Markus 4, 26: Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
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Samstag, 31. Juli 2010
Das Gleichnis vom zuversichtlichen (gelassenen oder gar faulen?) Bauer
Markus 4, 26: Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Freitag, 5. Februar 2010
Jesus erzählt Gleichnisse
Zunächst ein Beispiel für die Verdeutlichung der Faszination des Reiches für Jesus, die freudige Überraschung auslöst:
„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ (Mt, 13,44-45)
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Der Schatz und die Perle sind Bilder für einen zufälligen, ungeheuren Gewinn, mit dem nicht zu rechnen war. Sie sind das, wovon man nicht zu träumen wagte. Schatz und Perle strahlen Faszination und Schönheit aus, lösen spontan, aber auch nachhaltig Freude aus. Beide ziehen völlig in den Bann und bestimmen ab da an alle weiteren Verhaltensweisen, die aus der Sicht einen uninformierten Beobachters zunächst völlig unvernünftig erscheinen: Warum sollte man alles, was man hat, verkaufen? Alles andere aber verliert für den Finder aufgrund der wertvollen Attraktivität des Fundes an Bedeutung (vgl Phil 3,6-9). Das Reich Gottes ist für Jesus eine Erfahrung, zu der man nicht aufgrund von Druck oder Drohung hingezwungen, sondern zu dem man vielmehr aufgrund einer innewohnenden Attraktivität hingezogen wird und dann alles auf eine Karte setzt.
Jesus löst mit seinen Gleichnissen in sehr kreativer Weise unterschiedliche Fragen in Bezug auf seine Verkündigung des Reiches Gottes. Zu diesen gehören: Wie kann ich die einzigartige Faszination, den hohen Wert des Himmelreiches verdeutlichen (Der Schatz im Acker, Die wertvolle Perle)? Wie kann ich dazu motivieren, sich auf das herannahende Gottesreich kompromisslos einzulassen (Der ungerechte Richter)? Wie erkläre ich die freudige Zuwendung des himmlischen Vaters zu den Sündern (Der Vater und seine zwei Söhne, Das verlorene Schaf, Der verlorene Groschen, Der barmherzige Samariter)? Wie kann ich meine Zuversicht, dass diese Reich wirklich ist und sich verwirklichen wird, verdeutlichen (Gleichnis vom Sämann, Vom Senfkorn, Vom Sauereig, Von der selbstwachsenden Saat)? Wie lässt sich mit Hilfe von Vorgängen des alltäglichen Lebens die außeralltägliche Art und Weise veranschaulichen, in der das Reich Gottes Menschen in Anspruch nehmen will (Arbeiter im Weinberg)?
Was geschieht, wenn Jesus solche Geschichten erzählt? Stellt Jesus mit ihnen die Nähe Gottes und seines Reiches her? Wird das Reich Gottes in ihnen Gegenwart? Oder haben diese Dichtungen Erschließungscharakter? Festzuhalten ist, dass in den Gleichnissen die dem Reich Gottes innewohnende Wirklichkeit sprachlich und bildlich präsent wird und dadurch in die Nähe des Alltag rückt, wobei dieser gleichzeitig neu und anders wahrgenommen wird. In den Gleichnissen wirkt Jesus provokativ, überraschend auf die alltägliche Wirklichkeitswahrnehmung seiner Hörerinnen und Hörer ein. Gängige Erwartungen werden enttäuscht und an deren Stelle neue Wahrnehmungsstrukturen gesetzt, die quer zum „gesunden Menschenverstand“ stehen. Gleichnisse können daher als Bilder verstanden werden, die die Strukturen der Herrschaft Gottes erschließen. Sie lassen Neues, Ungewohntes sehen und im Gleichnis präsent werden. Das Gleichnis packt einen und zieht einen ins Himmelreich hinein. Wer zustimmt, ist „drinnen“, hat Anteil an der Nähe Gottes, weil er verstanden hat.
„Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.“ (Mt, 13,44-45)
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Der Schatz und die Perle sind Bilder für einen zufälligen, ungeheuren Gewinn, mit dem nicht zu rechnen war. Sie sind das, wovon man nicht zu träumen wagte. Schatz und Perle strahlen Faszination und Schönheit aus, lösen spontan, aber auch nachhaltig Freude aus. Beide ziehen völlig in den Bann und bestimmen ab da an alle weiteren Verhaltensweisen, die aus der Sicht einen uninformierten Beobachters zunächst völlig unvernünftig erscheinen: Warum sollte man alles, was man hat, verkaufen? Alles andere aber verliert für den Finder aufgrund der wertvollen Attraktivität des Fundes an Bedeutung (vgl Phil 3,6-9). Das Reich Gottes ist für Jesus eine Erfahrung, zu der man nicht aufgrund von Druck oder Drohung hingezwungen, sondern zu dem man vielmehr aufgrund einer innewohnenden Attraktivität hingezogen wird und dann alles auf eine Karte setzt.
