmäßiger Lektüre – auch verschiedener Bibelübersetzungen – beginnen die Texte dann vertrauter zu werden: eine bestimmte Aussage, ein besonderes Bild, ein tröstender Zuspruch, eine wichtige Mahnung, eine neue Gotteserkenntnis erschließen sich, ergänzen einander – die Worte gewinnen mit einem Male an Farbe und Lebendigkeit. In Fahrt gekommen, ist es ein Leichtes, weiterzulesen, zu vergleichen und Texte miteinander in Beziehung zu setzen. Persönliche Schlüsseltexte werden entdeckt, die man immer wieder gerne liest, weil sie Tiefenschichten in der Seele zum Klingen bringen – der Geist Gottes erweckt unsere Vernunft, die Gottes Wort im Menschenwort der Texte entdeckt und so zum „Brot des Lebens“ werden kann.
Dienstag, 11. August 2009
Geistliche Übungen (5): Zuhören
Das Buch „Momo“ von Michael Ende hat nicht zuletzt darum einen so großen Erfolg gehabt und viele Menschen angerührt, weil Momo in ausgezeichneter Weise die Gabe des Zuhörens besaß. Oft hörte sie einfach nur wohltuend zu. Wer zuhört, ist beim anderen, nicht bei sich selbst. Er tritt ein in die Welt des anderen. Viele Menschen, die sich unterhalten, können oder wollen dies nicht; sie hören einander gar nicht richtig zu. Sie nehmen nur diejenigen Äußerungen des anderen auf, an denen sie eigene Gedanken anknüpfen können. Wenn beide dies gleichzeitig tun, dann hüpfen sie von einem Thema zu anderen. Sie praktizieren Small-Talk, der vielleicht ganz unterhaltsam ist, aber keine von beiden hat der anderen wirklich ihr Ohr geschenkt. Es ist eine seltene, aber dann oft umwerfende Erfahrung, wenn jemand tatsächlich ganz zuhört, sich völlig auf sein Gegenüber einstellt und echtes Interesse für dessen Welt zeigt. Es ist ein Geschenk, dies erleben zu können. Man kann es nicht erzwingen, außer man leistet sich einen Therapeuten, der darauf spezialisiert ist.
Solche Menschen können „Aktiv zuhören“, das „einfühlende Verstehen“ (Empathie) praktizieren. Wenn ich „ganz Ohr“ bin, dann vergesse ich mich in dieser Zeit selbst, schenke mich dem anderen und bereite ihm das, was so wertvoll ist: verstehende Liebe. Das zu erleben, kann eine sehr tiefe Gotteserfahrung sein. Keine Freundschaft und keine Partnerschaft, die wirklich befriedigend erlebt wird, wenn sich die Freunde oder Freundinnen, die Partner nicht gegenseitig durch Zuhören beschenken. Richtig praktiziert sieht das dann so aus, dass es nicht zum Zwiegespräch kommt, sondern einer ganz die Rolle des Hörenden einnimmt und der andere ganz in der Rolle des Sprechenden sein darf. Ein anderes Mal werden dann die Rollen getauscht.
Solche Menschen können „Aktiv zuhören“, das „einfühlende Verstehen“ (Empathie) praktizieren. Wenn ich „ganz Ohr“ bin, dann vergesse ich mich in dieser Zeit selbst, schenke mich dem anderen und bereite ihm das, was so wertvoll ist: verstehende Liebe. Das zu erleben, kann eine sehr tiefe Gotteserfahrung sein. Keine Freundschaft und keine Partnerschaft, die wirklich befriedigend erlebt wird, wenn sich die Freunde oder Freundinnen, die Partner nicht gegenseitig durch Zuhören beschenken. Richtig praktiziert sieht das dann so aus, dass es nicht zum Zwiegespräch kommt, sondern einer ganz die Rolle des Hörenden einnimmt und der andere ganz in der Rolle des Sprechenden sein darf. Ein anderes Mal werden dann die Rollen getauscht.
