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Freitag, 22. Februar 2013

Christliche Freiheit 3 - Jesus von Nazareth


Jesus von Nazareth greift diese Verheißung auf und sieht sie in seinem Wirken sichtbar werden. Er hat einen genauen Blick für die bedrückenden Zustände in Palästina. Er sieht die große Armut, in der die Mehrheit der Bevölkerung lebt. Er sieht auf den Gassen und außerhalb der Dörfer die Kranken, die Besessenen, die Weinenden, die Trauernden, die Hungrigen. Er sieht ein Festhalten an falschen Sicherheiten: Er sieht unermesslichen Reichtum, satte und zufriedene Menschen, die das Leid ausblenden und mit sich rundum zufrieden sind und allein darum besorgt, ihren Besitz nicht zu verlieren. Er sieht die Gewalt der Mächtigen, die unter allen Umständen an ihrer Macht festhalten wollen und danach streben, Erster zu sein. Er sieht Fromme, die den Leidenden ihr Leid als Folge von Sünde zuschreiben und sonst darauf bedacht sind, minutiös Speise- und Reinigungsverordnungen einzuhalten, die im Laufe der Zeit den biblischen Regeln hinzugewachsen waren. Er sieht einen Tempel, der zu einem Handelsunternehmen verkommen ist. Jesus sieht einen tiefen Mangel an Barmherzigkeit und Solidarität. Er sieht eine Gesellschaft, in der Besitzende, Mächtige und Fromme nicht solidarische und damit befreiende Gemeinschaft schaffen, sondern tiefere Gräben zwischen die Menschen treiben.

In den Seligpreisungen stellt sich Jesus radikal auf die Seite der Armen, Hungernden und Leidenden. Er verspricht ihnen eine baldige Änderung ihrer Situation im Reich Gottes. (griech. basileia theou). Das Reich Gottes ist die Welt und Gesellschaft universaler Solidarität. In voller Kraft ist das Reich zwar noch eine zukünftige Größe (Mk 13,26–27), aber es bricht nach Jesus schon gegenwärtig an, vor allem auch in seinem eigenen Wirken. Jesus ist von der Grundgewissheit getragen, dass die heilvolle Gottesherrschaft nicht erst nach dem Weltgericht beginnt, sondern schon in die Gegenwart hineinreicht, gewissermaßen aus der Zukunft in die Gegenwart hineinspringt. Jesus verkündet: die Königsherrschaft Gottes ist im Anbruch. Den Gegenwartsaspekt des Reiches Gottes bindet Jesus an die heilenden und befreienden Erfahrungen, die Menschen in der Begegnung mit ihm machen, vor allem Kranke und Besessene. Jesus wendet sich als Befreier (Exorzist) immer wieder diesen fremdbestimmten, dem eigenen Ich verlustig gegangenen Menschen zu, um sie aus Gefangenschaft herauszuholen.

Die Spiritualität Jesu ist radikal auf Gottes Reich ausgerichtet und bezieht von dort her eine befreiende „Sorglosigkeit“. Das zukünftige Reich Gottes bestimmt für Jesus schon die Gegenwart: Und daher tritt an die Stelle irdischer Sorge um die eigene Zukunft das absolute Vertrauen in die Sorge des himmlischen Vaters. „Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr esst, noch um den Leib, was ihr anzieht! Denn das Leben ist mehr als die Nahrung, und der Leib mehr als die Kleidung. Blickt auf die Raben! Sie säen nicht, sie ernten nicht, noch haben sie eine Scheune. Aber Gott nährt sie doch. Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel! Also sorgt euch nicht: Was sollen wir essen, was  trinken, was anziehen? Nach dem allen trachten nämlich die Völker. Euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft. Sucht ihr nur seine Herrschaft, und dies wird euch hinzugegeben werden.“ (Auszüge aus Mt 6,25-34)

