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Dienstag, 13. Oktober 2009

Morgenandacht: Essen und Trinken

„Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, daß wir Menschen in dem kurzen Leben, das Gott uns zugemessen hat, nichts Besseres tun können als essen und trinken und es uns wohl sein lassen bei aller Mühe, die wir haben. So hat Gott es für uns bestimmt.“ Kohelet (Prediger Salomo) 5,17

Essen und Trinken gehören zu den absolut notwendigen Regelmäßigkeiten in unserem Leben. Die Frage ist, welchen Wert wir dieser Notwendigkeit zubilligen. Gott will, daß wir Wohlgefühle dabei haben, uns in Bezug auf das Essen geradezu hedonistisch verhalten.
Schon für die alten Israeliten lautete der von Gott angestiftete Traum „Genuß im Überfluß“: „Ich will mein Volk aus Ägypten führen und in ein fruchtbares und großes Land bringen, ein Land, das von Milch und Honig überfließt.“
Gott hat überhaupt eine ausgeprägte Nähe zu festlichen Mahlzeiten. Als Abraham von drei Männern besucht wird, die er sogleich als Gotteserscheinung erkennt, wird er ganz beflissen zu einem Gastwirt, der seine Frau zur Gourmetköchin macht: „Abraham lief sogleich ins Zelt und sagte zu Sara: Schnell, nimm drei Backschüsseln von deinem feinsten Mehl, mach einen Teig und backe Fladenbrot! Dann lief er zum Vieh, suchte eine schönes, gesundes Kalb aus und befahl dem Knecht, es zuzubereiten. Er holte süße und saure Milch, nahm das gekochte Fleisch und trug alles hinaus unter den Baum. Mit eigener Hand bediente er seine Gäste und stand dabei, während sie aßen“ (1.Mose 18,6–8).
Auch Jesus lebte nicht asketisch, sondern er liebte es, zu essen und zu trinken und mußte sich daher mit den Vorwürfen auseinandersetzen, die er sich damit einhandelte: „Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt, und sie sagen: Seht ihn euch an, diesen Vielfraß und Säufer, diesen Kumpan der Zolleinnehmer und Sünder.“ Jesus schien keine Gelegenheit auszulassen, einzuladen oder sich einladen zu lassen. Vor seinem Tod stiftete er das Abendmahl, daß Christen bis heute feiern, um Mahlgemeinschaft mit Jesus zu haben.

Das Essen und Trinken, im Kreis der Familie, der Freunde und darüber hinaus, ist sehr biblisch. Ja, man könnte fast sagen, daß sich in der Gastfreundschaft ein zentraler Sinn des Lebens erfüllt.

Freue dich heute auf dein Essen und Trinken, das du genießt. Danke Gott für die Gabe des Schmeckens. Schmecke und sehe, wie freundlich der Herr ist. Wenn es möglich ist, pflege dabei Gemeinschaft mit anderen Menschen, im Kreis deiner Familie oder mit Arbeitskollegen, mit Freunden oder Bekannten. So will es Gott.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Morgenandacht: Freundlichkeit

„Alle sollen sehen, wie freundlich und gütig ihr zueinander seid.“ (Phil. 4,5 Die Gute Nachricht Bibel, 1997)

Wie oft, schätzt du, wirst du heute unfreundlich sein? Wie oft wirst du ungeduldig sein? Wie oft nachtragend, herablassend und genervt? Wahrscheinlich öfters, als du es jetzt willst und dir vornimmst. Die Vorsätze sind gut, aber im nächsten schwierigen Moment sind sie schon vergessen und außer Kraft gesetzt. Natürlich, wir wollen freundlich und gütig zueinander sein! Nicht nur untereinander, nicht nur im Freundeskreis oder unter den Gleichgesinnten in der Kirche oder unter den netten Kollegen am Arbeitsplatz, nein, auch zu denen, die uns nerven, verletzen und lästig sind. Wir wollen es, weil wir Christen sind. Und das ist gut so. Schlecht ist nur, dass es so schwierig zu verwirklichen ist. Dabei ist die Bitte so schlicht und klar: „Alle sollen sehen, wie freundlich und gütig ihr zueinander seid.“ Sie ist sogar mit der Hoffnung verbunden, dass dann, wenn jemand damit beginnt und nicht aufhört, freundlich und gütig zu sein und zu bleiben, der Funke überspringt und auch der andere freundlich und gütig werden könnte. Ist das nicht eine reizvolle Herausforderung? Wenn du kurz vor deinem ersten Ärger stehst, dann halte kurz inne und höre die Worte: „Alle sollen sehen, wie freundlich und gütig ihr zu-einander seid.“ Mal sehen, ob sie wirken!