Samstag, 8. August 2009
Geistliche Übungen (4): Zuspruch hören
Die klassische Formulierung "Geistliche Übungen" für Praktiken spirituellen Lebens suggeriert, dass man etwas tun muss, sich anstrengen muss, wie sich das für eine Übung gehört. Üben tut man in der Schule, beim Musikinstrument spielen, im Sport ("Turnübung"). Kann man auch etwas Unanstrengendes in spiritueller Hinsicht tun? Ja, das ist gerade die evangelische frohe Botschaft. Nämlich Zuspruch hören, sich von Gott etwas Gutes sagen lassen, was tröstend und entlastend ist. Das kann in jeder Situation etwas anderes sein. Such Dir aus, welcher Zuspruch von Gott dir gut tut (darunter sind auch Sätze, die ich gerade brauche):
Du hast genug getan!
Du bist einzigartig!
Sei, der/die du bist!
Du wirst es schaffen!
Du kannst etwas verändern!
Du musst nichts verändern!
Dein Leben ist bis heute schon reich und erfüllt!
Deine Schuld ist dir vergeben!
Ich freue mich über die Gaben und Fähigkeiten, die du lebst und pflegst!
Ich liebe dich!
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!
Ich freue mich, dass du zu mir nach Hause gekommen bist!
Du bist frei!
Ich trage dich, auch wenn du es nicht fühlst!
....
Was könnte noch ein Zuspruch sein?
(Post angeregt durch eine Predigt von Michael)
Du hast genug getan!
Du bist einzigartig!
Sei, der/die du bist!
Du wirst es schaffen!
Du kannst etwas verändern!
Du musst nichts verändern!
Dein Leben ist bis heute schon reich und erfüllt!
Deine Schuld ist dir vergeben!
Ich freue mich über die Gaben und Fähigkeiten, die du lebst und pflegst!
Ich liebe dich!
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!
Ich freue mich, dass du zu mir nach Hause gekommen bist!
Du bist frei!
Ich trage dich, auch wenn du es nicht fühlst!
....
Was könnte noch ein Zuspruch sein?
(Post angeregt durch eine Predigt von Michael)
Montag, 3. August 2009
Geistliche Übungen (3): Achtung zeigen
Viel soziales Gift entsteht dadurch, dass wir die negativen Eindrücke, die wir von anderen gewonnen haben, als Vorurteile pflegen und hegen und gerne als Gerüchte in Klatschrunden weiterverbreiten. Wir werten uns auf, indem wir andere abwerten. Oft beruhen unsere negativen Einschätzungen aber auf reinen Missverständnissen. Nicht selten schämen wir uns vor uns selbst, wenn wir uns dabei ertappen, falschen Eindrücken oder Informationen aufgesessen zu sein. Natürlich sind wir nicht nur Täter, sondern oft auch Opfer von Gerüchten und Unterstellungen, von denen wir wissen, dass sie so überhaupt nicht zutreffen. Seltsam nur, dass wir aus solchen Widerfahrnissen nicht den Schluss ziehen, dass unser Gerede über andere eben auch nicht gerade zuverlässiger ist.
Das Gegengift ist die Fähigkeit, Klatsch möglichst zu unterlassen und Gerüchten auf den Grund zu gehen, indem man z.B. sich selbst ein Bild von der Sache macht. Ein kurzes Gespräch mit der betreffenden Person kann da Wunder wirken. Der Sachverhalt stellt sich für uns nun schon anders da. Es gehört nicht viel Mut dazu, diesen Schritt zu gehen und doch wird er so oft unterlassen. Wir geben damit dem anderen die Chance, seine Würde zu behalten. Mit diesem Schritt zeigen wir, dass uns die Achtung des anderen wichtiger ist als der Genuss, ihn abzuwerten. Die Übung der Achtung vertieft sich, wenn wir uns grundsätzlich immer wieder daran erinnern – mehrmals am Tag –, in unserem Erleben und mit unserem Handeln die Würde der anderen zu mehren und nicht zu verringern. „Derjenige Mensch hat den höchsten Wert, in dessen Nähe andere an Wert gewinnen.“
Das Gegengift ist die Fähigkeit, Klatsch möglichst zu unterlassen und Gerüchten auf den Grund zu gehen, indem man z.B. sich selbst ein Bild von der Sache macht. Ein kurzes Gespräch mit der betreffenden Person kann da Wunder wirken. Der Sachverhalt stellt sich für uns nun schon anders da. Es gehört nicht viel Mut dazu, diesen Schritt zu gehen und doch wird er so oft unterlassen. Wir geben damit dem anderen die Chance, seine Würde zu behalten. Mit diesem Schritt zeigen wir, dass uns die Achtung des anderen wichtiger ist als der Genuss, ihn abzuwerten. Die Übung der Achtung vertieft sich, wenn wir uns grundsätzlich immer wieder daran erinnern – mehrmals am Tag –, in unserem Erleben und mit unserem Handeln die Würde der anderen zu mehren und nicht zu verringern. „Derjenige Mensch hat den höchsten Wert, in dessen Nähe andere an Wert gewinnen.“
Samstag, 1. August 2009
Geistliche Übungen (2): Gelassenheit
Es lohnt sich äußerst selten, sich vor anderen aufzuregen und seinen Emotionen aus Ärger freien Lauf zu lassen. Es kann die Anwesenden düpieren, es kann anderen peinlich sein, und man selbst gewinnt auch nicht gerade an Ansehen. Negative Gefühle unterdrücken, um sich anzupassen und nicht negativ aufzufallen, ist jedoch keine Alternative, weil sich dann die Aggressionen gegen sich selbst richten.