Jesus löst mit seinen Gleichnissen in sehr kreativer Weise unterschiedliche Fragen in Bezug auf seine Verkündigung des Reiches Gottes. Zu diesen gehören: Wie kann ich die einzigartige Faszination, den hohen Wert des Himmelreiches verdeutlichen (Der Schatz im Acker, Die wertvolle Perle)? Wie kann ich dazu motivieren, sich auf das herannahende Gottesreich kompromisslos einzulassen (Der ungerechte Richter)? Wie erkläre ich die freudige Zuwendung des himmlischen Vaters zu den Sündern (Der Vater und seine zwei Söhne, Das verlorene Schaf, Der verlorene Groschen, Der barmherzige Samariter)? Wie kann ich meine Zuversicht, dass diese Reich wirklich ist und sich verwirklichen wird, verdeutlichen (Gleichnis vom Sämann, Vom Senfkorn, Vom Sauereig, Von der selbstwachsenden Saat)? Wie lässt sich mit Hilfe von Vorgängen des alltäglichen Lebens die außeralltägliche Art und Weise veranschaulichen, in der das Reich Gottes Menschen in Anspruch nehmen will (Arbeiter im Weinberg)?
Was geschieht, wenn Jesus solche Geschichten erzählt? Stellt Jesus mit ihnen die Nähe Gottes und seines Reiches her? Wird das Reich Gottes in ihnen Gegenwart? Oder haben diese Dichtungen Erschließungscharakter? Festzuhalten ist, dass in den Gleichnissen die dem Reich Gottes innewohnende Wirklichkeit sprachlich und bildlich präsent wird und dadurch in die Nähe des Alltag rückt, wobei dieser gleichzeitig neu und anders wahrgenommen wird. In den Gleichnissen wirkt Jesus provokativ, überraschend auf die alltägliche Wirklichkeitswahrnehmung seiner Hörerinnen und Hörer ein. Gängige Erwartungen werden enttäuscht und an deren Stelle neue Wahrnehmungsstrukturen gesetzt, die quer zum „gesunden Menschenverstand“ stehen. Gleichnisse können daher als Bilder verstanden werden, die die Strukturen der Herrschaft Gottes erschließen. Sie lassen Neues, Ungewohntes sehen und im Gleichnis präsent werden. Das Gleichnis packt einen und zieht einen ins Himmelreich hinein. Wer zustimmt, ist „drinnen“, hat Anteil an der Nähe Gottes, weil er verstanden hat.
Mittwoch, 3. Februar 2010
Der zuversichtliche Sämann
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Das Gleichnis vom Sämann in Markus 4 läßt sich auf zweierlei Weise lesen. Wir können unseren Blick auf die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit lenken. Oder wir blicken auf den Sämann, der zuversichtlich den Samen ausstreut, ohne sich über den Boden allzuviel Gedanken zu machen. Seine Zuversicht wird belohnt. Der fruchtbare Boden trägt überreichlich. Der Sämann streut seine Liebe aus, Jesus verschenkt seine Liebe überall hin, ohne Berechnung. Er vertraut darauf, dass seine Liebe Frucht tragen wird. Wir lieben, immer wieder zuversichtlich, ohne zu berechnen, ohne in der Enttäuschung zu resignieren, und werden durch das Gleichnis ermutigt, dass es sich lohnt. Die Liebe wird Frucht tragen. Wenn wir so denken und handeln, ist das Reich Gottes schon gegenwärtig.
Der Sämann in den Bildern von Van Gogh sät aus vor dem Hintergrund einer riesigen Sonne, die viel Kraft hat, vor dem Licht (Gottes).