Jesus führte die Männer und Frauen vor die Frage: Wer bin ich angesichts der Gottesherrschaft? Einige rief er in besonderer Weise in seine Nähe und damit in die Nachfolge und Wanderschaft: „Folge mir nach!“ Jesus reißt sie aus traditionellen sozialen Verpflichtungen heraus:  „Folge mir nach und lass die Toten ihre Toten begraben!“ (Mt 8,22 par). An die Stelle bürgerlicher, dörflicher Traditionen tritt das Risiko, in der engen Gemeinschaft mit Jesus seinen Vater als barmherzigen Gott kennenzulernen, dessen Reich unmittelbar bevorsteht. Das bedeutet Konzentration auf die Gegenwart und das Zukünftige. In der Nähe Jesu, in der Nachfolge, lernen sie Barmherzigkeit und die Fähigkeit, die Ausgeschlossenen in ihre Gemeinschaft mit einzuschließen. Jesus lehrt sie, die in ihrer Gesellschaft Unscheinbaren zu sehen, die vielen chronisch Kranken, Tagelöhner, Frauen, die sich mit Prostitution über Wasser halten, Kinder mit ihren Müttern. Sie lernen glauben, d.h. an der Seite Jesu verzichten sie auf die üblichen Sicherheiten, um sich einer ungesicherten Freiheit im Vertrauen zum gütigen Vatergott zu stellen. Sie lassen sich auf das Abenteuer ein, die sich nahende „Gottesherrschaft“ zur alles bestimmenden Mitte ihrer Existenz werden zu lassen. Gerade auch Frauen konnte Jesus eine befreiende Anerkennung vermitteln, die sonst unüblich war. Man denke nur an Maria und Martha, Maria von Magdalena oder an die samaritanische Frau am Jakobsbrunnen.

Eine Quäkerweisheit bringt den spirituellen Lebensstil Jesu ziemlich gut auf den Punkt: „Grenzenlos glücklich, absolut furchtlos und immer in Schwierigkeiten.“ Jesus thematisierte in einigen Gleichnissen die Gefährlichkeit der von ihm gelebten Spiritualität, die ja in einem völlig ungesicherten Vertrauen auf Gottes Güte und Vorsorge gründete und dabei die bestehenden Machtstrukturen in Frage stellte. Er rechnete auch mit Verfolgung bin hin zum Martyrium, das er dann schließlich mit seinen Zeichenhandlungen in Jerusalem bewusst riskierte. Sein messianisches Wirken zielte nicht auf eine realpolitische Machtergreifung in Jerusalem, sondern darauf, dass Gott, sein Vater, rettend zum Heil der Welt eingreift. In Gewaltlosigkeit hat er dies bis zum demütigenden und entwürdigenden Tod am Kreuz – von den Römern als „Herren der Welt“ veranlasst – durchgehalten.

Gott hat seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern auferweckt und ihn zum wahren Herrn der Welt eingesetzt: das bezeugen die ersten Apostel, die ihn als Auferstandenen sahen. Ihr Evangelium lautet: In Jesu Geschick hat Gott tatsächlich rettend und befreiend eingegriffen. Gott war in Christus, er hat die Welt durch seinen Sohn mit sich selbst versöhnt, die Sünden vergeben und das Tor zum neuen, ewigen Leben geöffnet. Wer an Jesus und mit ihm verbunden an den barmherzigen Vater glaubt, gewinnt Anteil an Gottes neuer Schöpfung. Diese Wahrheit macht spirituell frei und so erklärt Jesus im Johannesevangelium den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Sie antworteten ihm: Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie sagst du: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave … Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein (Joh 8,31-36; vgl. dazu auch Röm 6,14 und Röm 8,2). Seiner Gemeinde spricht er zu: „Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.“ Der Vater liebt den Sohn. In diese Liebe wird die Gemeinde durch die Freundschaft Jesu hineingenommen. Sie kann somit die Wahrheit bezeugen: Gott ist die Liebe. Größte Gottesnähe und höchste Anerkennungserfahrung liegen hier ineinander.

Sonntag, 21. Februar 2010

Religionen im Vergleich

Liegt allen Religionen etwas Gemeinsames zugrunde? Mit einer Kollegin habe ich mich heute darüber ausgetauscht. Ja, denn alle Religionen bezeugen gegenüber materialistischen, naturalistischen, atheistischen Positionen, dass die Welt ohne Transzendenz nicht in ihrer Tiefe verstanden werden kann. Auch die Transzendenzerfahrung selbst, die Gnade, etwas vom Göttlichen zu spüren, zu Liebe und Kreativität hin verwandelt zu werden, ist vielen Religionen gemeinsam. Ich neige dennoch dazu, eher die Differenzen zu sehen. Ich nehme als Beispiel den Vergleich zwischen Buddhismus und Christentum.