Gelassenheit hat etwas mit der Fähigkeit zur Distanznahme zu tun. Ich sehe meine Erwartungen und Ansprüche, aber auch das Erleben und Handeln der Menschen um mich herum mit Abstand. Gelassenheit ist allerdings keineswegs Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit oder ein Sich-Heraushalten. Im Gegenteil: Ich nehme Anteil, erlebe meine Gefühle und mische mich ein. Aber ich verliere mich nicht darin. Ich gehe nicht in meinen Gefühlen, z.B. in meiner Wut, in meinem Neid, in meinem Verletztsein durch andere auf, sondern schaue sie mir in dem Augenblick, in dem sie auftauchen, unmittelbar an, um sie zu betrachten und dabei zu ihnen Abstand zu gewinnen. Das ist darum so schwer, weil wir zu dieser Distanz leider oft erst Minuten, Stunden oder gar Tage später fähig sind - mir jedenfalls geht es oft so und ich wünschte mir in dieser Hinsicht mehr "Geistesgegenwart". Denn ist eine lange Zeit, in denen wir aufgewühlt und innerlich zerfahren vor uns hin vegetieren und nicht "zur Besinnung kommen."
Ich beginne also den Tag mit einer Haltung, in der ich die Schwierigkeiten, die der Tag unweigerlich mit sich bringen wird, in gelassener Haltung auf mich zukommen lasse. Wie geht das? Ich wiederhole z.B. in Gedanken den Satz: "Ich will heute gelassen bleiben, den Humor behalten und nichts zu nahe an mich herankommen lassen." Immer wieder läßt man dieses Vorhaben im Bewusstsein präsent werden. Den ganzen Tag lang. Es ist eine schöne Form von Geistesgegenwart, wenn man nicht ständig mit seinen negativen Gefühlen beschäftigt ist und sie an anderen auslässt, sondern von Gottes Perspektive her das eigene Erleben und Handeln wie das der anderen mit humorvoller Gelassenheit beobachten kann. Nicht nur wir selbst gewinnen dabei, sondern auch die Menschen, die uns ausgesetzt sind. Die Gelassenheit kann von einer Heiterkeit begleitet sein, die in der Freude des Glaubens gründet. Vom Evangelium her gilt das Wort: "Die Weisheit von oben ist zuerst heilig, dann friedlich, gütig/freundlich, läßt sich etwas sagen, ist reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften." (Jakobus 3,17-18)
Gelassenheit hat etwas mit der Fähigkeit zur Distanznahme zu tun. Ich sehe meine Erwartungen und Ansprüche, aber auch das Erleben und Handeln der Menschen um mich herum mit Abstand. Gelassenheit ist allerdings keineswegs Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit oder ein Sich-Heraushalten. Im Gegenteil: Ich nehme Anteil, erlebe meine Gefühle und mische mich ein. Aber ich verliere mich nicht darin. Ich gehe nicht in meinen Gefühlen, z.B. in meiner Wut, in meinem Neid, in meinem Verletztsein durch andere auf, sondern schaue sie mir in dem Augenblick, in dem sie auftauchen, unmittelbar an, um sie zu betrachten und dabei zu ihnen Abstand zu gewinnen. Das ist darum so schwer, weil wir zu dieser Distanz leider oft erst Minuten, Stunden oder gar Tage später fähig sind - mir jedenfalls geht es oft so und ich wünschte mir in dieser Hinsicht mehr "Geistesgegenwart". Denn ist eine lange Zeit, in denen wir aufgewühlt und innerlich zerfahren vor uns hin vegetieren und nicht "zur Besinnung kommen."
