Mittwoch, 29. September 2010

Anne Aalrust - Wo ist das Land? Es gibt ein Ziel!

Heute habe ich Anne Aalrust kennengelernt, die im November an meiner Schule ein Konzert geben wird. Was sie mir erzählte und der Flyer, den sie mir zusteckte, machte mich neugierig; auf deutsch singende Pop-Liedermacherinnen gibt es nicht viele oder zumindest kenne ich nur einige (z.B. Barbara Morgenstern oder die wunderbare Suzie Kerstgens von Klee). Ihr Album "Der Liebe selbst" von 2009 ist sorgfältig produziert, einige Songs haben einen eher eingängigen, mainstreamig-hitmäßigen Charakter, die Mehrheit sind sorgfältig konstruierte, verträumt-träumerische, mit akustischen Instrumenten (Anne Aalrust am Klavier) und Streichern versehene Kunstlieder, jenseits typischer Schubladen. Die Texte sind durchweg ernst, klar und prägnant gesungen, sie fragen nach einer Liebe, die nicht nur das eigene Leben, sondern die ganze Welt zusammenhalten kann. Zwei dieser spirituellen, nach dem "Reich", nach dem Land der Erfüllung fragenden Lieder gibt es auch als Video.



Samstag, 14. August 2010

Karl Jaspers

Auf Umwegen bin ich heute auf Karl Jaspers gestoßen (auf Bayern alpha lief die Laudatio von Hannah Arendt auf ihn im Jahr 1958, ich fand sie auch als Text zusammen mit der Rede von Jaspers zur Preisverleihung, die mir außerordentlich gut gefällt - Jaspers ist ein wahrhaftiger Liberaler und Demokrat) und habe im Wikipediaartikel folgende wichtige Einsichten gefunden:

Existenz ist stets auf den Anderen gerichtet. Das Selbstsein bedarf wesentlich der Kommunikation mit anderen Menschen. In der Kommunikation von Mensch zu Mensch realisiert sich Philosophie im „liebenden Kampf“, in dem Angriff und Rechtfertigung nicht dem Gewinn von Macht dienen, sondern Menschen sich gegenseitig nahe kommen und sich einander ausliefern. So erreicht man das „Innewerden des Seins“, die „Erhellung der Liebe“ und die „Vollendung der Ruhe“.

Zum Selbstsein gehört auch die Kommunikation in der Beziehung zum anderen. „Niemand kann allein selig werden.“

Eine universale Kommunikation als erhellende existentielle Begegnung ist durch ein gestuftes Vorgehen möglich. Es umfasst:
das Vergleichen, mit dem man das Gemeinsame ebenso wie das Fremde erkennt
das Verstehen als Teilnahme am Anderen
den gemeinsamen Kampf um die Wahrheit (als Frage, Einwand, Widerlegung, Infragestellung, Hören, Selbstbleiben)
die Aneignung, d.h. Veränderung mit Erweiterung und Gewinn auf beiden Seiten.

Das Menschenbild in Jaspers' Philosophie ist geprägt durch eine vierstufige Seinsweise als Verwirklichungsdimensionen des Menschen:
1.das biologische Dasein als rücksichtsloser, vitaler Daseinswille mit Macht-, Geltungs- und Genussinteressen – zugleich der Erfahrungsraum, in dem Phänomenologie und Positivismus ihre Grenzen finden.
2.das Bewusstsein überhaupt als Medium des objektiven Denkens im Sinne des kantischen Verstandes (das Ichsein), das den Bereich der Logik bestimmt.
3.der Geist als Teilhabe an ganzheitlichen und sinnstiftenden Ideen, der den Zusammenhang in der Zerstreutheit des Wissbaren und Erfahrbaren erzeugt.
4.die Existenz als das, was der Mensch sein kann, als nicht mehr empirisch fassbare Ebene des eigentlichen Selbstseins, als Möglichkeit des wahren Menschseins.

Bergluft

Vor einigen Wochen hatte ich die Sehnsucht, einmal wieder die Berge zu sehen und zu ersteigen, die ich als Jugendlicher begeistert entdeckt hatte - die osttiroler Alpen und die Norddolomiten um Sexten herum. Mit einem befreundeten Kollegen konnte ich den Impuls schnell umsetzen; es war herrlich, die Berge in Sonne und Regen zu genießen.