Faszinierend sind aus der Ferne beide: der buddhistische und der christliche Weg zur spirituellen Erleuchtung. Sie sind beide außergewöhnlich in der Tiefgründigkeit ihrer Realitätsanalyse und in ihren Visionen, wie der Weg zur Erlösung gefunden werden kann. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach Erlösung und Befreiung. Gemeinsam ist ihnen die negative Einschätzung von Leiden und Gier. Gemeinsam ist ihnen die Idee, dass erleuchtete Menschen sich selbst zurücknehmen können, indem sie sich von ihrem Ego distanzieren können. Gemeinsam ist ihnen die Orientierung an einer zentralen Gründergestalt (Buddha, Jesus), die in einzigartiger Weise das Ideal gelebt hat. Gemeinsam ist ihnen ein Ethos der Rücksichtnahme, der Liebe und des Mitgefühls. Beide Wege haben sich in kritischer Auseinandersetzung mit einer ihr vorausgehenden Religion entwickelt (Hinduismus, Judentum) und bleiben dieser in vieler Hinsicht weiterhin verpflichtet (z.B. Karmakreislauf, Schöpfungsglaube). Beide sind ausgeprägt missionarische Religionen, die ihren Weg nicht im Verborgenen halten.

Bei näherem Hinsehen fallen dann doch markante Unterschiede auf. Es ist auf einige wichtige Differenzen aufmerksam zu machen. Buddha ist das Urbild des Erleuchteten, der unter dem Bodhibaum die „Leere“, aber nicht Gott entdeckt; Jesus ist Urbild des Gottvertrauens und mehr noch, Gott für uns, der den Menschen nahe ist und sein Schicksal mit dem der Menschen verbindet. Buddha ist das große Vorbild für den, der den Weg zur Erleuchtung geht; Jesus ist der Weg selbst, weil er das getan hat, was der Gläubige gerade nicht kann, nämlich den Tod überwinden und neues Leben schenken. Dem Buddhisten ist sein Ego nicht wichtig, weil er keiner Illusion nachlaufen will; der Christ tritt aus seinem Ego heraus, weil er sich selbst in Gott findet und in dieser Hingabe an Gott eine unangemessene Ichbezogenheit hinter sich läßt. Buddhisten suchen die große unaussprechliche Ruhe und Gelassenheit; Christen suchen den Frieden, die Freude und die Freiheit von religiösen Zwängen. Buddhisten nehmen ihre Zuflucht zur Gemeinschaft der Meditierenden, um sich gegenseitig auf dem Weg zur Erleuchtung beizustehen; Christen finden sich zu Gemeinden zusammen, weil sie so dem gemeinschaftlichen Gott entsprechen und als Leib Christi eine Gemeinschaft gegenseitiger Wertschätzung zu bilden versuchen, in der es keine Über- oder Unterordnungen geben soll. Buddhisten gehen einen konzentrierten, aber auch strengen Weg zur Erleuchtung in großer Gelassenheit; Christen wissen sich „in Christus“ am Ziel angekommen und wirken, von Heilsunsicherheit entlastet, aktiv und befreit in der Welt, um Recht und Barmherzigkeit zu mehren. Buddhisten suchen die illusionäre Welt des Samsara durch die Erleuchtung zu überwinden (Theravada-Buddismus) oder ganz anders wahrzunehmen (Mahayana-Buddhismus); Christen leben in einer Welt, die sie als von Sünde und Tod beeinträchtigte Schöpfung Gottes erleben, die aber durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi auf dem Weg zur endgültigen Erneuerung und Vollendung ist.

Dienstag, 16. Februar 2010

Die Erlösung durch Jesus als doppelte Befreiung

Albert Schweitzer war in Lambarene missionarisch aktiv und berichtet davon in seinem Buch "Zwischen Wasser und Urwald", erstmals 1921 erschienen. Schweitzer berichtet mit viel Respekt von der Religiositiät der "Eingeborenen", "Primitiven", wie er sie unreflektiert abwertend im Stil der Zeit bezeichnet:

"Das Historische an dem Christentum liegt dem Eingeborenen naturgemäß fern...Die Zeit zwischen Jesus und uns kann er nicht ermessen. Auch die Glaubenssätze, in denen ausgesprochen ist, auf welche Weise die Erlösung nach dem göttlichen Weltplan vorbereitet und verwirklicht worden sein soll, sind iihm nicht leicht begreiflich zu machen. Dafür aber hat er ein elementares Bewußtsein von der Erlösung als solcher. Das Christentum ist für ihn das Licht, das in die Finsternis der Angst scheint. Es versichert ihm, daß er nicht der Gewalt von Naturgeistern, Ahnengeistern und Fetischen ausgeliefert ist und daß kein Mensch unheimliche Macht über den andern besitzt, sondern daß in allem Geschehen nur der Wille Gottes waltet.