Ich beginne also den Tag mit einer Haltung, in der ich die Schwierigkeiten, die der Tag unweigerlich mit sich bringen wird, in gelassener Haltung auf mich zukommen lasse. Wie geht das? Ich wiederhole z.B. in Gedanken den Satz: "Ich will heute gelassen bleiben, den Humor behalten und nichts zu nahe an mich herankommen lassen." Immer wieder läßt man dieses Vorhaben im Bewusstsein präsent werden. Den ganzen Tag lang. Es ist eine schöne Form von Geistesgegenwart, wenn man nicht ständig mit seinen negativen Gefühlen beschäftigt ist und sie an anderen auslässt, sondern von Gottes Perspektive her das eigene Erleben und Handeln wie das der anderen mit humorvoller Gelassenheit beobachten kann. Nicht nur wir selbst gewinnen dabei, sondern auch die Menschen, die uns ausgesetzt sind. Die Gelassenheit kann von einer Heiterkeit begleitet sein, die in der Freude des Glaubens gründet. Vom Evangelium her gilt das Wort: "Die Weisheit von oben ist zuerst heilig, dann friedlich, gütig/freundlich, läßt sich etwas sagen, ist reich an Erbarmen und guten Früchten, sie ist unparteiisch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften." (Jakobus 3,17-18)
Donnerstag, 30. Juli 2009
Geistliche Übungen (1): In Christus sein
Ich mache mir bewußt, dass ich meine tiefste Identität in der Gemeinschaft mit Jesus Christus habe, mache mir klar, dass ich „in ihm“ ein neuer Mensch geworden bin. Dabei erlebe ich GlaubensBildung. Denn in dieser Begegnung geschieht eine umfassende Aufklärung über mich selbst. Was ist damit gemeint? Es geht um eine Gemeinschaft mit Gott, die eine heilsame Selbstüberschreitung schenkt. Im Glauben an Jesus Christus werde ich fähig, zu mir selbst, zu meinen Bedürfnissen und Ansprüchen Distanz zu gewinnen. Ich sehe mich von Gottes Liebe und Menschenfreundlichkeit her. Wenn ich mich aber von Gott her sehe, habe ich Distanz zu mir gewonnen, die es mir ermöglicht, mich im rechten Maß zu sehen. Ich werde mich dann weder zu einem Star stilisieren, noch zu einem dahinvegetierenden „Nichts“. Gott schenkt mir eine Beobachtungsperspektive, durch die ich das rechte Maß für meine Freundschaften und Beziehungen, für meinen Umgang mit Erfolg und Misserfolg, mit Besitz und Verlust finde. An nichts muss ich mich völlig hängen. Ich kann mitten im Leben stehen, in der Spannung zwischen Zwängen und Selbstbestimmung, und versuche dabei, von der Perspektive Gottes her zu denken, zu fühlen und zu handeln. Durch diese Außenperspektive gewinne ich eine höhere Sensibilität für immer wieder auftauchende „Maßlosigkeiten“ in meinem Denken, Fühlen und Handeln. Wenn ich erkenne, dass ich an mir leide und andere an mir leiden, weil ich misstrauisch oder neidisch, oder verzweifelt, oder gierig, oder rachgierig, oder besserwisserisch, oder geizig, oder opportunistisch, oder arrogant, oder feige, oder fahrlässig bin, dann hilft der Glaube, wieder ins Gleichgewicht zu kommen – vor allem auch dadurch, dass Gott zuspricht: Du bist fähig, zu lieben, zu gönnen, zu vertrauen, zu hoffen, zu geben, zu verzeihen und beständig, mutig, zuverlässig, fest, klar, langmütig zu sein.
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