Drei Zinnen mit Drei-Zinnen-Hütte



Verregneter Talabschluss 10 km nördlich von Außervillgraten


Blick von der Ferienwohnung in Innervillgraten



Die Drei Zinnen zeigen sich unvernebelt



Die Sextener Dolomiten: Mittagsspitze und Einer (um ein Uhr Mittags steht die Sonne über diesem Gipfel mit einer atemberaubenden Nordwand)

Samstag, 31. Juli 2010

Das Gleichnis vom zuversichtlichen (gelassenen oder gar faulen?) Bauer



Markus 4, 26: Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Dienstag, 27. Juli 2010

Personal Jesus - Nina Hagen goes God


Nina Hagen hat sich vor etwa einem Jahr in Hamburg evangelisch taufen lassen. Nun liegt die erste künstlerische Arbeit nach diesem zentralen Lebensereignis vor. Es ist ein Gospelalbum geworden, das in den USA von routinierten Gospel- und Countrymusikern eingspielt wurde. Beim ersten Hören gefiel mir zunächst die Musik - absolut geschmackvoll, traditionell, aber ohne jeden Schmalz recht trocken und dennoch fett eingespielt, einfach authentischer Country-Gospel. Beim zweiten und drittenmal nervte mich Nina Hagens etwas überzogener Gesang, oft zuviel Leidenschaft, sodass manchmal der Eindruck entsteht, sie persifliert das Genre. Aber das stimmt ganz und gar nicht. Es ist reine Hingabe mit dem Schalk, der einfach zu ihr gehört. Man gewöhnt sich daran und merkt dann, welche "originelle" Gesangskünstlerin sie ist, die es mit jeder Sängerin in der Welt aufnehmen kann. Zum Teil ist es sogar bewegend, wie hinreißend sie die Songs, die ja Bekenntnisse sind, singt. Wüßte man nicht, dass es Nina Hagen ist, könnte man an einen zweite Eartha Kitt denke. Es macht immer mehr Spaß, sich das Album anzuhören. Unangemessen für den Inhalt sind allerdings die Fotos von Jim Rakete, die eine überdrehte narzisstische Selbstdarstellerin zeigen. Wahrscheinlich sollen damit die nichtchristlichen Hörer erreicht werden. Mit dieser Musik kann man durchaus Glauben wecken.