Ich lag in schweren Banden,
Du kommst und machst mich los.

Das Christentum ist ihm die von Jesus geoffenbarte moralische Anschauuung vom Leben und der Welt, die Lehre vom Reiche Gottes und der Gnade Gottes....Sowie er mit den höheren sittlichen Begriffen der Religion Jesu bekannt wird, kmmt etwas in ihm zur Sprache, das bisher stummm vorhanden gewesen war, und wird etwas entbunden, das bisher gebunden war.
Die Erlösung durch Jesus erfährt der Eingeborene also als eine doppele Befreiung. Aus der angstvollen kommt er zur angstlosen und aus der unethischen zur ethischen Weltanschauung.
Nie habe ich das Sieghaft-Elementare in den Gedanken Jesu so empfunden, als wenn ich in der großen Schulbaracke zu Lambarene, die als Kirche dient, den Eingeborenen die Bergpredigt und die Gleichnisse des Herrn und die Sprüche des Apostels Paulus von dem neuen Dasein, in dem wir wandeln, auslegen durfte."

Schweizter verweist hier auf zwei grundlegende Aspekte christlicher Spiritualität, die auch in unserer Gegenwart wesentlich sind: Befreiung von Angst und sittliche Orientierung. So einfach ist das.

Freitag, 5. Februar 2010

Jesus erzählt Gleichnisse

Zunächst ein Beispiel für die Verdeutlichung der Faszination des Reiches für Jesus, die freudige Überraschung auslöst:

„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ (Mt, 13,44-45)




Der Schatz und die Perle sind Bilder für einen zufälligen, ungeheuren Gewinn, mit dem nicht zu rechnen war. Sie sind das, wovon man nicht zu träumen wagte. Schatz und Perle strahlen Faszination und Schönheit aus, lösen spontan, aber auch nachhaltig Freude aus. Beide ziehen völlig in den Bann und bestimmen ab da an alle weiteren Verhaltensweisen, die aus der Sicht einen uninformierten Beobachters zunächst völlig unvernünftig erscheinen: Warum sollte man alles, was man hat, verkaufen? Alles andere aber verliert für den Finder aufgrund der wertvollen Attraktivität des Fundes an Bedeutung (vgl Phil 3,6-9). Das Reich Gottes ist für Jesus eine Erfahrung, zu der man nicht aufgrund von Druck oder Drohung hingezwungen, sondern zu dem man vielmehr aufgrund einer innewohnenden Attraktivität hingezogen wird und dann alles auf eine Karte setzt.

Jesus löst mit seinen Gleichnissen in sehr kreativer Weise unterschiedliche Fragen in Bezug auf seine Verkündigung des Reiches Gottes. Zu diesen gehören: Wie kann ich die einzigartige Faszination, den hohen Wert des Himmelreiches verdeutlichen (Der Schatz im Acker, Die wertvolle Perle)? Wie kann ich dazu motivieren, sich auf das herannahende Gottesreich kompromisslos einzulassen (Der ungerechte Richter)? Wie erkläre ich die freudige Zuwendung des himmlischen Vaters zu den Sündern (Der Vater und seine zwei Söhne, Das verlorene Schaf, Der verlorene Groschen, Der barmherzige Samariter)? Wie kann ich meine Zuversicht, dass diese Reich wirklich ist und sich verwirklichen wird, verdeutlichen (Gleichnis vom Sämann, Vom Senfkorn, Vom Sauereig, Von der selbstwachsenden Saat)? Wie lässt sich mit Hilfe von Vorgängen des alltäglichen Lebens die außeralltägliche Art und Weise veranschaulichen, in der das Reich Gottes Menschen in Anspruch nehmen will (Arbeiter im Weinberg)?