Freitag, 2. Oktober 2009

Der unfassbare Vater

„Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn“ (Lukas 15, 20)

Ein Vater hat zwei Söhne. Von den beiden Söhnen geht der jüngere zuerst seiner Wege. Die Forderungen des Sohnes nach dem Erbteil beantwortet er nicht abwertend, etwa: „Kommt überhaupt nicht in Frage, arbeite erst einmal tüchtig, du fauler Sack.“ Oder: „Nur Abhängen willst du. Eine Tracht Prügel ist wohl besser, als dass ich dir noch mein sauerverdientes Vermögen hinterherschmeiße.“ Nein. Er respektiert die unverschämte Forderung des Sohnes. Der Vater läßt es einfach zu. Warum? Vermutlich, weil er die Fähigkeit hat, loszulassen. Er läßt seinen Sohn gehen, obwohl er weiß, daß dieser noch nicht fähig ist, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Vater ist sehr friedfertig. Er hofft darauf, daß sein Sohn durch die Realität der Welt, die das Traumbild des Sohnes in Frage stellen wird, zur Vernunft kommt. Deshalb wartet er auch, bis der Sohn – vom Schicksal gebeutelt – wiederkommt. Sehr geduldig wartet er, steht er an der Haustür. Und als der gescheiterte Sohn nach Monaten, Jahren zurückkommt, unsicher, ob der Vater ihn überhaupt nach seinen Selbstüberschätzung noch „haben will“, kommt er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Er wird von seinem Vater mit einer Herzlichkeit und Liebe aufgenommen, als ob er noch der gleiche Sohn wäre, welcher er zuvor noch zu Hause gewesen ist. Keine Vorwürfe, kein Zorn. Ganz anders: totale Freude auf Seiten des Vaters, er „flippt“ geradezu aus, weil er seinen Sohn so liebt. Er läuft ihm sogar entgegen.

Jesus hat in dieser Geschichte die einzigartige Liebe Gottes zu uns veranschaulicht. Der Glaube an den Gott Jesu schenkt uns einen Vater, der die Fähigkeiten menschlicher Väter weitaus übersteigt. Von dieser Liebe dichtete Paulus: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf ... sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ So ist die Liebe Gottes! Im Glauben können wir zu Gott sprechen: Abba, lieber Vater. Eine kindliche Beziehung zu Gott hat etwas mit Vertrauen und Geborgensein zu tun. Die Angst vor dem fernen oder stummen Gott wird uns genommen, da wir ihm ganz nahe gerückt sind. Vertrauen schafft gleichzeitig auch Freiraum. Unser Gott ist daher kein überfürsorglicher, erdrückender Gott. Er läßt uns Freiraum. Er ist gespannt, was wir aus uns machen. Und immer, allezeit, wartet er auf uns, um uns seine Nähe und Sicherheit zu geben.

Montag, 14. September 2009

Morgenandacht : Die Gabe des Schlafes

„Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. (Psalm 127,2)

Schlafmangel ist heute, zumindest bei fleißigen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Tugend. Den Mittagschlaf erledigt man, wenn überhaupt, lieber heimlich und rühmenswert ist nur, wenn man trotz zu wenigen Schlafes volle Leistung bringt.
Dieser Bibeltext befreit uns von einem solchen Aktivismus ständiger Arbeit, durch den wir zu wenig Schlaf haben. Ausreichend Schlaf ist nach diesem Bibelwort geradezu ein Zeichen des Glaubens. Wir zeigen, daß wir anhalten können und nicht bis zur Besinnungslosigkeit an die Zerstreuungen der abendlichen Freizeit oder an die Zwänge der Arbeit versklavt sind.