Montag, 26. Juli 2010

Kluge Liebesgedanken von Niklas Luhmann

Liebe ist ein Gefühl, das wir gut beschreiben können, weil wir mit Liebe Erfahrungen gemacht haben. Mit den „Schmetterlingen im Bauch“ beim romantischen Verliebtsein. Mit dem Herz, das einem aufgeht, wenn wir Umgang mit einer vertrauten, geliebten Person haben. Wer liebt, kennt auch Mitgefühl und Freude, hat Angst vor dem Verlust der Geliebten. Liebe widerfährt uns, sie trifft wie Amor mit seinem Pfeil ins Herz. Wir suchen die Nähe der Geliebten, die Liebe fällt ganz mit der Person, die wir lieben in eins. Wenn wir geliebt werden – und diese Liebe erwidern können – fühlen wir uns stärker, selbstsicherer, zuversichtlicher, wertvoller. Viel noch könnte man zur Psychologie der Liebe sagen.
Weniger vertraut – so scheint mir – sind wir mit der Soziologie der Liebe. Wie kommunizieren wir Liebe? Wie können wir uns gegenseitig zeigen, daß wir uns lieben? Woran kann die Geliebte erkennen, daß sie geliebt wird? Indem wir Gefühle benennen? Liebe bekennen? Geschenke schenken? Niklas Luhmann hat hierzu überraschende und zugleich ganz einleuchtende Beobachtungen gesammelt (u.a. Liebe als Passion, 1983)
Liebe ist daran zu erkennen, daß der Liebende sein Handeln ganz auf das Erleben des Geliebten einstellt. Das heißt: Man wird nicht nur alles tun, was verlangt wird, sondern man wird zuvorkommen. Die Liebe darf sich nicht erst auf Nachfrage zu erkennen geben, sie muss allem Bitten und Fragen zuvorkommen, um nicht als Pflicht zu erscheinen. Liebe handelt nicht reaktiv, sondern proaktiv. Nur so kann sie auf das Erleben, auf die ganz persönliche Welterfahrung des Geliebten reagieren und sich in einer noch nicht definierten Situation frei bewegen. Der Liebende bleibt selbstbestimmt, indem er dem, auf den er sich ganz einstellt, zuvorkommt. Liebende lesen Wünsche von den Augen ab. Das geht nur, wenn der Liebende nicht nur etwas an dem anderen liebt, sondern die ganze andere Person in ihrer einzigartigen Individualität zur Voraussetzung ihres Handelns macht. Auch das, wie der Geliebte die geliebte Person wahrnimmt. Die ganze Welt des anderen ist wichtig. Ich sehe die Welt mit den Augen des Geliebten und also auch mich mit den Augen der anderen. Eigene Handlungen müssen in die Erlebniswelt eines anderen eingefügt werden. Diese Einstellung auf die Welt, wie sie der andere erlebt, darf von dem Geliebten nicht als Unterwerfung, Fügsamkeit, als Nachgiebigkeit oder als Konfliktvermeidungsverhalten erlebt werden. Mit einem „na meinetwegen“ ist keine Liebe zufrieden. Handeln aus Liebe passt sich nicht nur an, will nicht nur gefallen, erfüllt nicht nur Wünsche. Es geht darum, in der Welt eines anderen Sinn zu finden. Das ist nie unproblematisch. Liebe muss das Risiko eingehen, letztlich nicht zu wissen, was für den anderen gut ist. Sie hält sich daran, den anderen in dem zu bestätigen, wie er die Welt erlebt.
Wer liebt, hat die Welt, d.h. die Wünsche, Vorlieben, die Ängste, die Freuden, die Hoffnungen, das Glück und auch das Unglück des Geliebten in seine eigene Welt hinein verinnerlicht. Daraufhin zu handeln, das ist Liebe und dieses Handeln erfüllt seinen Sinn in sich selbst. Liebe erfüllt sich allein durch Liebe, wird lebendig, wenn Liebe und Liebe sich miteinander verweben. Wer Liebe testen will, kann fragen (aber wer so fragt, liebt nicht): „Handelt mein Liebespartner so, daß er/sie meine und nicht seine/ihre Welt zugrunde legt?“ (Er fährt zu schnell, obwohl er weiß, dass ich das nicht mag; sie arbeitet mehr, obwohl sie weiß, dass ich darunter leide). Wer liebt, muss seine Gewohnheiten und Interessen überschreiten, er wir immer wieder neu und überraschend im Blick auf den anderen handeln.
Ist all dies möglich? Ist das nicht eine Überforderung? Ja, das ist es. Zu wissen, dass es überfordert und dennoch zu lieben, das ist Liebe.

Walfisch und Thunfisch

Treffen sich Walfisch und Thunfisch.
Fragt der Walfisch: Was sollen wir tun, Fisch?
Anwortet der Thunfisch: Du hast die Wahl, Fisch!

Frage: Wer ist in einer Freundschaft oder Liebesbeziehung eher Wahlfisch, wer eher Tunfisch?

Sonntag, 25. Juli 2010

Wirkliche Liebe heißt wissen, was dem anderen...

"Die Erkenntnis wahrer Liebe", so sagte ein jüdischer Lehrer
seinem Schüler , "verdanke ich einem Gespräch zweier Dorfleute,
denen ich zuhörte. Von den beiden sagte einer: 'Sag mir, Freund
Ivan, liebst du mich?' Der antwortete: 'Natürlich liebe ich dich!' Da
sagte der erste: 'Weißt du, Freund, was mir weh tut?' Der
antwortete: 'Wie kann ich denn wissen, was dir weh tut?' Da sagte
der erste: 'Wenn du nicht weißt, was mir weh tut, wie darfst du
sagen, daß du mich lieb hast?' - "Verstehst du", so schloß der
jüdische Lehrer, "Liebe, wirkliche Liebe, heißt wissen, was dem
anderen wehtut."