Was geschieht, wenn Jesus solche Geschichten erzählt? Stellt Jesus mit ihnen die Nähe Gottes und seines Reiches her? Wird das Reich Gottes in ihnen Gegenwart? Oder haben diese Dichtungen Erschließungscharakter? Festzuhalten ist, dass in den Gleichnissen die dem Reich Gottes innewohnende Wirklichkeit sprachlich und bildlich präsent wird und dadurch in die Nähe des Alltag rückt, wobei dieser gleichzeitig neu und anders wahrgenommen wird. In den Gleichnissen wirkt Jesus provokativ, überraschend auf die alltägliche Wirklichkeitswahrnehmung seiner Hörerinnen und Hörer ein. Gängige Erwartungen werden enttäuscht und an deren Stelle neue Wahrnehmungsstrukturen gesetzt, die quer zum „gesunden Menschenverstand“ stehen. Gleichnisse können daher als Bilder verstanden werden, die die Strukturen der Herrschaft Gottes erschließen. Sie lassen Neues, Ungewohntes sehen und im Gleichnis präsent werden. Das Gleichnis packt einen und zieht einen ins Himmelreich hinein. Wer zustimmt, ist „drinnen“, hat Anteil an der Nähe Gottes, weil er verstanden hat.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Der zuversichtliche Sämann



Das Gleichnis vom Sämann in Markus 4 läßt sich auf zweierlei Weise lesen. Wir können unseren Blick auf die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit lenken. Oder wir blicken auf den Sämann, der zuversichtlich den Samen ausstreut, ohne sich über den Boden allzuviel Gedanken zu machen. Seine Zuversicht wird belohnt. Der fruchtbare Boden trägt überreichlich. Der Sämann streut seine Liebe aus, Jesus verschenkt seine Liebe überall hin, ohne Berechnung. Er vertraut darauf, dass seine Liebe Frucht tragen wird. Wir lieben, immer wieder zuversichtlich, ohne zu berechnen, ohne in der Enttäuschung zu resignieren, und werden durch das Gleichnis ermutigt, dass es sich lohnt. Die Liebe wird Frucht tragen. Wenn wir so denken und handeln, ist das Reich Gottes schon gegenwärtig.
Der Sämann in den Bildern von Van Gogh sät aus vor dem Hintergrund einer riesigen Sonne, die viel Kraft hat, vor dem Licht (Gottes).

(angeregt duch eine Andacht meines guten Freundes Roland)

Montag, 18. Januar 2010

Unbekannte Jesusworte

So heißt ein Buch von Joachim Jeremias, das 1963 erschienen ist. Jeremias hat die Jesusüberlieferungen außerhalb des Neuen Testaments durchforstet und geprüft, welche dieser Worte möglicherweise bis auf Jesus selbst zurückgehen. Hier eine Auswahl aus seinem Buch:

"An demselben Tage sah er einen Mann am Sabbat eine Arbeit verrichten. Da sagte er zu ihm: Mensch, wenn du weißt, was du tust, bist du selig. Wenn du es aber nicht weißt, bist du verflucht und ein Übertreter des Gesetzes."

(Bibelhandschrift/Codex D nach Lukas 6,4. Lukas 6,5 steht in dieser Handschrift nach V.10).


"Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe,
wer mir fern ist, ist dem Königreich fern."

(Thomasevangelium, 82)


"Und nur dann sollt ihr fröhlich sein,
wenn ihr auf euren Bruder mit Liebe blickt."

(Hieronymus, Auslegung des Epheserbriefes 5.3.4. mit Verweis auf ein "Hebräerevangelium").


"Und betet für eure Feinde,
Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch
Wer heute fern steht, wird euch morgen nahe sein."

(Oxyrhynchus-Papyrus 1224)

"Werdet tüchtige Wechsler!"

(Pseudoklementinische Homilien II, 55.1 und andere altkirchliche Schriftsteller)

Freitag, 2. Oktober 2009

Der unfassbare Vater

„Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn“ (Lukas 15, 20)

Ein Vater hat zwei Söhne. Von den beiden Söhnen geht der jüngere zuerst seiner Wege. Die Forderungen des Sohnes nach dem Erbteil beantwortet er nicht abwertend, etwa: „Kommt überhaupt nicht in Frage, arbeite erst einmal tüchtig, du fauler Sack.“ Oder: „Nur Abhängen willst du. Eine Tracht Prügel ist wohl besser, als dass ich dir noch mein sauerverdientes Vermögen hinterherschmeiße.“ Nein. Er respektiert die unverschämte Forderung des Sohnes. Der Vater läßt es einfach zu. Warum? Vermutlich, weil er die Fähigkeit hat, loszulassen. Er läßt seinen Sohn gehen, obwohl er weiß, daß dieser noch nicht fähig ist, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Vater ist sehr friedfertig. Er hofft darauf, daß sein Sohn durch die Realität der Welt, die das Traumbild des Sohnes in Frage stellen wird, zur Vernunft kommt. Deshalb wartet er auch, bis der Sohn – vom Schicksal gebeutelt – wiederkommt. Sehr geduldig wartet er, steht er an der Haustür. Und als der gescheiterte Sohn nach Monaten, Jahren zurückkommt, unsicher, ob der Vater ihn überhaupt nach seinen Selbstüberschätzung noch „haben will“, kommt er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er wird von seinem Vater mit einer Herzlichkeit und Liebe aufgenommen, als ob er noch der gleiche Sohn wäre, welcher er zuvor noch zu Hause gewesen ist. Keine Vorwürfe, kein Zorn. Ganz anders: totale Freude auf Seiten des Vaters, er „flippt“ geradezu aus, weil er seinen Sohn so liebt. Er läuft ihm sogar entgegen.