(angeregt duch eine Andacht meines guten Freundes Roland)
Freitag, 2. Oktober 2009
Der unfassbare Vater
„Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn“ (Lukas 15, 20)
Ein Vater hat zwei Söhne. Von den beiden Söhnen geht der jüngere zuerst seiner Wege. Die Forderungen des Sohnes nach dem Erbteil beantwortet er nicht abwertend, etwa: „Kommt überhaupt nicht in Frage, arbeite erst einmal tüchtig, du fauler Sack.“ Oder: „Nur Abhängen willst du. Eine Tracht Prügel ist wohl besser, als dass ich dir noch mein sauerverdientes Vermögen hinterherschmeiße.“ Nein. Er respektiert die unverschämte Forderung des Sohnes. Der Vater läßt es einfach zu. Warum? Vermutlich, weil er die Fähigkeit hat, loszulassen. Er läßt seinen Sohn gehen, obwohl er weiß, daß dieser noch nicht fähig ist, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Vater ist sehr friedfertig. Er hofft darauf, daß sein Sohn durch die Realität der Welt, die das Traumbild des Sohnes in Frage stellen wird, zur Vernunft kommt. Deshalb wartet er auch, bis der Sohn – vom Schicksal gebeutelt – wiederkommt. Sehr geduldig wartet er, steht er an der Haustür. Und als der gescheiterte Sohn nach Monaten, Jahren zurückkommt, unsicher, ob der Vater ihn überhaupt nach seinen Selbstüberschätzung noch „haben will“, kommt er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er wird von seinem Vater mit einer Herzlichkeit und Liebe aufgenommen, als ob er noch der gleiche Sohn wäre, welcher er zuvor noch zu Hause gewesen ist. Keine Vorwürfe, kein Zorn. Ganz anders: totale Freude auf Seiten des Vaters, er „flippt“ geradezu aus, weil er seinen Sohn so liebt. Er läuft ihm sogar entgegen.
Jesus hat in dieser Geschichte die einzigartige Liebe Gottes zu uns veranschaulicht. Der Glaube an den Gott Jesu schenkt uns einen Vater, der die Fähigkeiten menschlicher Väter weitaus übersteigt. Von dieser Liebe dichtete Paulus: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf ... sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ So ist die Liebe Gottes! Im Glauben können wir zu Gott sprechen: Abba, lieber Vater. Eine kindliche Beziehung zu Gott hat etwas mit Vertrauen und Geborgensein zu tun. Die Angst vor dem fernen oder stummen Gott wird uns genommen, da wir ihm ganz nahe gerückt sind. Vertrauen schafft gleichzeitig auch Freiraum. Unser Gott ist daher kein überfürsorglicher, erdrückender Gott. Er läßt uns Freiraum. Er ist gespannt, was wir aus uns machen. Und immer, allezeit, wartet er auf uns, um uns seine Nähe und Sicherheit zu geben.
Ein Vater hat zwei Söhne. Von den beiden Söhnen geht der jüngere zuerst seiner Wege. Die Forderungen des Sohnes nach dem Erbteil beantwortet er nicht abwertend, etwa: „Kommt überhaupt nicht in Frage, arbeite erst einmal tüchtig, du fauler Sack.“ Oder: „Nur Abhängen willst du. Eine Tracht Prügel ist wohl besser, als dass ich dir noch mein sauerverdientes Vermögen hinterherschmeiße.“ Nein. Er respektiert die unverschämte Forderung des Sohnes. Der Vater läßt es einfach zu. Warum? Vermutlich, weil er die Fähigkeit hat, loszulassen. Er läßt seinen Sohn gehen, obwohl er weiß, daß dieser noch nicht fähig ist, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Vater ist sehr friedfertig. Er hofft darauf, daß sein Sohn durch die Realität der Welt, die das Traumbild des Sohnes in Frage stellen wird, zur Vernunft kommt. Deshalb wartet er auch, bis der Sohn – vom Schicksal gebeutelt – wiederkommt. Sehr geduldig wartet er, steht er an der Haustür. Und als der gescheiterte Sohn nach Monaten, Jahren zurückkommt, unsicher, ob der Vater ihn überhaupt nach seinen Selbstüberschätzung noch „haben will“, kommt er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er wird von seinem Vater mit einer Herzlichkeit und Liebe aufgenommen, als ob er noch der gleiche Sohn wäre, welcher er zuvor noch zu Hause gewesen ist. Keine Vorwürfe, kein Zorn. Ganz anders: totale Freude auf Seiten des Vaters, er „flippt“ geradezu aus, weil er seinen Sohn so liebt. Er läuft ihm sogar entgegen.
Jesus hat in dieser Geschichte die einzigartige Liebe Gottes zu uns veranschaulicht. Der Glaube an den Gott Jesu schenkt uns einen Vater, der die Fähigkeiten menschlicher Väter weitaus übersteigt. Von dieser Liebe dichtete Paulus: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf ... sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ So ist die Liebe Gottes! Im Glauben können wir zu Gott sprechen: Abba, lieber Vater. Eine kindliche Beziehung zu Gott hat etwas mit Vertrauen und Geborgensein zu tun. Die Angst vor dem fernen oder stummen Gott wird uns genommen, da wir ihm ganz nahe gerückt sind. Vertrauen schafft gleichzeitig auch Freiraum. Unser Gott ist daher kein überfürsorglicher, erdrückender Gott. Er läßt uns Freiraum. Er ist gespannt, was wir aus uns machen. Und immer, allezeit, wartet er auf uns, um uns seine Nähe und Sicherheit zu geben.
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