Dienstag, 20. Juli 2010

Liebe und Freiheit

"Es gibt nur eine Macht, die uns von uns selbst befreit, und uns alle Angst wie alle Selbstverzweiflung nimmt. Sie heißt die Liebe.
Wir kennen schon in unserem menschlichen Gemeinschaftsleben, wenn es je von dem Strahl der göttlichen Liebe getroffen war, etwas vom Leben und Walten der Liebe. Und mancher weiß beschämt und dankbar, daß er nicht das ist, was er aus sich selbst gemacht hat, sondern das, was die ihm begegnende, ihm geschenkte Liebe aus ihm gemacht hat. Diese geheimnisvolle Kraft echter Liebe beruht darin, daß sie den begegnenden Menschen sieht und versteht und behandelt nicht als den, der er hier und jetzt ist, sondern als den, der er sein kann, sein soll, sein möchte, als den Zukünftigen. Das macht einen Menschen froh und gibt ihm Vertrauen, wenn er spürt, daß der andere ihn als den Zukünftigen nimmt; daß der andere hindurchschauen kann durch alles Äußerliche, alles Alltägliche, Kleinliche, alles Unvollkommen-Halbe, das jedem anhaftet: daß der andere auf ihn vertraut. Und einem Menschen Vertrauen schenken, das bedeutet ja: an seine Zukunft glauben. Solches Vertrauen macht den, der es erfährt, glücklich und frei.
So schenkt Liebe Zukunft, so schenkt Liebe zugleich Glauben an die Zukunft. Aber alle unsere Liebe ist doch nur ein schwacher Abglanz der Liebe Gottes, die da »beweget Sonn und Sterne«. Wie schwach und gebrochen ist unsere Kraft, Liebe zu schenken und Liebe zu wecken! Das aber ist die christliche Botschaft, daß Gottes Liebe erschienen ist in Jesus Christus. Hier tritt sie aus der Verborgenheit und wird in Wort und Tat verkündet allen, die in Angst und Qual sich nach Freiheit sehnen. Gottes Liebe, die uns nimmt - nicht als die, die wir sind, zu denen wir uns gemacht haben, sondern als die, die wir nicht sind, die wir sein sollen, sein wollen, sein werden. Und dadurch macht die göttliche Liebe all das, was wir sind zum Schein und schenkt uns dafür, was wir nicht sind, unser echtes, wirkliches Sein. Gottes Liebe ist nicht ein Ziel, um das wir ringen - wer könnte sie sich erringen! -, sie ist die Macht, die uns immer schon umfängt, für die uns nur die Augen aufgehen sollen; und wir sollen die Augen richten auf den, in dem sie erschienen und wirklich geworden ist in der Welt, auf Jesus Christus. Sich von dieser Liebe getragen wissen, heißt frei sein von der Vergangenheit, frei sein von sich selbst, frei für die Zukunft, die Gott schenken will, für die Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden."

Ausschnitt aus einer Predigt, die Rudolf Bultmann am 2. Juli 1938 zu Römer 8,18-27 gehalten hat (Marburger Predigten, Tübingen 1956, S. 68-69)

Sonntag, 11. Juli 2010

Absolutheitsanspruch

"Das absolut Gemeinte wird umso partikularer, je absoluter es seinen Anspruch erhebt" (K. Nowak)

Samstag, 26. Juni 2010

Andacht zur Abiturfeier

„Mit dem Bedürfnis, die anderen zu verstehen, die anderen zu lieben – übrigens der einzige Weg, sich selbst zu verstehen und zu lieben –, damit beginnt Bildung.“(Cesare Pavese, italienischer Schriftsteller)

Bildung ist nach Pavese ohne das Bedürfnis, ohne die Sehnsucht, die anderen zu verstehen, die anderen zu lieben, nicht vorstellbar. In euch, liebe Abiturienten, hat diese Sehnsucht gesteckt und sie hat auch euer schulisches Lernen inspiriert und mitgetragen. Ihr habt nicht nur gebüffelt. Das Bedürfnis zu verstehen, hat euch immer wieder gepackt und in manchen Schulstunden, Arbeiten und Prüfungen zu ungeahnten Leistungen geführt. In mir als Lehrer steckt ebenfalls diese Sehnsucht, immer noch, nach vielen Jahren des Lehrens und Lernens. Es begeistert mich, das zu verstehen, das anders ist als ich, die zu verstehen, die anders denken, anders fühlen, anders ticken. Vieles anzuerkennen, was mir zunächst fremd erscheint. Und in diesem Prozess lerne ich mich selber besser kennen.

Ich bin der Überzeugung, dass Religion, dass Glaube zu dieser Art der Persönlichkeitsbildung beiträgt. Im christlichen Glauben lerne ich Gott kennen als den, der mich zu verstehen sucht, der mich, sein Geschöpf so sehr liebt, dass er mir gleich geworden ist. Er kennt mich ganz und gar. Meine Stärken, meine Schwächen, meinen Mut und meine Angst, meine Liebe und meinen Zorn, meine Sonnenseiten und meine Schattenseiten. Gott anerkennt mich mit dem, was ich bin. Diese völlige Annahme befreit mich dazu, mich ohne Täuschung, ohne Verzerrung wahrzunehmen. Mich mit meinen Gaben, aber auch mit meinen Abgründen zu sehen. Mich zu lieben, ohne einer narzisstischen Selbsttäuschung zu unterliegen. Diese Freiheit zur ungetrübten Selbsterkenntnis macht mich offen, andere zu verstehen, anzunehmen und zu lieben. Glaube kann somit freimachen zur Bildung, zur Sehnsucht, die anderen zu verstehen, die anderen zu lieben.