Jesus hat in dieser Geschichte die einzigartige Liebe Gottes zu uns veranschaulicht. Der Glaube an den Gott Jesu schenkt uns einen Vater, der die Fähigkeiten menschlicher Väter weitaus übersteigt. Von dieser Liebe dichtete Paulus: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf ... sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ So ist die Liebe Gottes! Im Glauben können wir zu Gott sprechen: Abba, lieber Vater. Eine kindliche Beziehung zu Gott hat etwas mit Vertrauen und Geborgensein zu tun. Die Angst vor dem fernen oder stummen Gott wird uns genommen, da wir ihm ganz nahe gerückt sind. Vertrauen schafft gleichzeitig auch Freiraum. Unser Gott ist daher kein überfürsorglicher, erdrückender Gott. Er läßt uns Freiraum. Er ist gespannt, was wir aus uns machen. Und immer, allezeit, wartet er auf uns, um uns seine Nähe und Sicherheit zu geben.

Freitag, 14. August 2009

Seligpreisungen - Ermutigung zu einer gewaltlosen Lebensform


Matthäus 5, 1: Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:


3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich

(Lutherübersetzung)

Diese 8 Seligpreisungen bei Matthäus sind kunstvoll gestaltet: die Wendung "Reich der Himmel" ("Himmelreich") wird in der 1. und 8., das Wort "Gerechtigkeit" in der 4. und 8. Seligpreisung verwendet. Meine These ist: Matthäus läßt Jesus Menschen glückselig sprechen, die in ihrem Verhalten auf Gewalt verzichten, weil sie sich am Reich Gottes (an der Herrschaft Gottes) orientieren. Jesus hebt Einstellungen und Verhaltensweisen hervor, die gewaltlos sind oder der Gewalt entgegenstehen. Diese Behauptung möchte ist jetzt kurz für jede Glücklichpreisung begründen:

Die „im Geist Armen“ sind nicht die Beschränkten oder Naiven, sondern Menschen, die bewusst darauf verzichten, andere Menschen ausgrenzende Gewalt durch Arroganz und Verachtung auszuüben. Wer „geistig arm“ ist, bläht sich nicht auf, sondern denkt von sich selbst bescheiden und lässt damit auch anderen ihren Raum.

Die „Trauernden“ (das ist genauer als die Formulierung "die da Leid tragen" bei Luther) weinen über unterschiedliche Formen der Gewalt. Sie spüren die Gewalt, die ihnen selbst angetan wird. Sie haben sich kein „dickes Fell“ zugelegt, sie nehmen auch subtile Formen der Gewalt wahr (Kränkungen, Ausgrenzungen, Übersehen werden). Die Trauernden sind aber auch genauso sensibel für Gewalt, die sie selbst ausüben, und darunter leiden sie. Schließlich haben sie einen Blick für die Gewalt, die anderen angetan wird. Sie leiden mit den Opfern. Sie schauen nicht weg, sondern weinen mit ihnen.

Die „Freundlichen“ (oder: Sanftmütigen) können sich mit ihrer Sanftmut in andere Menschen einfühlen und ihnen nahe sein, ohne das Innere des Mitmenschen gewaltsam einzudringen. Sie achten die Grenzen der Anderen.

Wer nach „Gerechtigkeit hungert und dürstet“, hält in sich die Sehnsucht nach einer Welt wach, in der Fairness das gegenseitige Verhalten bestimmt. Aber er will diese bessere Welt nicht mit Gewalt durchsetzen. Vielmehr unterstützt er Menschen, die sich für Fairness einsetzen und bemüht sich selbst darum.