aufgenommen am 8.9.2009 in Vernazza (Cinque Terre), Italien

Der Schlaf ist ja nicht nur eine Unterbrechung des Wachzustandes, er hat nicht nur Dienstfunktion, sondern er besitzt ein Eigenrecht. Wir leben auch, um zu schlafen, auszuruhen, uns fallen zu lassen in das weiche Bett, in dem wir uns der Stille und den Träumen anvertrauen. René Char stellt fest: „Wenn der Mensch nicht von Zeit zu Zeit souverän die Augen schlösse, hätte er bald nichts mehr, was betrachtet zu werden sich lohnt“ So hat es Gott in seiner Schöpfungsordnung eingerichtet. Wir sind Wesen, die im Rhythmus von Tag und Nacht leben, im Wechsel von Anwesenheit und Abwesenheit.

Donnerstag, 10. September 2009

Morgenandacht: Wahrgenommen werden

„Gott, tröste uns wieder und laß leuchten dein Antlitz, so genesen wir“ Ps. 80, 4

Der Bibeltext spricht von dem Glück, wahrgenommen zu werden. Wer von anderen beachtet und damit geachtet wird, blüht auf. Er oder sie gewinnt an Selbstvertrauen. Wir erleben soziale „Genesung“, wenn wir „angesehen“ sind. Wer hingegen übersehen wird, fühlt sich minderwertig, unwichtig, sogar überflüssig. In Pflegeheimen soll es alte Menschen geben, die sich so wenig wahrgenommen fühlen, dass sie einnässen, um Beachtung zu finden und berührt zu werden. Babys, die zu wenig Augenkontakt und liebevolle Berührungen erleben, verkümmern. Kinder wiederum, die von ihren Eltern starke Aufmerksamkeit erhalten, entwickeln ihre Intelligenz stärker. Die Menschen, die sich in den täglichen Talkshows präsentieren wollen zumindest einmal im Leben, in das helle Licht der Öffentlichkeit einzutauchen, um von Millionen gesehen zu werden. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein, haben Psychologen herausgefunden.
In unserer Leistungsgesellschaft läuft positive Wahrnehmung über Erfolg und besondere Fähigkeiten. Daran haben aber nur die „Besten“ Anteil. Der überwiegende Rest bekommt zu wenig. Wir leiden, wenn wir von Menschen nicht wahrgenommen werden, von denen wir wahrgenommen werden wollen. Wir fühlen uns „herabgesetzt“. Wir leiden aber auch, wenn wir uns selbst nicht zutrauen, anderen ins Angesicht zu schauen, sondern zu Boden schauen oder wegschauen, um direkten Augenkontakt zu vermeiden.
Hier kommt jetzt Gott ins Spiel. Durch seinen Sohn Jesus Christus schaut er uns voller Liebe von Angesicht zu Angesicht an. Wir werden heil und bleiben heil, weil Gott uns durch seine Zuwendung tröstet. Ja, wir werden sogar dadurch, dass wir Jesus Christus anschauen dürfen, von einer Herrlichkeit zur anderen verwandelt (2. Korinther 3,18). Diese Erfahrung macht uns stark, Kränkungen zu verkraften, wenn wir von anderen nicht so beachtet werden, wie wir es uns wünschen würden. Vor allem aber befähigt sie uns dazu, anderen unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Was wir von Gott bekommen haben, geben wir weiter. Auch heute. Ich lade dich dazu ein, deine Aufmerksamkeit allen Menschen zu schenken, denen du heute näher begegnest. Es wird nicht nur sie, sondern auch dich selbst beglücken.

Montag, 24. August 2009

Morgenandacht: Nicht sorgen!