Ein solcher Glaube hat von daher auch keine Angst vor „höherer“ Bildung, keine Angst vor Wissenschaft, Kritik und Analyse. Im wissenschaftlichen Sinn gebildet sein und sich gleichzeitig Gott anzuvertrauen, das sind zwar zwei unterschiedliche Zugänge zum Leben, die sich aber nicht ausschließen, sondern vertragen können. Glaube kann und muss Reflexion und Kritik aushalten, sonst wäre er nicht wirklich frei. Glaube versucht auch den Nichtglauben zu verstehen. Nichtglaubende wiederum können anerkennen, dass es diese Form von Glauben gibt, der die tiefen Sinnfragen unseres Lebens mit dem Wort „Gott“ beantwortet.

Ich möchte diejenigen unter euch, die sich Gott anvertraut haben, die von seiner Liebe ergriffen sind, ermutigen, Folgendes mitzunehmen: dass der Glaube euch nicht hemmt, die anderen zu verstehen, die anderen zu lieben, sondern dass er in euch das Bedürfnis dafür noch verstärkt. Dass er euch liebesfähig macht, damit ihr die anderen und euch selbst tiefer lieben könnt. Denn: Gott ist die Liebe.

Ich möchte ebenso diejenigen unter euch, die sich gegenüber Religion eher distanziert verhalten möchten, ermutigen, Folgendes mitzunehmen: Den Respekt vor Menschen, die sich Gott anvertrauen; anerkennen, dass es Formen des Glaubens gibt, die nicht bildungsfeindlich sind, sondern die dazu beitragen, dass die Frage nach dem, was der tragende Grund unserer ganzen Wirklichkeit ist, offen bleibt. Schließlich: Gott als nicht auszuschließende Möglichkeit wachzuhalten, Gott als Weg zur Selbsterkenntnis und zur Welterkenntnis.

Samstag, 12. Juni 2010

Joachim Gauck

Gestern wurde Joachim Gauck 15 min in der ARD befragt. Ich hatte schon am Mittwoch das Interview mit Christian Wulff gesehen. Er kam sympathisch rüber, sagte nichts Verstörendes, aber auch nichts, was ich mir gemerkt hätte. Kein Unglück, wenn er Bundespräsident werden würde.

Gauck aber hat mich sofort berührt. Welche Kraft in seinen Worten, welche reflektierte Lebenserfahrung! Man merkt sich Sätze wie: "Verantwortung ist die Freiheit des Erwachsenen", oder "Oft wird vergessen, wie sehr die Opfer der Schuldeinsicht der Täter bedürfen". Es wäre ein Glück für Deutschland, wenn er zum Bundespräsidenten gewählt werden würde.

Sonntag, 30. Mai 2010

Dem Geist nachspüren – den Geist Gottes im Römerbrief entdecken Teil 3

Röm 12,11: Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist.Der Geist intensiviert das, was wir tun. Was wir tun sollen – in welchen Lebenszusammenhängen auch immer: der Geist läßt uns glühen, wie es wörtlich zu übersetzen ist. Unser Tun empfängt etwas von der Lebendigkeit des Geistes.
Röm 15,13: Reicher werden an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Der Geist macht uns reich an Hoffnung. Er verkürzt nicht den Blick in die Zukunft, sondern weitet ihn. Ein ganzes Leben liegt noch vor uns. So viel wir schon gelebt habe, am Leib schon 30, 40, 50 oder gar 60 Jahre mit uns tragen, ob unsere Seele unseren Horizont gerade auf das morgen einschränkt und alles weitere ganz ins Düstere gleiten lässt. Der Geist macht es hell, weitet unseren Zeithorizont, befreit uns von aller Zukunftsangst, weil er uns mit der Zukunft Gottes verbindet.
Röm 15,16: Geheiligt durch den Heiligen Geist.
Wieder taucht das Geheiligt sein auf. Der Geist führt uns in die Nähe Gottes und so macht er uns heilig. Er trennt uns von dem, was uns selbst und andere zerstört.
Röm 15,19: Die Kraft des Geistes Gottes
Ich sehne mich mit euch nach dieser Kraft des Geistes. Sie ist aber schon da, wirkt an uns, baut unsere Gemeinde.
Röm 15,30: Die Liebe des Geistes
Ich bete:
Gott, schenke uns jetzt die Liebe deines Geistes,
gieße sie aus in unsere Herzen
Komm, Geist der Liebe!
Kräftige mich,
erfülle uns.