Die „Barmherzigen“ wenden sich der Not von Gewaltopfern zu, ohne selbst Gewalt anzuwenden. Sie helfen Misshandelten, Ausgeraubten oder Mobbing-Opfern wieder auf die Beine. Jesus hat dies im Gleichnis vom barmherzigen Samariter anschaulich beschrieben. Der Samariter sieht den halbtot am Wegerand liegenden Überfallenen, versorgt vorsichtig seine Wunden und bringt ihn dann an einen Ort, wo er wieder zu Kräften kommen kann.

Wer „im Herzen rein“ ist, dessen Gefühle sind frei von Gewaltphantasien. Sein Denken kennt keine Rachepläne. Der Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, von Vergeltung und Rache wird von denen, die reinen Herzens sind, unterbrochen.

Die „Friedensstifter“ (die Übersetzung Luthers "die Friedfertigen" ist zu wenig aktiv formuliert) suchen nach Wegen, zerstörerischen Streit zu verhindern oder zu beenden. Wenn sie selbst in einen destruktiven Streit verstrickt sind, wollen sie nicht Sieger sein, sondern aus dem Gegner einen Freund machen. Wenn sie im Streit vermitteln, haben sie nicht nur eine Feuerpause, sondern Freundschaft im Blick. Denn wirklicher Friede ist nur dort zu Hause, wo Menschen einzeln oder in Gruppen einander als Freunde betrachten.

Die „um der Gerechtigkeit willen Verfolgten“ sind Menschen, die das Risiko auf sich nehmen, im Engagement für Gerechtigkeit Gewalt selbst Gewalt zu erfahren. Sie erdulden Leid, ohne zurückzuschlagen.

Was Jesus hier im Blick hat, ist keine schwächliche, sondern eine "starke" und aktive Gewaltlosigkeit, die von Liebe und Barmherzigkeit motiviert ist.

Montag, 3. August 2009

Kriton - eine Erzählung (2)