„Der Herr kommt bald. Macht euch keine Sorgen, sondern wendet euch in jeder Lage an Gott und bringt eure Bitten vor ihn. Tut es mit Dank für das, was er euch geschenkt hat. Dann wird der Frieden Gottes, der alles menschliche Begreifen weit übersteigt, euer Denken und Wollen im Guten bewahren, geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. (Phil 4, 5-7 Die Gute Nachricht Bibel, 1997)

„Macht euch keine Sorgen“! Dieses Wort aus Jesu Bergpredigt greift Paulus auf. Schön wäre es ja, wenn das so einfach ginge. Die Zeiten, in denen man von Sorgen entlastet sind, gehören für uns sicherlich zu den glücklichen Zeiten im Leben. Für viele sind es vor allem die Kinderjahre gewesen, als andere für einen sorgten und weder die Vergangenheit noch die Zukunft uns belastete. Kinder können in der Gegenwart leben, ganz im Spiel aufgehen und dabei zutiefst glücklich sein. Jeder von uns hat Erinnerungen daran. Aber wenn die Kinderjahre vorüber sind, werden die Zeiten der Sorglosigkeit knapp. Die ersten Tage im Urlaub vielleicht, die Tage nach einer Lohnerhöhung, ein ruhiges Wochenende. Aber die nächsten Sorgen warten. Auch Jesus und Paulus lebten in einer stürmischen See voll Sorgen. Ihre Lebenslage war oft sehr gefährdet. Aber gerade sie fordern ganz selbstverständlich: „Macht euch keine Sorgen.“ Woher nehmen sie das Recht dazu, Erwachsene wie Kinder leben zu lassen? Es war ihre Erfahrung der Gegenwart Gottes. Der Herr ist nah! ruft Paulus. Gott ist nicht fern. Nein, Gläubige vertrauen sich ihm an wie Kinder ihrem Vater. Sie wissen sich geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Sie erfahren, wie in ihrem Bewusstsein der Friede Gottes aufsteigt, der alles menschliche Begreifen übersteigt. Wenn du also heute wieder voller Sorgen bist, schau sie dir von außen an, schau sie an von Gott und lass dabei den Frieden Gottes in dir Platz nehmen. Und dann stürze dich ins Leben und tue, was zu tun ist.

Freitag, 21. August 2009

Morgenandacht: Freut euch!

Freut euch immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt! Und noch einmal sage ich: Freut euch! (Phil 4, 4 Die Gute Nachricht Bibel, 1997)

Du bist gerade aufgestanden, und weil du gestern Abend zu spät ins Bett gingst, fühlst du dich unausgeschlafen; die Glücksgefühle des gestrigen Abends sind wie weggeblasen und nun wartet ein langer Tag auf dich mit vielen Pflichten und Aufgaben. Am liebsten möchtest du wieder ins Bett kriechen. Möglicherweise hast du dich heute morgen sogar schon geärgert und du bist gereizt. Vielleicht bist du aber auch guter Laune, ausgeschlafen, voller Schaffenskraft und Lust, den Tag anzugehen. Wie immer auch deine Stimmung ist, ein Wort will dich den ganzen Tag begleiten: Freue dich immerzu, mit der Freude, die vom Herrn kommt. Dieser Aufruf will wie der regelmäßige Glockenschlag einer Turmuhr sein, um dich immer wieder daran zu erinnern, dass die Freude dein Leben bestimmen soll. Der heutige Tag wird sicherlich viele Gemütszustände in dir auslösen: Ärger und Frust, Hoffnung und Angst, Unlust und Müdigkeit, Zerstreutheit und Langeweile, Hektik und Zorn, Mitleid und Liebe und vieles mehr. Aber als Hintergrundmelodie oder Grundrhythmus oder Leitmotiv begleitet dich die Freude, die von Gott kommt. Sie sorgt dafür, dass du nicht das Gleichgewicht verlierst. All die verschiedenen Gemütszustände dürfen ruhig kommen, aber sie werden auch wieder gehen und nicht vollständig von dir Besitz ergreifen. Weil die Freude bleibt, die vom Herrn kommt. Es ist die Freude darüber, dass du zu Gott gehörst und du in seiner Liebe verankert bist. Es ist die Freude darüber, dass du zur Gemeinschaft der Gläubigen gehörst, die es überall auf der Welt gibt. Es ist die Freude darüber, dass dein Leben Sinn und Ziel hat. Es ist die Freude darüber, dass Gott dich berufen hat, die Liebe und die Gerechtigkeit in der Welt nicht zu vermindern, sondern zu vermehren. Es ist die Freude darüber, dass du dich nicht selbst tragen musst, sondern von Gott, vom Leben selbst, getragen wirst.