Samstag, 29. Mai 2010

Dem Geist nachspüren – den Geist Gottes im Römerbrief entdecken Teil 2

Röm 8,13: Durch den Geist die Taten des Fleisches töten
Ein starkes Bild, fast zu intensiv, zu brutal. Etwas töten? Was? Taten des Fleisches. Etwas sein lassen, was dem Frieden, dem Leben und der Liebe widersprechen könnte. Krieg, Tod, Hass. Dem kein Leben geben, was deine Lebendigkeit im Geist erstickt.
Können wird das? Oder ist unser Leben doch von der Furcht, von den Kränkungen geprägt, die uns eingepanzert haben?
Röm 8,15-16: Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Der Geist schenkt uns einen kindlichen Geist! Er macht uns jung, zu Kindern, zu solchen, die jeden Tag wie neugeboren beginnen können ohne gefesselt zu sein an die Altlasten der Traurigkeiten, Enttäuschungen. Der Geist macht uns nicht zu ängstlichen oder angepassten, sondern zu unbefangenen, freien und fröhlichen Kindern voller Mut.
Röm 8,23: Auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.
Wir leben dieses neue geistliche Leben in einem alten Leib, ein Leib, der die ganze Last unserer Vergangenheit wie ein Gedächtnis bewahrt. Unsere Seele kann nichts vergessen, unser Körper wurde schon viele Jahre der Vergänglichkeit ausgesetzt. Schmerzen – seelisch, körperlich
Darum gehört zum geistlichen Leben auch das Seufzen. Die Sehnsucht nach mehr. Der Geist ist Anzahlung, nicht die Fülle.
Röm 8, 26: Der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.
Der Geist macht unser Seufzen zu seinem Seufzen! Ist das nicht eine ungeheure Einfühlsamkeit? Wir sind ganz verstanden! Der Geist, der uns erneuert, trägt auch die ganze Last der Vergänglichkeit mit. Wir müssen sie nicht verdrängen, die Fröhlichen, Glücklichen spielen.

Freitag, 28. Mai 2010

Dem Geist nachspüren – den Geist Gottes im Römerbrief entdecken Teil 1

Nachspüren: der Geist Gottes ist unseren Gefühlen, unseren Stimmungen, unseren Haltungen und sittlichen Einstellungen ganz nah, wenn er anwesend ist, können wir ihn spüren.
Bewusst machen, was für eine Rolle der Geist im Leben als Christen spielt.
Verstehen, um zu erleben.
Röm 1,4 Der Geist, der heiligt, indem er Jesus als Sohn Gottes in Kraft einsetzt, indem er ihn aufweckt. Der Geist ist die Kraft der Auferstehung.
Der heilige Geist ist die Kraft Gottes, die zum göttlichen Leben führt, zum ewigen Leben, zu einem Leben in der Nähe Gottes.
Der Geist ist die Fülle der Lebendigkeit. Er ist Teil der ersten, wie auch der zweiten Schöpfung Gottes.
Röm 2,29: Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht.
In der Gegenwart kann der Geist unser Herz, unser Ich, den Motor unserer Ziele und Werte „beschneiden“, d.h. so umwandeln, dass es erneuert wird. Der Geist greift ins Zentrum ein. Er packt unsere Seele an ihrer Wurzel
Wie geschieht das?
Röm 5,5: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Der Geist füllt unsere Seele mit der Liebe Gottes. Nicht wir schöpfen diese Liebe, sondern er flößt sie uns ein. Wir empfangen sie. Denn wir haben erkannt, wie sehr uns Gott liebt.
Röm 7,6: So leben wir im neuen Wesen des Geistes
Er bringt die Liebe Gottes und das Leben Gottes zu uns.
Der Geist wird unser eigentliches Wesen. Er macht alle Glaubenden zu Geistlichen, nicht nur eine besondere Gruppe von Personen.
Röm 8,2: Das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht.
Der Geist macht uns frei! Spüre, wovon der dich freimacht: Wovon brauchst du Befreiung? Du bist in Christus lebendig gemacht.
Röm 8,6: Geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede.
Spüre, dass du lebendig bist!
Spüre den Frieden, den der Geist dir schenkt, der dich ausruhen lässt! Du kannst dich mit dir selbst versöhnen, mit anderen, mit Gott. Frieden!