Es geschah im 15. Jahr des Tiberius, als er 24 Jahre alt war. Er kam mit einem Pharisäer ins Gespräch, der für seine Synagogenschule Papyrusbögen bestellt hatte. Er stöhnte: „Ständig sind hier in Galiläa religiöse Spinner unterwegs. Sie verwirren die Gedanken meiner Gemeindeglieder. Letzte Woche kam eine ganze Gruppe vorbei, Frauen und Männer, die sich um einen Jesus – aus Nazareth soll er stammen – geschart haben und die Gegend unsicher machen. Sie nahmen am Synagogengottesdienst teil und dieser Jesus stand bei der Lesung auf und las aus der Jesajaschriftrolle vor: ‚Der Geist des Herrn hat von mir Besitz ergriffen. Denn der Herr hat mich gesalbt und dadurch bevollmächtigt, den Armen gute Nachricht zu bringen. Er hat mich gesandt, den Verzweifelten neuen Mut zu machen, den Gefangenen zu verkünden: Ihr seid frei! Eure Fesseln werden gelöst! Er hat mich gesandt, um das Jahr auszurufen, in dem der Herr sich seinem Volk gnädig zuwendet.‘ Und dann sagte er mit vollem Ernst: ‚Das ist jetzt unter euch erfüllt.‘ Ich dachte, mich trifft der Schlag. Nach dem Gottesdienst hielt sich dieser Jesus auf dem Dorfplatz auf und gab sich mit den Bettlern und Behinderten unseres Dorfes ab. Einige chronisch Kranke liefen herzu und riefen: ‚Jesus, heile uns!‘ Es war nicht zum Aushalten. Aus dem Gewühl platzte nach einiger Zeit Bartholomäus heraus – seit dem 6. Lebensjahr war er blind – und schrie: ‚Ich kann sehen, ich kann sehen!‘ Wenn hinter solchen Aktionen nicht der Beelzebul selbst steht!“
Schon in Alexandria war Kriton auf den Straßen und Plätzen jüdischen Wunderheilern begegnet und er konnte darum die Klage des Gelehrten nachvollziehen. Einige Tage später besuchte er in Kapernaum einen römischen Hauptmann, der der örtlichen Synagoge Papryrusrollen schenken wollte. Kriton war überrascht, als dieser ihm fast erregt mitteilte: „Hast du eigentlich schon von Jesus gehört? Er hat meinen sterbenskranken Sohn geheilt, ja er war schon tot und er hat ihn wieder erweckt! Diesen Jesus mußt du kennenlernen. Ich kann wieder an einen Gott glauben.“ Da Kriton einige Tage Zeit hatte, beschloß er – neugierig geworden – den Spuren dieses Jesus nachzugehen. Er begann damit, auf dem Marktplatz bei kleineren Erledigungen die Bauern zu fragen, ob sie schon einmal etwas von Jesus gehört hätten. Ja, bestätigten sie, er würde Menschen heilen, Dämonen austreiben und unerhörte Lehren von sich geben. Einer der Bauern nahm ihn zur Seite und flüsterte ihm zu: „Seine Jünger glauben, er sei der Prophet Elia oder gar der Messias selbst. Er widerspricht der Tora des Mose. Er heilt am Sabbat. Er ist der neue Gesetzgeber. Er will in Jerusalem die Entscheidung suchen. Das Ende der Römerherrschaft ist nah.“ Dann legte er seinen Zeigefinger auf die Lippen. Er schaute sich um und nach kurzem Schweigen ergänzte er: „Du kannst ihn geradewegs nach Osten am See Genezareth finden, er predigt dort noch einige Tage. Wer Ohren hat, der höre!“ Kriton war wie elektrisiert, denn das hörte sich sehr seltsam und aufregend an. So wanderte er am nächsten Tag die 12 km hinunter zum See. An einem Hügel nahe des Strandes konnte er eine größere Menschenmenge erkennen. Er nahte sich ihr. Eine Stimme wurde von unten zu Kriton hoch getragen, und er verstand nur einige Wortfetzen: „...Glücklich ihr, die ihr weint, denn ihr werdet lachen... Wehe euch, die ihr jetzt lacht, ihr werdet weinen ... Ich bin nicht gekommen, den Gesunden zu helfen, sondern den Kranken ... Der Sohn spricht nichts, was nicht der Vater zu ihm gesagt hat ... Mit dem Reich meines Vaters verhält es sich wie mit einem Mann, der einen Schatz auf fremden Acker gefunden hatte. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, und kaufte dafür den Acker mit dem Schatz ... Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt wurde ... Ich aber sage euch: Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut ...“
Die Worte klangen fremd in Kritons Ohren, aber sie besaßen eine urtümliche Kraft. Das war absolut neu. Da las keiner in der Tora und brachte dann eine Auslegung hervor. Nein, hier sprach einer mit einer ihm völlig selbstverständlichen Vollmacht. Es war provokativ, anders, aber nicht verrückt. Es war ihm, als sei einer der alten Propheten wieder auferstanden, ein Amos, Jeremia oder Hosea, aber das hier wirkte noch mächtiger, noch autoritärer, noch eigenmächtiger als es je ein Prophet als Bote Gottes hätte sagen können. Es irritierte Kriton. Was wollte dieser Mann? Er war kein Schriftgelehrter. Er war kein Zelot, kein Tempelpriester und kein Essener. Kriton fand keinen Begriff für ihn. Der Messias soll er sein? Dieser Mann mit einigen Männern und Frauen um sich, ohne Waffen und ohne Beziehungen zu Jerusalem, dieser Lehrer und Heiler, der Wehrlosigkeit predigt? Es kam Kriton absurd vor, daß dieser die Befreiung Israels von Rom, die Friedensherrschaft Israels über die ganze Welt aufrichten könnte. Da stand dieser junge Händler an einem milden Frühsommerabend am Rande einer Menge einfacher Menschen: Bauern, Tagelöhner, ein paar Pharisäer sah er auch, Zöllner, dann Krüppel, Irre, und viele Frauen, sogar mit Kindern. Sie fingen an zu essen, auch Kriton reichte man ein Stück Brot und man lagerte auf grünem Gras. Er fühlte sich plötzlich sehr wohl und geborgen. Er fragte einige Herumsitzende, für wen sie diesen Jesus halten: „Er ist Elia!“ – „Er ist ein neuer Prophet!“ – „Er ist der ‚Menschensohn‘!“ So antworteten sie sehr uneinig.
Kriton beschloß, noch am Abend zu seiner Herberge zurückzukehren. Er wollte alleine sein und in der Tora lesen. Er wollte wieder Frieden finden bei Mose. Die Worte dieses Jesus wühlten ihn doch zu sehr auf. Sie verwirrten ihn. Er brauchte Abstand. Es war nur wenig gewesen, aber Kriton ahnte, daß etwas Radikales ihn in seiner kaufmännischen, geordneten Welt massiv stören wollte. Er suchte Distanz und beschloß, möglichst bald nach Hause zu reisen. Tatsächlich versank das intensive Erlebnis langsam hinter dem Horizont der Vergangenheit.